Radiohörer in Geiselhaft

Kommentar zum Streit um Antennenkosten

Weil sich Sendernetzbetreiber und Antennenbesitzer nicht über die Preise einigen, droht ab Mitte nächster Woche eine UKW-Sendepause. „Bis zu zehn Millionen Hörer könnten schon ab Mittwoch von einer Abschaltung ihrer UKW-Radiosender betroffen sein“, heißt es. Von Frank Pröse 

In Hessen wird FFH derart erpresst. Ursache des Streits ist die Deregulierung des Telekommunikationsmarkts, in deren Zuge der bisherige technische Dienstleister Media Broadcast wegen zu geringer Margen seine Antennen verkauft hat. Die Sender haben Verträge mit alternativen Netzbetreibern geschlossen, die sich mit den Antennenbesitzern jedoch nicht über die Preise einigen konnten.

Ob die Drohung nur als letzter Weckruf zu verstehen ist, sei dahingestellt. Dann wäre der Ausfall von UKW-Frequenzen noch zu vermeiden. Doch selbst wenn Sender und Hörer zur Durchsetzung höherer Preise nicht in Geiselhaft genommen werden, lenkt der Konflikt mit drohender Funkstille den Blick auf zwei Entwicklungen.

So gehört Infrastruktur nicht privatisiert und den Launen von Heuschrecken ausgesetzt, sondern muss in öffentlicher Hand liegen. Für diese Maxime liefern die Nachwehen des Antennenverkaufs den Beweis. Netzagentur und Kartellamt sollten dazwischenfunken, da die Erkenntnis reift, dass jemand, der mit Abschaltung einer Medienplattform droht, kaum zum Betrieb einer öffentlichen Infrastruktur geeignet ist.

Der Konflikt wirft darüber hinaus ein Schlaglicht auf einen technischen Wettstreit. Weil das viel gepriesene Digitalradio DAB+ ein Schattendasein fristet, soll ihm wohl über die UKW-Sendepause eine Spritze zur Belebung verpasst werden. Doch DAB+ macht nicht so sehr die ältere, aber zuverlässige Technik zu schaffen, sondern der enorme Abstand zur versprochenen Tonqualität. Außerdem ist der Empfang außerhalb von Ballungszentren nicht garantiert. Und schließlich: Wer Radio digital empfangen will, der streamt.

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