Ein echter Hammer

Kommentar: Viele frühzeitig in Rente 

Die Diskussion um die Rente nimmt bizarre Formen an. Einerseits verteilt die Bundesregierung fleißig Wahlkampfgeschenke. Andererseits werden die Kritiker nicht müde, die Bevölkerung immer wieder mit Mahnungen aufzuschrecken. Von Marc Kuhn

Oft geht es in eine Richtung: Das Eintrittsalter in den Ruhestand muss hoch gesetzt werden. Es liegt schon bei 67 Jahren. Viele halten 70 Jahre angesichts der demografischen Entwicklung für angemessen. Neue Zahlen machen jetzt sehr nachdenklich: Die Hälfte der Betroffenen steigt vor dem Renteneintrittsalter aus dem Job aus. Viele sind erwerbsunfähig, andere nehmen erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf. Das ist ein richtiger Hammer.

Angesichts dieser Entwicklung die Hürden für die Rente noch höher zu legen, ist fahrlässig. Betroffene würden schließlich auf diese Weise noch stärker unter Druck gesetzt. Und vielen, die aus dem Arbeitsleben früher aussteigen müssen, würden weitere finanzielle Belastungen drohen. So drängt sich der Verdacht auf, dass die Mahner langfristig starke Einbußen für künftige Rentner in Kauf nehmen wollen. Aufgabe der Politik ist es aber, auch Menschen, die erst in Jahrzehnten in den Ruhestand gehen, vor Altersarmut zu schützen.

Wohnungsnot als gesellschaftlicher Sprengstoff

Deshalb sollten sich Regierung und Opposition zum Beispiel endlich auf ein Einwanderungsgesetz einigen. Es sollte ähnlich wie Regelungen in USA und Kanada den Fachkräftebedarf sichern. So ließen sich auch die Sozialkassen einschließlich der Renteneinnahmen schützen.

Entscheidend ist, dass die Politik ihre Zurückhaltung aufgibt. Die Zeit der Schönrederei muss aufhören. Die nächste Rezession kommt auf jeden Fall – und dann steht auch die Rente vor Problemen.

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