Kontrollen für Handel und Halter

Gelnhäuser Tierheimchefin kämpft im „Bündnis Schattenhund“ für mehr Verantwortung

Corina Wink, Leiterin des Tierheims Gelnhausen.
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Corina Wink, Leiterin des Tierheims Gelnhausen.

Aggressiv, bissig, verhaltensgestört – zunehmend stellen schwer vermittelbare Hunde die Tierheime vor besondere Herausforderungen. Aus diesem Grund hat sich das „Bündnis Schattenhund“ gegründet; das Tierheim Gelnhausen ist eines der Mitglieder.

Offenbach/Gelnhausen – Dessen Leiterin Corina Wink spricht über Auswirkungen der Problematik und darüber, ob ein verpflichtender Hundeführerschein Abhilfe schaffen könnte.

Spürt auch das Tierheim Gelnhausen den Trend einer Zunahme schwer vermittelbarer Hunde?

Bei uns befinden sich aktuell 75 Hunde. Dies ist ein vergleichsweiser Niedrigstand, in Spitzenzeiten beherbergen wir knapp über 100. Von derzeit 75 Hunden sind 45 bereits seit einem Jahr oder länger im Tierheim, da sie aus unterschiedlichen Gründen schwer vermittelbar sind. Insgesamt haben wir somit mindestens 60 Prozent Schattenhunde, neben einigen, die nur aufgrund ihres hohen Alters hier sind. Auch die Verweildauer schwer vermittelbarer Hunde hat sich verlängert: Viele bleiben jahrelang im Tierheim oder können gar nicht vermittelt werden. Unter unseren Langzeitinsassen haben wir zwei Hunde, die schon seit neun Jahren hier leben.

Welche finanziellen und personellen Auswirkungen bringt das mit sich?

Einerseits Platzmangel, das heißt: weniger Kapazität zur Aufnahme weiterer Hunde und dadurch entstehende Wartelisten. Und andererseits steigende Kosten – etwa für den Tierarzt, aber auch allgemeine Haltungskosten: höhere Zäune für Hunde, die gerne mal ausbrechen, etwa, Einzelunterbringungen für nicht oder nicht-dauerhaft gruppenfähige Hunde, oder die Notwendigkeit, Dauerunterbringungsmöglichkeiten für Herdenschutz- oder Wolfhunde zu schaffen, die im Zwinger extrem leiden. Damit einher gehen höhere Personalkosten, etwa, weil die Tiere nicht in die Gruppenhaltung können, außerdem Hundetrainer- und Fortbildungskosten für die Mitarbeiter. Der Basisaufwand ist größer durch die Langzeitinsassen, und der Stresslevel für Mensch und Tier ist höher.

Gelnhausen: Aufklärung ist das große Ziel

Welche Ziele will das „Bündnis Schattenhund“ erreichen?

Unser großes Ziel ist Aufklärung – über Hunde und ihre Bedürfnisse und über Verantwortung. Aufklären möchten wir auch über die Arbeit der Tierheime und was Schattenhunde für deren Arbeit bedeuten. Außerdem wünschen wir uns eine adäquate, einheitliche Übernahme von Kosten für die Unterbringung beschlagnahmter Tiere durch die öffentliche Hand. Und Hundehandel braucht aus unserer Sicht Kontrollmechanismen: Ein Klick ins Online-Portal, und schon findet man eine Vielzahl an Angeboten für Hunde aller Rassen und Mixe – nicht immer seriöse. Hier wünschen wir uns, dass nur qualifizierte Stellen Hunde nach eingehender Beratung vermitteln dürfen. Das würde viel Tierelend verhindern. Passen Neu-Hundehalter und Hund dann trotzdem nicht zusammen, müssen die Vermittler verpflichtet sein, die Hunde zurückzunehmen – aus ihrer Verantwortung für Mensch und Tier heraus.

Was halten Sie von der Einführung eines verbindlichen Hundeführerscheins?

Anstelle von Rasselisten und erhöhten Steuern plädieren wir klar für einen solchen Führerschein. Jeder Neu-Hundehalter sollte den vor der Anschaffung ablegen müssen, um zumindest ein grundlegendes Verständnis für Hunde, deren Bedürfnisse und für die übernommene Verantwortung sicherzustellen. Jedem Neu-Hundehalter sollte klar sein, dass ein Hund erzogen werden muss, dass bestimmte Rassen häufig bestimmte Eigenschaften mit sich bringen und damit auch den Halter fordern.

Gelnhausen: Erst informieren, bevor man sich ein Tier anschafft

Was raten Sie Menschen, die sich einen Hund zulegen wollen?

Sie sollten sich informieren, und zwar vor der Anschaffung! Ein Hund lebt mitunter 15 Jahre, da muss ich mir vorstellen können, dass er auch in Zukunft noch in mein Leben passt. Als Familie oder Paar sollte man sich klar darüber sein, wer in Zukunft welche Aufgaben übernehmen wird. Und man darf sich die ehrliche Frage stellen: Warum wollen wir eigentlich einen Hund? Gut wäre es, seine Informationsrecherche auf eine breite Basis zu stellen: Rassebücher, Internetforen, Fachzeitschriften, Hundeschulen und -trainer, Tierschutzvereine, der Nachbar, der möglicherweise einen Hund der gleichen Rasse hat, der Tierarzt – all dies sind Möglichkeiten, etwas über Hunde und ihre spezifischen Eigenschaften zu erfahren. Auch das Gassigehen im Tierheim mit verschiedenen Hunden kann helfen, herauszufinden, welchen Typ man bevorzugt und welcher eher überfordert oder als anstrengend empfunden wird. 

Das Gespräch führte Nina Beck

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