Pöbeln bis der Arzt kommt

Stark zunehmende Gewalt in Notaufnahmen

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In den Ambulanzen in Rhein-Main haben es Ärzte und Pfleger immer häufiger mit aggressiven Patienten zu tun.

Offenbach/Hanau - Kliniken berichten von zunehmender Gewalt von Patienten in Notaufnahmen. Das liege nicht nur an Trunkenheit oder Drogensucht, sondern zunehmend auch an immer längeren Wartezeiten und einer gestiegenen Erwartungshaltung der Patienten. Von Peter Schulte-Holtey

Die Besorgnis über die wachsende Zahl aggressiver Patienten in Klinik-Ambulanzen wächst. Ein bundesweiter Alarmruf kommt jetzt von Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Als Ursachen für die Zunahme der Pöbeleien und Übergriffe sieht er unter anderem die „absolute Überlastung“ der Notaufnahmen. Viele Patienten gingen heute direkt in die Notfallambulanz, um dort schneller umfassende Hilfe zu bekommen. Tatsächlich müssten sie dort aber häufig lange warten – „teilweise sechs bis sieben Stunden sitzen sie dort, bevor sie behandelt werden“. Dies führe dann häufig dazu, dass die Patienten ungeduldig würden, „vor allem wenn sie sehen, dass andere Patienten aus medizinischen Gründen ihnen vorgezogen werden.“

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Leidvolle Erfahrungen werden auch am Sana Klinikum in Offenbach gemacht. Mit über 60.000 Patienten pro Jahr gehört die Notaufnahme zu den größten in Hessen. Die Anzahl der Hilfesuchenden sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, damit habe auch die Zahl der Übergriffe zugenommen, so eine Sprecherin. „Es kommt mehrfach pro Woche zu Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten“, bestätigt Peter Bonifer, Leiter des Aufnahme- und Entlass-Managements in der Notaufnahme des Klinikums in Offenbach. „Deshalb starten wir jetzt auch mit einem speziellen Deeskalationstraining für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Für aggressives Verhalten sorge auch immer wieder die Reihenfolge der Behandlung. Diese erfolge nach der Schwere der Erkrankung oder Verletzung und nicht nach dem Eintreffen. „Viele Patienten zeigen dafür kein Verständnis.“ Das Klinikum hat reagiert: Seit Mai sind Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in der Notaufnahme im Einsatz.

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Auch vom Klinikum in Hanau wird die Entwicklung bestätigt. Zwar ist von „Einzelfällen“ die Rede. „Es gibt zunehmend ungehaltene, ausfallende Patienten“, heißt es. Die Gründe sind nach Angaben einer Kliniksprecherin von Fall zu Fall unterschiedlich. Doch auch sie verweist auf Probleme durch den wachsenden Andrang: „Bei einem hohen Patientenaufkommen in der Notaufnahme sind die Wartezeiten entsprechend lang, und die Patienten können ungeduldig werden.“ In der Regel hat das Klinikum in Hanau keine Wachleute in der Notaufnahme. Bei Großveranstaltungen in der Stadt wird jedoch ein Sicherheitsdienst beauftragt. „Die Polizei wird nur im Bedarfsfall gerufen“, fügt die Sprecherin hinzu.

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