FDP stellt kritische Fragen

Landesgartenschau in Bad Schwalbach läuft nicht wie erwartet

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Farbenfroh präsentiert sich das Taunusstädtchen Bad Schwalbach anlässlich der Landesgartenschau. 

Offenbach - Die Landesgartenschau in Bad Schwalbach läuft nicht wie erwartet. Trotz vieler Aktionen zur Steigerung der Besucherzahlen bleiben diese hinter den Erwartungen zurück. Kritische Fragen stellt die FDP im Landtag. Von Carsten Müller

Zwischen Beeten mit Rotem Sonnenhut und Sitzender Katzenminze schlängeln sich die Pfade der Landesgartenschau (LGS) quer durch den Kurpark von Bad Schwalbach. Der Weg führt vorbei an naturbelassenen Böschungen, fernöstlicher Gartenkunst und einer etwas deplatziert wirkenden Präsentation zur Grabgestaltung. Dass nicht alles eitel Sonnenschein ist im Hintertaunus, zeichnet sich schon seit Langem ab. Die Besucherzahlen entwickeln sich nicht wie gedacht, es gibt immer wieder Kritik am Konzept, an der Randlage und gepfefferten Eintrittspreisen. Vom „Landesgarten-Flop“ war sogar die Rede in einer Boulevardzeitung.

Anlass genug für den FDP-Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn, das Thema zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage zu machen, deren Antwort inzwischen vorliegt. Laut Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) ist es allerdings noch zu früh, eine Bewertung zum Verlauf der von der Stadt Bad Schwalbach und der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Hessen-Thüringen mbH gemeinsam ausgerichteten Veranstaltung abzugeben. In ihrer Antwort auf die Anfrage bezeichnete Hinz es als „nicht sachgerecht“, dafür allein die Besucherzahl heranzuziehen.

Die Ministerin legt sich dennoch fest: Bis zum Ende der Schau am 7. Oktober erwartet sie 500.000 Besucher. Das entspricht dem allgemein rückläufigen Trend: 2012 kamen 525.000 Besucher nach Bad Nauheim, 2014 nach Gießen 504.000. Die Latte liegt aber noch immer recht hoch, zumal bis 17. Juni 99.000 Besucher im Bad Schwalbacher Kurpark gezählt wurden, darin eingerechnet Publikumsmagnete wie das Hessische Chorfestival von Anfang Juni.

Mittlerweile hat der Veranstalter seine Erwartungen entsprechend herunter geschraubt. „Wir haben als Ziel 500.000 Besucher ausgegeben. Aber wenn wir bei 300.000 oder 400.000 rauskommen, dann ist das auch okay“, sagte LGS-Geschäftsführer Michael Falk. Das Land fördert investive Maßnahmen mit 3,3 Millionen Euro, laufende Kosten trägt die mehrheitlich von der Stadt dominierte Durchführungsgesellschaft Landesgartenschau 2018 Bad Schwalbach GmbH. Diese legt auch die Eintrittspreise fest, die sich auf ähnlichem Niveau bewegen wie die vergleichbarer Veranstaltungen in anderen Bundesländern. Bis auf das Saarland richten alle Flächenländer Landesgartenschauen aus – in unterschiedlichem Turnus.

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Hessen will an dem Konzept in Zukunft festhalten. Die bisherigen Landesgartenschauen belegten positiven Effekte für die ausrichtenden Kommunen, erläutert die Ministerin. Die mehrmonatige Großveranstaltung betreibe vielschichtiges Marketing für den Standort und setze nachhaltige Impulse zur Schaffung attraktiver Grünstrukturen. Hervorgehoben wird von Hinz zudem der Bildungsauftrag – Stichwort: Grünes Klassenzimmer. „Landesgartenschauen sind bewährte Instrumente, um strukturelle Herausforderungen aufzugreifen und einer nachhaltigen positiven Lösung zuzuführen“, so die Ministerin.

Das sehen frühere Ausrichter wie die Städte Bad Nauheim und Gießen ähnlich. „Die Landesgartenschau hat richtig dolle Spuren hinterlassen“, sagt etwa Linda Dönges, Stadtsprecherin von Bad Nauheim. Vieles habe sich zum Positiven gewandelt. Die Parkstraße sei saniert und umgebaut worden, die Wege im Kurpark erneuert, der Goldsteinpark hergerichtet, der Bahnhof erneuert.

Ähnliches ist auch aus Gießen zu hören. „Die Landesgartenschau hat einen großen Mehrwert für die Stadt Gießen gebracht“, sagt Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne). „Alles was wir uns erhofft haben, ist in Erfüllung gegangen.“ Rund um den durch Gastronomie und Freizeitflächen aufgewerteten Stadtpark Wieseckaue sei ein neues Stadtquartier entstanden, der Bahnhof wurde aufgewertet und das Lahnufer für die Bevölkerung erschlossen. Der auf 2,6 Millionen Euro taxierte städtische Kostenbeitrag sei um 600.000 Euro unterboten worden. Und sogar der Eisvogel brütet wieder.

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