Die lange Fahrt durchs Nadelöhr 

Baustellen auf Rhein-Main-Autobahnen werden mehr statt weniger

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Zu Ostern dürften sich auf hessischen Autobahnen wieder etliche Fahrzeugkolonnen bilden. Auch sonst haben es Autofahrer nicht leicht: Die vielen Baustellen machen das Fahren zur Qual.

Wiesbaden/Offenbach - Südhessens Autofahrer gehören zu den besonders leidgeprüften: Auf A3, A5 und A66 reiht sich eine Baustelle an die andere. Das Fernstraßennetz befindet sich nicht erst seit gestern an seiner Belastungsgrenze. Von Nikolas Sohn 

Selbst kleine Störungen führen im Berufsverkehr zu langen Staus. Von der FDP kommt ein Denkanstoß: der vermehrte Einsatz von 24-Stunden-Baustellen.

Zu den größten Nervtötern vor der Haustür gehört ganz sicher die A3. Dort wird unter anderem zwischen Offenbach und Obertshausen eine Brücke saniert; geplante Bauzeit bis Jahresende. Die Erneuerung der Entwässerung des Mittelstreifens der A3 bei Seligenstadt soll bis Juli dauern. Eine kürzlich begonnene Sanierung betrifft die A66 in Richtung Wiesbaden. Das Wiesbadener Kreuz war dieses Jahr schon mehrfach wegen Bauarbeiten gesperrt. Nach Angaben des Landesbetriebs Hessen Mobil wird es täglich von rund 200.000 Fahrzeugen passiert und zählt zu den meistbefahrenen Verkehrsknoten im Bundesland.

Hessen liegt dem ADAC Hessen-Thüringen zufolge mit insgesamt 126.385 Staukilometern im Verhältnis zu den vorhandenen 984 Autobahnkilometern nur knapp über dem Bundesschnitt. Gleichwohl hat sich die Gesamtlänge der hiesigen Staus in den vergangenen fünf, sechs Jahren mehr als verdoppelt. Deutscher Spitzenreiter ist Hamburg mit 31.630 Staukilometern auf nur 81 Autobahnkilometern. An der Spitze des Staugeschehens liegen in absoluten Zahlen die Flächenländer Nordrhein-Westfalen (454.907) und Baden-Württemberg (195.001).

Für die Autofahrer in Rhein-Main heißt das in der Regel, sich in Geduld zu üben: Die Anzahl der Baustellen wird eher mehr statt weniger werden. Denn aufgrund der jahrelangen Unterfinanzierung und des zugleich starken Verkehrswachstums, insbesondere durch Schwerlastverkehr, hat sich ein enormer Sanierungsstau aufgebaut. „Es besteht immenser Handlungsbedarf, die vielen chronischen Engpässe zu beseitigen“, sagt ein ADAC-Sprecher.

Für die nächsten Jahre rechnet der Verkehrsclub aufgrund des prognostizierten steigenden Verkehrsaufkommens mit weiterhin vielen Staus. Zugleich gehen die Bauvorhaben nur langsam voran. So ist der Ausbau von Offenbacher, Hanauer oder Bad Homburger Kreuz erst im aktuellen Bundesverkehrswegeplan bis 2030 vorgesehen. Dieser sieht Bauarbeiten für die nächsten zehn bis 15 Jahre vor.

Um die ganze Sache zu beschleunigen, regt FDP-Verkehrsexperte Christian Jung dazu an, auf Autobahn-Baustellen öfter rund um die Uhr zu arbeiten. Das Bundesverkehrsministerium nennt auf Jungs Anfrage insgesamt 41 Baustellen mit 24-Stunden-Betrieb für 2017. Für Jung zu wenig: „Um die deutschen Autobahnen rascher zu modernisieren, benötigen wir mehr 24-Stunden-Baustellen nicht nur bei Fahrbahnerneuerungen.“

Auch der ADAC sieht beim Thema Bauzeit noch viel Luft nach oben. „An zu vielen stauträchtigen Baustellen ruhen die Arbeiten zu lange“, lautet da das Resümee. Die Bauzeit könnte spürbar verkürzt werden, so der Automobilclub, und zwar durch konsequente Ausnutzung des Tageslichts, regelmäßige Samstagsarbeit und bei staukritischen Baustellen auch durch Sonntags- und Nachtarbeit. Doch die Arbeiten in die Nacht zu verlegen, gestaltet sich laut dem Verkehrsclub recht schwierig, da hier vor allem arbeitsrechtliche Belange zu berücksichtigen sind. Dazu verteuern sich generell die Baukosten durch Nachtarbeit immens. Zumindest technisch aber seien die Bauunternehmen dazu in der Lage, ergänzt der Sprecher.

Autobahn-Ärger: Hier stehen Hessen häufig im Stau

Dem FDP-Vorschlag, auf Autobahnbaustellen generell rund um die Uhr zu arbeiten, erteilt Hessen Mobil eine klare Absage. „Die Annahme, eine 24-Stunden-Baustelle bedeute automatisch den geringstmöglichen verkehrlichen Eingriff, geht fehl“, erklärt ein Behördensprecher. Entscheidend für den Verkehrsfluss sei die Aufrechterhaltung der Fahrstreifen. „Eine 24-Stunden-Baustelle mit Reduzierung der Fahrstreifenanzahl würde im Rhein-Main-Gebiet eher zu mehr Staus führen als zu weniger.“ Zudem habe der Gesetzgeber hohe Anforderungen an Nacht- und Wochenendarbeit gestellt.

In der Praxis bedeutet dies, dass Hessen Mobil „vorrangig bei kurzen Baustellenarbeiten, die am Wochenende oder über Feiertage hinweg durchgeführt werden können, auf diese Beschleunigungsmaßnahme zurückgreift.“ So versucht die hessische Behörde nach Möglichkeit Baustellen so zu organisieren, dass sie sich nicht störend auswirken. Arbeiten an Schutzplanken, Schlaglöchern oder die Installation von Brückenelementen würden demnach in den Abend- und Nachtstunden erledigt.

Fazit von Hessen Mobil: „24h-Baustellen sind unter bestimmten Bedingungen sinnvoll und notwendig, aber sicher keine Patentlösung für alle Verkehrslagen“.

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