Einsam zwischen Steinen

Streit um Steingärten: Diskussion um Verbot in Limburg-Weilburg 

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Zwei Katzen aus Stein sitzen in einem Schottergarten. Über ein Verbot von Steingärten wird bundesweit diskutiert. Auch im Kreis Limburg-Weilburg ist das in manchen Kommunen Thema.

Vor allem in großen Städten wird über ein Verbot von Steingärten diskutiert. Auch der Naturschutzbund Deutschland fordert dies explizit. Im  Kreis Limburg-Weilburg wird ebenfalls Bedarf gesehen.

Limburg-Weilburg - Steingärten gelten als ansehnlich und modern und – vermeintlich pflegeleicht. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es dabei nicht bleibt. „Durch Laub und Staub bildet sich zwischen den Steinen nach und nach ein Nährboden für spontane Begleitvegetation oder platt gesagt Unkraut. Auch Durchwachssperren aus Vlies, Folie oder Beton können dies nicht verhindern und damit entsteht letztendlich Pflegeaufwand, und nach drei bis zehn Jahren müssen die Steine ersetzt werden“, erläutert die Bad Camberger Stadtbauamtsleiterin Bärbel Stillger.

Die Problematik mit den in Mode gekommenen Steingärten wurde in der Bad Camberger Politik noch nicht explizit thematisiert. Doch auch hier ist diese Art der Gartengestaltung als Trend wahrzunehmen. „Ein Regulierungsbedarf – so dies politisch gewünscht ist – ist insbesondere möglich im Zuge von Bauleitplanungen für Neubaugebiete“, sagt Stillger. In bestehenden Ortslagen dürfte dies schwieriger werden. In Bad Camberg könnte eine diesbezügliche Regulierung im Zuge des Bebauungsplanes „Am Sträßchen“ erfolgen, für den die Stadtverordnetenversammlung am 29. August den Aufstellungsbeschluss gefasst hat. Bärbel Stillger: „Die daran anschließenden Gremienberatungen und das Beteiligungsverfahren hierzu werden zeigen, wie hier die Richtung vorgegeben wird.“

Limburg-Weilburg: Steingärten sorgen für Ärger - Politische Diskussion

Grundsätzlich seien blühende Gärten wichtig für Vögel und Insekten. Zudem helfen Grünflächen, das Stadtklima zu regulieren, wohingegen Schotter das Stadtklima eher aufheizt. „Viele Hauseigentümer empfinden ein Verbot jedoch als zu drastisch und als einen zu großen Eingriff in ihre Privatsphäre. Bundesweite Aktionsprogramme könnten für Aufklärung und Verständnis sorgen und Bauherren informieren über insektenfreundliche Pflanzen und eine umweltfreundliche Gartengestaltung“, sagt die Stadtbauamtsleiterin.

In Limburg gibt es bereits eine politische Diskussion darüber, wie der zunehmenden Ausbreitung von Steingärten Einhalt geboten werden kann. Auf Initiative der Grünen und auf Wunsch der Stadtverordneten soll der Magistrat nun prüfen, „in welcher Form die zunehmende Flächenversiegelung durch Asphaltierung, Pflasterung und Umwandlung in Steingärten in Limburger Gärten und Vorgärten geregelt werden kann“. Ziel dieser Regelung soll es sein, „dass so wenig Flächen wie möglich versiegelt werden“. Außerdem soll der Magistrat in Limburg klären, wie die Umwandlung von privaten Grünflächen in Steingärten beendet werden kann. Deshalb soll er Vorschläge erarbeiten, „wie die Besitzer solcher Steingärten zum Rückbau in grüne Vorgärten angeregt werden können“.

Limburg-Weilburg: Steingärten sorgen für Ärger - Meinungen gehen auseinander

In der Gemeinde Dornburg sprießen Steingärten noch eher verhalten. Ein „übermäßiges Auftreten“ könne er jedenfalls nicht feststellen, sagt Bürgermeister Andreas Höfner (CDU). Zwar gebe es „die eine oder andere entstandene öffentliche Steinfläche“, die die Gemeinde mit dem Ziel „möglichst blütenreich, aber pflegeleicht“ rekultivieren will. Idealerweise können diese Maßnahmen gelingen, wenn Anlieger solche Flächen als Pflegepaten betreuen. Dass ihnen die dadurch entstehenden Kosten erstattet würden, sei selbstverständlich, betont der Bürgermeister.

Von nachträglichen Reglementierungen für private Grundstückseigentümer hält Höfner dagegen nichts. „Es stellt sich im Übrigen die Frage, wann eine Fläche zur vermeintlichen Steinwüste wird und keine gärtnerisch gestaltete, angelegte Fläche mit Steinbesatz mehr ist.“ Vorgaben in bestehenden Bebauungsplänen gibt es Höfner zufolge in Dornburg derzeit nicht. Er werde die Entwicklung und die „Regelungsphantasien“ in Bebauungsplänen umliegender Kommunen beobachten und jedenfalls nicht in den Bereich der Bevormundung von Grundstückseigentümern geraten. Sein Fazit: Im ländlichen Bereich dominiere noch immer Grün, was „dem einen zu wenig, dem anderen zu viel ist, aber jedenfalls in der Fläche deutlich mehr ist als in urbaneren Stadtgebieten“.

Steingärten in Limburg-Weilburg: "Absolut grottig" - Bislang keine Regelung

Für den Ersten Beigeordneten des Marktfleckens Villmar, Dieter Scheu (CDU), sind Steingärten „absolut grottig“. Leider entspreche es offenbar dem Zeitgeist, dass manche Menschen ihren Garten mit Steinen zuschütteten. In Villmar konterkariere dies das Bemühen der Gemeinde, Blumenbeete und Pflanzgärten auf öffentlichen Flächen anzulegen, beispielsweise „Im Kalk“ oder an der Burg, um Bienen zusätzlich Nahrung zu geben. Von Verboten hält Dieter Scheu ebenso wie Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) dennoch nichts: „Welche rechtliche Handhabe hätten wir, so etwas zu tun?“, weist der Politiker auf juristische Probleme hin. Stattdessen appelliert er an die Vernunft von Gartenbesitzern. „Jeder sollte sich gut überlegen, ob er sich tonnenweise Steine in den Garten kippt“, sagt Scheu. Zumal dies häufig noch den Einsatz der „chemischen Keule“ in Form von Unkrautvernichtungsmitteln nach sich ziehe.

Auch in der Stadt Runkel gibt es bislang keine Regelung über Steingärten. „Festsetzungen in Bebauungsplänen, die Steingärten verbieten, gibt es nach meiner Kenntnis bisher nicht. Es ist klar, dass Steingärten aus naturschutzfachlicher Sicht abzulehnen sind“, sagt Bauamtsleiter Marcus Kremer. Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) teilt diese Meinung. Steingärten seien im Regelfall frei jeder Ästhetik, wobei dies natürlich rein subjektiv sei. Bisher sei dieses Thema allerdings weder im Magistrat noch im Stadtparlament besprochen worden. „Allerdings hatten wir es kürzlich in der Abteilungsleitersitzung schon mal auf dem Tableau, und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass wir diese Thematik demnächst angehen“, sagt Marcus Kremer. Der Leiter des Runkeler Bauhofes Michael Lehr hält wenig von Vorschriften zu Steingärten, die er weder für schön noch für umweltbewusst hält. „Meiner Meinung nach haben wir schon zu viele Vorschriften. Da es sich auch noch um Privatbesitz handelt, wären Aufklärung und Hilfestellung bei der Gestaltung sinnvoller, meint Michael Lehr.

abv/dick/goe/pp

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