Anarchie beim Glücksspiel

Lotto Hessen und Finanzminister beklagen Rechtsbruch im Wettgeschäft

Wiesbaden - Die Reform des Glücksspielstaatsvertrags kommt nicht voran. Den staatlichen Gesellschaften verhageln illegale Anbieter im Ausland das Geschäft – mit extrem negativen Folgen für das Allgemeinwohl.

Weil der Glücksspielstaatsvertrag bereits seit 2006 nicht europarechtskonform sei und damit nicht vollzogen werden könne, schaue der Staat tatenlos zu, wie illegale Anbieter aus dem Ausland in Deutschland den legalen Markt immer mehr verdrängten – mit allen negativen Folgen für das Gemeinwohl, erklärte Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer von Lotto Hessen, gestern bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Wiesbaden. So stellen nach seinen Angaben staatliche Anbieter rund 20 Prozent ihres Umsatzes dem Gemeinwohl in ihrem jeweiligen Bundesland zur Verfügung. Lotto Hessen führte demzufolge allein 2017 insgesamt 127 Millionen Euro ab.

„Beim Glücksspiel in Deutschland herrscht Anarchie“, stellte auch Thomas Schäfer (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Lotto Hessen GmbH und hessischer Finanzminister, fest. Seit 2006 seien die Umsätze der staatlichen Lotteriegesellschaften bundesweit um rund eine Milliarde Euro auf nunmehr sieben Milliarden Euro gesunken. „Gleichzeitig wächst der illegale Glücksspielmarkt dramatisch“, so Schäfer.

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Harte Kritik äußerte der Aufsichtsratsvorsitzende an den Top-Vereinen der Bundesliga, die das unfaire Treiben der „illegalen Anbieter“ noch unterstützten. So dürfe der Anbieter „Tipico“ als „Premium Partner“ von Bayern München für das illegale Wettgeschäft werben. „Premium Partner“ von Schalke 04 sei „bet-at-home“, bei Borussia Dortmund sei es „bwin“. „Millionenschwere und millionenfache Werbung beim Volkssport Nummer 1 zur besten Sendezeit für munteren Rechtsbruch. Das hat mit Fairplay im Lottogeschäft nichts mehr zu tun“, schäumt Schäfer.

Spanische Weihnachtslotterie schüttet Milliarden aus

In der Lotto-Liga werde mit zweierlei Maß gemessen. Wegen der vom Bundesverfassungsgericht verlangten Suchtprävention würden für staatliche Anbieter im Inland erhebliche Einschränkungen hinsichtlich Werbung und Vertriebsmöglichkeiten greifen. Das vom Glücksspielstaatsvertrag ebenfalls verlangte und daher von den staatlichen Anbietern befolgte Verbot von Sportwetten im Internet habe dazu geführt, dass der „vermeintliche Monopolist Deutscher Lotto- und Totoblock“ in diesem Segment nur noch knapp drei Prozent des Marktvolumens innehabe.

Längst hätten Glücksspielkonzerne aus dem Ausland den eigentlich untersagten Sportwettenmarkt im Internet in Deutschland besetzt. Allein zwischen 2013 und 2017 hätten sich die Wetteinsätze auf dem illegalen Sportwettenmarkt von 3,6 auf über 7,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Umsatz beim klassischen Lotto 6aus49 sei zwischen 2001 und 2017 um ein Drittel von 5,6 Milliarden Euro auf 3,7 Milliarden Euro zurückgegangen. (mic)

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