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Ganze Herde getötet: Wolf reißt fünf Schafe im Main-Kinzig-Kreis

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Von: Lena Eberhardt

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Ein Wolf hat in Schlüchtern-Elm wohl fünf Schafe gerissen. Vier der Tiere wurden tot gefunden, von einem Schaf fehlt jede Spur.

Schlüchtern - Wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bestätigt, wurden die vier Schafe sicher von einem Wolf gerissen. „Innerhalb von einer Woche hat der Wolf die Tiere geholt“, berichtet Besitzer Bernd Loos auf Anfrage von fuldaerzeitung.de. „Alle zwei Tage war ein weiteres Tier verschwunden.“

Kinzigtal: Fünf Schafe von Wolf in Schlüchtern gerissen

Die kleine Herde bestand aus Mufflons und Kamerunschafen. „Vier der Tiere haben wir in einem Radius von 100 Metern um die Weide gefunden. Das fünfte Schaf konnten wir nicht mehr wiederfinden“, erklärt Loos. Dass der Wolf auch dieses Tier gerissen hat, ist sehr wahrscheinlich. Besonders bitter für den Halter ist, dass die Herde völlig ausgelöscht wurde. „Es ist kein Tier mehr übrig. Die Herde bestand nur aus fünf Schafen.“

Die Weide befindet sich unterhalb der Burg Brandenstein in Schlüchtern-Elm. „Bis auf Wiese und Wald gibt es dort nichts. Das waren wohl optimale Bedingungen für den Wolf“, so Loos. Zwei der toten Tiere schickte er aus dem Kinzigtal zum HLUNG. Hier wurde anhand einer Probe bestätigt, dass ein Wolf die Schafe gerissen hat. Der Vorfall ereignete sich bereits Ende Februar. Erst am Mittwoch dieser Woche (8. März) erhielt Bernd Loos die Bestätigung des Landesamtes.

„Wir haben an dem Platz noch weitere Tiere stehen. Hühner, Kühe und Kälber. Wir hatten Sorge, dass der Wolf auch an die Kälber geht. Das ist allerdings nicht passiert. Möglich, dass der Wolf weitergezogen ist“, berichtet Loos.

Weide Ebersberg
Der Tatort: Auf der Weide zwischen Ebersberg und Brandenstein wurden die Tiere von einem Wolf gerissen. © Tim Bachmann

„Dass die Schafe in Schlüchtern durch einen Wolfsübergriff getötet wurden, wurde mittels DNA-Analyse festgestellt. An den toten Tieren wurden Genetikproben genommen, welche anschließend im wildtiergenetischen Labor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen analysiert wurden“, berichtet das HLNUG auf Anfrage unserer Zeitung. „Darüber hinaus konnte auch eine Losung (Kot) in der Nähe des Risses sichergestellt werden, welche ebenfalls auf Wolfs-DNA hin untersucht wurde. Auch hier kommt die Analyse zu dem Ergebnis Wolf.“

Alle nachgewiesenen Wolfsfälle werden auf der Webseite des HLNUG aufgelistet. Bei dem Wolf in Elm handelt es sich um ein Tier mit dem sogenannten Haplotyp HW01. Mit dieser Typisierung wird eine bestimmte Nukleotidsequenz eines Chromosoms, das bei Tieren einer bestimmten Population häufig gleich ist, beschrieben. Bei einem Haplotyp HW01 handelt es sich um einen Wolf aus der mitteleuropäische Flachlandpopulation.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann darüber keine Aussage getroffen werden, ob es sich um ein Einzeltier oder eine Gruppe handelt, da das Ergebnis der Genotypisierung der DNA-Proben noch aussteht. Sollte diese erfolgreich sein, ließen sich darüber Rückschlüsse auf das oder die entsprechenden Individuen ziehen und aus welcher Population der Wolf bzw. die Wölfe stammen“, berichtet das Landesamt auf Anfrage unserer Zeitung.

Verdachtsfälle mit DNA-Analyse

Im Main-Kinzig-Kreis gab es 2023 und 2022 einige Verdachtsfälle. Hierbei wurden verschiedene Risse gefunden, bei denen die DNA-Analyse nicht eindeutig einen Wolf identifizieren konnte. Bei Analyse-Ergebnissen wie „Hund, Fuchs oder Goldschakal“ sind diese Arten nicht zwangsläufig die „Rissverursacher“, die Probe kann auch mit „Nachnutzer-DNA“ kontaminiert sein.

Gefundene und untersuchte Risse:

17. Januar 2023: Jossgrund - Reh - Ergebnis: Hund

16. November 2022: Birstein - Ziege - Ergebnis: Hund

9. Oktober 2022: Sinntal - Rinderkalb - Ergebnis: Hund

7. Oktober 2022: Biebergemünd - Reh - Ergebnis: Hund

9. Juli 2022: Schlüchtern - Rinderkalb - Ergebnis: Hund

Quelle: Wolfzentrum Hessen; Stand: 10. März

„Wölfe haben ein sehr hohes Migrationspotenzial. Viele Studien belegen die Wanderfreudigkeit männlicher und weiblicher Wölfe in Europa“, berichtet die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. „Sowohl besenderte Wölfe, deren Wanderungen sehr genau nachvollzogen werden konnten, als auch genetische Nachweise einzelner Wölfe über Staatsgrenzen hinweg belegen dies auf beeindruckende Weise.“

Nicht selten legen allein ziehende Wölfe mehrere hundert bis über tausend Kilometer zurück, wenn sie das elterliche Territorium verlassen, um selbst nach geeignetem Lebensraum oder einem Partner Ausschau zu halten. Möglicherweise wirken sich Landschaftsstrukturen und die Verbreitung und Dichte von Beutetierarten auf das Wanderverhalten der Wölfe aus, weswegen aber einzelne Wölfe weit und andere weniger weit wandern, ist bisher nicht geklärt, berichten die Wolfs-Experten weiter.

Wolf
Ein Wolf hat in Schlüchtern-Elm wohl fünf Schafe gerissen. Vier der Tiere konnten tot aufgefunden werden, von einem Schaf fehlt bis heute jeder Spur. (Symbolbild) © Soeren Stache/dpa

„Das hohe Migrationspotenzial und der insgesamt wachsende Wolfsbestand in Europa lassen eine Paar- und Rudelbildung von Wölfen erwarten“, heißt es weiter. Laut HLNUG lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt darüber keine Aussage treffen, ob das nachgewiesene Tier in der Region sesshaft ist oder ob es sich um einen durchziehenden Wolf handelt. Mit durchziehenden Wölfen sei weiterhin in ganz Hessen jederzeit zu rechnen.

„Ein Wolf gilt gemäß bundesweiten Monitoringstandards dann als sesshaft beziehungsweise territorial, wenn er über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten mindestens zweimal in einem abgrenzbaren Gebiet genetisch nachgewiesen wurde“, heißt es weiter. Das Wolfszentrum Hessen bittet darum, alle Hinweise mit Verdacht auf Wolf an das Wolfszentrum über die Wolfshotline oder die Homepage und das entsprechende Meldeformular zu melden (Losungen, Spuren, Sichtungen, Nutztierschäden, Wildtierrisse).

Ein Wolf sorgt derzeit auch auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken für reichlich Diskussion. Hier ist der Bestand der Mufflons von einem Wolf stark dezimiert worden. „Nicht mehr lange, dann wird es Mufflons auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken nicht mehr geben“, sagt ein Experte.

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