Zwischen Gelnhausen und Fulda

Verlauf der Neubaustrecke der Bahn steht fest

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Der Verlauf der neuen Bahnstrecke. Orange: Brücken; Grün: Strecke oberirdisch; Blau: Tunnel; Schwarz: bestehende Strecken. 

Wächtersbach - Bedeutsames Etappenziel bei den Planungen zum Neu- und Ausbau der Bahnstrecke Gelnhausen-Fulda: Die Bahn hat den bevorzugten Streckenverlauf präsentiert, eine 44-Kilometer-Trasse. In die Entscheidungsfindung wurden auch Bürger und Verbände einbezogen.

Die Deutsche Bahn hat den favorisierten Verlauf der geplanten Neu- und Ausbaustrecke zwischen Gelnhausen und Fulda bekannt gegeben. Die Entscheidung sei für die Variante IV gefallen, verkündete die Bahn in Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis). Dabei handelt es sich um eine 44 Kilometer lange Neubaustrecke vorbei an Bad Soden-Salmünster und Schlüchtern, die bei Mittelkalbach an die Schnellfahrstrecke nach Fulda anknüpft.

Die gesamte Fahrstrecke umfasst 59,4 Kilometer und beinhaltet den längsten Tunnel aller Varianten, eine 9,5 Kilometer lange Röhre zwischen Schlüchtern und Mittelkalbach.

Die Fahrzeit im Personenverkehr werde zwischen Frankfurt und Fulda auf der neuen Trasse um elf Minuten reduziert. Durch die zusätzlichen Gleise kann nach Angaben der Bahn das Nahverkehrsangebot für die Landkreise Main-Kinzig und Fulda verbessert werden,

Die Variante IV sei nach Abwägung aller Vor- und Nachteile der untersuchten Streckenvarianten die beste Lösung, bewertete die Bahn. Sie habe sehr geringe Auswirkungen auf Mensch und Umwelt und entlaste die Gemeinden im Kinzigtal vor allem vom Güterverkehrslärm.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) betonte: Durch das Vorhaben werde ein Engpass auf der Strecke aufgelöst, der nicht nur den Regionalverkehr behindert und seine Ausweitung unmöglich macht. Der Neu- und Ausbau habe sogar deutschlandweite Auswirkungen.

Dirk Rompf, Vorstand der DB Netz AG, sagte: „Die ausgewählte Variante werden wir nun weiter optimieren und gemeinsam im Dialogforum an den Themen Lärmschutz, verträglicher Bauablauf und Ausgleichsmaßnahmen arbeiten.“

Die Variante IV wird die Bahn nun mit ihrem Antrag in das folgende Raumordnungsverfahren einbringen. Solch ein Verfahren wird bei Bauprojekten mit großer Bedeutung durchgeführt. Dabei wird unter anderem geprüft, welche Auswirkungen das Bauvorhaben auf die Umwelt haben kann. Die Unterlagen sollen nach Angaben der Bahn bis Anfang nächsten Jahres erarbeitet und bei den Behörden eingereicht werden. Nach dem Raumordnungsverfahren kann die eigentliche Baugenehmigung mit dem Planfeststellungsverfahren beantragt werden.

Die Variante IV führe aus regionaler Sicht zur geringsten Beeinträchtigung und lasse sich am schnellsten realisieren, hieß es. Dem Streckenverlauf hätten alle Beteiligten zugestimmt, mit Ausnahme der Bürgerinitiative Kalbach.

Die Variante IV führt von Gelnhausen nach Norden. Der weitere Verlauf: Abzweig nach Osten nördlich von Wirtheim. In niedriger Höhenlage Querung der Kinzig südlich von Wächtersbach. Südlich von Aufenau leichter Schwenk nach Nordosten. Ab Salmünster dem Kinzigtal folgend, Überquerung des Stausees bei Steinau an der Straße. Weiter westlich des Kinzigtals überwiegend in Tunnellage. Bei Schlüchtern Verknüpfung mit der Bestandsstrecke möglich, anschließend in einem langen Tunnel nach Nordosten, mit Anbindung in die Schnellfahrstrecke bei Mittelkalbach.

In Hanau stößt die Neuplanung auf Zustimmung. Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP) erklärte, von Vorteil sei der Fahrzeitgewinn im Vergleich zur Vogelsberg-Variante. Er liege bei drei Minuten. „Das ist genau das Zeitfenster, das Hanau für weitere ICE-Halte in die Karten spielt“, so Morlock. Denn die DB argumentiere häufig mit zu viel Verzögerung, um zu begründen, warum von sieben ICE-Linien, die Hanau passieren, nur zwei am Hauptbahnhof halten.

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Darüber hinaus lässt die von der DB bevorzugte Variante eine Teilinbetriebnahme auf dem Abschnitt Hanau-Gelnhausen zu. „Dieser Streckenteil ist planungsrechtlich unproblematischer als der nördlichere Teil bis in den Kreis Fulda“, erläutert Morlock. Für den Regionalverkehr sei es dienlich, wenn mehr und verlässlichere Verbindungen in die Mainmetropole möglich wären. Denn die ICE-Züge sollen künftig auf eigenen Gleisen fahren und nicht mehr gemeinsam auf denen der Nahverkehrszüge.

Damit wäre, so der Verkehrsdezernent, auch passé, dass Regionalbahnen gegebenenfalls unterwegs warten und bevorrechtigte ICE erst passieren lassen müssten, ehe sie weiterfahren können. Morlock stellt sich vor, dass im Zuge des Ausbaus zwischen Hanau und Gelnhausen auch Überholgleise möglich sein können. „Damit könnten wir auch im Regionalverkehr zwischen schnellen und weniger schnellen Verbindungen unterscheiden.“ Das bedeute Vorteile für Fahrgäste im westlichen Main-Kinzig-Kreis – ebenso wie zusätzliche ICE-Halte in Hanau. (dpa)

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