Bauindustrie: Zustand verschlechtert sich

Aktuell 369 marode Brücken in Hessen

Wiesbaden -  Das schwere Brückenunglück in Genua wirft in Deutschland viele Sicherheitsfragen auf. Dabei zeigt sich: Auch in Hessen sind einige Brücken marode.

Nach der Katastrophe in Genua mit vielen Toten rückt auch der Zustand hessischer Brücken in den Fokus. Die Anzahl der Brücken mit Instandsetzungsbedarf betrage zur Zeit 369, sagte eine Sprecherin der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Darunter seien 55 Bauwerke – fast alle sind Autobahnbrücken –, die aufgrund ihres Zustands ständig überwacht würden.

„Über Jahrzehnte ist auch in Hessen zu wenig in den Erhalt unserer Straßen investiert worden“, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Das gelte vor allem für die Autobahnbrücken, die in den 60er und 70er Jahren gebaut wurden und für das heutige Verkehrs- und Lkw-Aufkommen schlichtweg nicht ausgelegt seien. 2018 investiere die Landesregierung daher 225 Millionen Euro für die Sanierung der Brücken, bis zum Jahr 2021 sollen es über eine Milliarde Euro sein, kündigte der Grünen-Politiker an.

Bei Hessen Mobil seien extra zwei eigene Dezernate gegründet worden, die sich nur um Brückensanierungen kümmerten. Ein Dezernat sei dabei ausschließlich für die 22 Brücken der A 45 zuständig, die alle neu gebaut werden müssen. Das andere kümmere sich um die restlichen Brückensanierungen.

Das Kontrollnetz ist laut Hessen Mobil eng: Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine Zwischenprüfung. „Zudem werden Ingenieurbauwerke jedes Jahr durch Ingenieure vor Ort besichtigt, und mindestens zweimal jährlich erfolgt die Bauwerksbeobachtung im Zuge der Streckenkontrolle“, erklärte die Behörde. Mängel und Schäden würden erfasst, bewertet und gegebenenfalls vorbeugend behoben.

Brücken in kritischem Zustand werden ständig überwacht. „Das heißt, bei diesen Brücken schauen wir sehr genau hin, wie sich der Zustand entwickelt, um im Fall der Fälle auch kurzfristig eingreifen zu können“, sagte die Hessen-Mobil-Sprecherin. Für den Zustand von Brücken sei nicht nur die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Anteil des Güterverkehrs in den vergangenen Jahrzehnten überproportional zugenommen habe.

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Autobahnbrücken werden in Deutschland von den Bundesländern oft selbst untersucht. Prüforganisationen wie Dekra begutachten vor allem Bauwerke im kommunalen Besitz. Der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen erklärte, dass Brücken in Hessen durch Hessen Mobil „ständig und verlässlich kontrolliert“ würden. Allerdings müsse der Einsturz in Genua trotzdem ein alarmierender Weckruf sein, sagte Hauptgeschäftsführer Burkhard Siebert. Denn der Zustand hessischer Brücken verschlechtere sich zunehmend. (dpa)

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