Bund und Land Hessen besiegeln Vereinbarung zum Gute-Kita-Gesetz / Geld für Personal

Mehr als eine Milliarde Euro für Betreuung

Wiesbaden – Mehr als eine Milliarde Euro investiert das Land Hessen in den kommenden Jahren in die Kinderbetreuung. VON NIELS BRITSCH

Gestern unterzeichnete der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) eine Vereinbarung mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), wonach Hessen aus dem Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung bis 2022 rund 412 Millionen Euro erhält.

Außerdem fließen aus dem Programm „Starke Heimat“ der hessischen Landesregierung bis 2024 weitere 720 Millionen Euro an die Träger von Kitas. „Hiermit unterstützen wir durch eine höhere Betriebskostenförderung die pädagogische Arbeit vor Ort“, erläutert Alice Engel, Sprecherin des Sozialministeriums. Hinzu kommen nochmals 40 Millionen Euro für das Landesinvestitionsprogramm für Kita-Bauten.

Schon lange klagen Kommunen und Träger über einen akuten Fachkräftemangel in den Betreuungseinrichtungen. So fehlen es vielen Städten und Gemeinden Kita-Plätze, weil es nicht genug Erzieherinnen und Erzieher gibt.

Experten und Elternvertretern kritisieren, dass Fachkräfte während ihrer drei- bis fünfjährigen Ausbildung erst im letzten Jahr eine Vergütung erhalten und vorher sogar oftmals Schulgeld zahlen müssen. Die Gelder aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ des Bundes will das Land Hessen nun vor allem in die Ausbildung von Personal investieren und dabei auch attraktivere Ausbildungsmodelle schaffen. „Mit dem Ausbau des Angebots der praxisintegrierten Ausbildung ist ein weiterer wichtiger Baustein zur Gewinnung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe gelegt“, so Engel. „Expertinnen und Experten sehen in dieser in Hessen bereits umgesetzten Ausbildungsform gute Potenziale für die Gewinnung neuer Interessenten für den Erzieherberuf, insbesondere für Quereinsteiger.“ Die Nachfrage der Träger nach der finanziell geförderten praxisintegrierten Ausbildung sei überaus hoch, so dass in den kommenden Schuljahren mindestens 200 zusätzlichen Plätze pro Jahr zur Verfügung gestellt würden.

Brigitte Molter, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft KitaEltern Hessen, begrüßt die Maßnahmen: „Als erster Schritt sind die Pläne richtig und gut, zumindest wird das Thema Fachkräftemangel angegangen.“ Ob die Maßnahmen ausreichend seien, werde sich zeigen. „Wir müssen dahin kommen, dass niemand für seine Ausbildung zahlen muss.“ Sie wünscht sich, dass der Erzieherberuf weiter aufgewertet werde, dafür sei auch „ein Umdenken in der Gesellschaft“ notwendig.

Kritisch bewertet Molter allerdings die Tatsache, dass der Bundeszuschuss zeitlich begrenzt ist. „Wir garantieren die Weiterfinanzierung der Maßnahmen aus diesem Gesetz mit 138 Millionen Euro, falls der Bund seine Befristung aufrechterhält“, verspricht hingegen das Sozialministerium.

„Endlich bewegt sich was“, kommentiert René Rock, der FDP-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag, die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes in Hessen. „Allerdings hat es viel zu lange gedauert, bis die Landesregierung die wichtigen Themen erkannt hat und angeht“, kritisiert der Oppositionspolitiker.

Er fordert einen Runden Tisch zur Gewinnung von Fachkräften, eine Ausbildungsvergütung sowie eine Ausweitung der praxisintegrierten Ausbildung. Außerdem sei eine zügige Novellierung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuchs notwendig, ansonsten seien die meisten Maßnahmen aus dem Gute-Kita-Gesetz gar nicht umzusetzen. Kritik an der Vereinbarung kommt laut Agentur dpa auch von Gewerkschaften und Teilen der hessischen Landtagsopposition. Die Vize-Vorsitzende der GEW Hessen, Karola Stötzel, betonte, das Land stelle keine eigenen Landesmittel zur Verfügung, sondern leite nur originär kommunale Mittel um. Nach Berechnungen der Gewerkschaft fehlen in Hessen zwischen 9000 und 10 000 Erzieher. Auch die Gewerkschaft Verdi und der DGB sowie die Linke-Fraktion fordern, das Land müsse seinen eigenen Finanzanteil deutlich erhöhen.

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