Gewerkschaft klagt über Personalmangel

Gefährliche Entwicklung: Mehr Gewalt hinter Gittern in Hessen

Offenbach - Angst in deutschen Haftanstalten: Attacken auf Vollzugsbedienstete sind keine Seltenheit, häufiger noch sind Übergriffe zwischen Gefangenen. Von Peter Schulte-Holtey

„Gewalt hinter Gittern ist Alltag“, sagt Birgit Kannegießer, Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbeamten (BSBD) in Hessen. Sie beklagt vor allem den Personalmangel.

„Nicht nur die Häufigkeit, auch die Intensität der Gewalt im Strafvollzug hat zugenommen“, heißt es beim Bund der Strafvollzugsbeamten. Studien zeigten zuletzt: Jeder vierte Häftling berichtete von körperlichen Übergriffen. „Wir brauchen mehr Manpower, weil das die Lebensversicherung für die Bediensteten und ebenso für die Gefangenen ist“, sagt der BSBD-Bundesvorsitzende René Müller der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die hessischen Vollzugsbeamten schlagen jetzt öffentlich Alarm. „Gewalt gehört in den Justizvollzugsanstalten im Bundesland zum Alltag in den Anstalten. Auf den Stationen geht es unter den Gefangenen darum, wer der Stärkste, der Führende, der Durchsetzungsfähigste, der die Gruppe Kontrollierende ist. Es geht um Geschäfte, Drogen, aber schon um einfache Dinge, wer beispielsweise die Stationsküche nutzt“, berichtet Birgit Kannegießer.

Im Interview mit unserer Zeitung macht die Gewerkschafterin deutlich, dass die Probleme für die Vollzugsbeamten in den letzten Jahren weiter zugenommen haben. Dabei fühlen sie sich von der Landesregierung beim Personalschlüssel und der Gehaltsentwicklung allein gelassen. „Weiterhin fehlen 106 Stellen. Personal ist knapp“, klagt Kannegießer. „Die Anstalten fahren ihre Tagesdienstpläne häufig unterbesetzt oder mit einem recht hohen Anteil von neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen oder Auszubildenden. Problem: hier fehlt es an der beruflichen Erfahrung, an der Handlungssicherheit und der Durchsetzungskraft.“

Gefängnis-Ausbrecher noch flüchtig - weiterer Insasse fehlt

Kannegießer warnt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Wer den Justizvollzug auf Kante genäht denkt und fährt, der gibt die Anstalten der Subkultur preis, der gefährdet den Wiedereingliederungsauftrag und gefährdet schließlich die Sicherheit der Menschen – auf beiden Seiten der Gitter.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: picture alliance/dpa

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