Mehr Kopf, weniger Bauch

Reichlich Rückenwind für Schäfer-Gümbel beim SPD-Parteitag

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Schulterschluss bei den Sozialdemokraten: Thorsten Schäfer-Gümbel, Landesvorsitzender der Hessen SPD, nach seiner Rede beim außerordentlichen Landesparteitag umringt von Kandidaten für die Landesliste.

Wiesbaden -  Hessens SPD bleibt weiter im Angriffsmodus. Trotz sehr starker Zustimmung für Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel ist die Tonlage auf dem Parteitag eher konzentriert als euphorisch. Von Bernd Glebe

Der minutenlange Applaus ging Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel sichtbar runter wie Öl. Lachend, sich immer wieder den Schweiß nach der einstündige Rede von Gesicht und Brille wischend, herzte der 48-Jährige auf dem Parteitagspodium jeden, der ihm über den Weg lief – darunter auch den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten und Bundesfinanzminister Hans Eichel. Mit mehr als 95 Prozent wurde „TSG“ zum Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten für die Landtagswahl im Herbst gekürt: „Ich will ihr neuer Ministerpräsident werden“, rief er den rund 330 Delegierten im neuen Wiesbadener Kongresszentrum zu.

Mehr den Kopf als den Bauch der Delegierten hatte die Nummer eins der hessischen Sozialdemokraten bei seinem Auftritt am Samstag angesprochen und damit offenbar genau den Nerv der Genossen getroffen. Standen beim SPD-Parteitag im November vergangenen Jahres im Frankfurt noch die großen Emotionen und markigen Aussagen im Mittelpunkt, lieferte Schäfer-Gümbel in Wiesbaden jede Menge Sachargumente zu den drei Top-Themen der SPD im Landtagswahlkampf: Bildungsgerechtigkeit mit mehr Lehrern und Ganztagsschulen, mehr Mobilität in Stadt und Land mit weniger Staus und Verkehrschaos sowie bezahlbares Wohnen für alle durch eine massive Baulandoffensive.

In seiner mit einem eingespielten Film unterstützten Rede hatte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende einen breiten Bogen von der internationalen über die Bundespolitik bis zu den brennenden Themen in Hessen geschlagen. Auch die Konsequenzen aus der Ermordung der 14-jährigen Susanna, für die ein irakischer Flüchtling aus einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft verantwortlich sein soll, war Schäfer-Gümbel ein Anliegen.

Spitzen gegen die regierende schwarz-grüne Koalition mit ihrem Regierungschef „Volker, der Bestimmer“ (gemeint war Volker Bouffier) wollte sich der Oppositionsführer zwar nicht verkneifen. Seinem fast staatsmännischen Duktus blieb Schäfer-Gümbel aber während der mehr als 60 Minuten auf dem Podium treu: „Für mich ist Politik kein Spiel“, sondern ein Auftrag, für Viele ein gutes Leben zu sichern. Er handele nach dem Prinzip: hart in der Sache, aber versöhnlich im Zwischenmenschlichen.

Bei der Landtagswahl am 28. Oktober gehe es nicht darum, es ein bisschen besser als das Bündnis von CDU und Grünen unter der Führung von Ministerpräsident Bouffier (CDU) zu machen, betonte der 48-Jährige. „Es geht um anderes.“ Der Parteichef führt seine Partei bereits zum dritten Mal in einen Landtagswahlkampf, zum zweiten Mal als Herausforderer von Regierungschef Bouffier.

Archivbilder:

SPD ringt sich zu Koalitionsverhandlungen durch

In den jüngsten Umfragen lag die SPD in Hessen mit 24 Prozent hinter der CDU mit 33 Prozent auf dem zweiten Platz in der Wählergunst. Die Grünen kamen danach in Hessen zuletzt auf 13, die AfD auf 11, die Linke auf acht und die FDP auf sieben Prozent der Stimmen. Im Bund rangierten die Sozialdemokraten zuletzt in Umfragen nur bei 17 Prozent.

Für Antrieb sorgte in Wiesbaden jedoch Generalsekretärin Nancy Faeser direkt nach der Wahl des Spitzenkandidaten. Neben einem Bild des Ex-Ministerpräsidenten Georg-August Zinn bekam „TSG“ ein kleines Elektroauto mit Fernsteuerung als Geschenk überreicht: als Symbol für die Zukunft mit ihm in Hessen. (dpa)

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