Bislang keine Hinweise auf weitere Schwerverbrechen

Fragen und Antworten zum Mordfall Johanna 

+

Giessen - Bei einer Pressekonferenz haben Staatsanwaltschaft und Polizei den Stand der Ermittlungen im Mordfall Johanna zusammengefasst. Fragen und Antworten zu dem Verbrechen:.

Wie kam es zu dem Ermittlungserfolg?


Nach dem Vorfall im August 2016 in einem Maisfeld bei Nidda gab es einen neuen Anlauf im Fall Johanna. So sollten etwa drei Beamte, die bislang noch nichts mit dem Fall zu tun hatten, den auf 200 Bände angewachsenen Aktenberg „mit unverstelltem, neutralem Blick“ noch einmal ansehen, berichtet Soko-Leiter Roland Fritsch. Dem Trio half der technische Fortschritt in Form einer Forensik-Software, die Akten digitalisiert und aufbereitet. Seit Juni 2017 waren 30 Polizeimitarbeiter in einer Soko aktiv, überprüften Spuren, vernahmen Zeugen, prüften Akten und observierten den Verdächtigen.

War die Familie über Ermittlungsfortschritte informiert?

 

Laut Thomas Hauburger, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, war die Familie immer in die Ermittlungen eingebunden. Nach der Verhaftung sei die Familie zuerst über den Zugriff informiert worden. Es sei ein hoch emotionaler Moment gewesen, die Familie habe aber gefasst reagiert. Der Vater war im vergangenen Jahr verstorben, die Mutter will sich gegenüber den Medien nicht mehr zum Fall äußern.

Gibt es Verbindungen zu anderen Schwerverbrechen?

 

Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft Gießen (vorn) und Soko-Leiter Roland Fritsch erläuterten die Ermittlungen.

Bislang gibt es keine belastbaren Hinweise, dass der mutmaßliche Mörder von Johanna etwas mit anderen Verbrechen zu tun hat. Überprüft hat die Polizei etwa den Fall Melanie Frank, die im April 1999 in Wiesbaden zum Zigarettenholen geschickt wurde und nie wieder nach Hause zurückkehrte. Zehn Jahre später fand man ihre Leiche in einem rheinland-pfälzischen Wald. Abgesehen davon, dass auch diese Leiche in einem Wald entdeckt wurde, gebe es aber keine Parallelen, hieß es. Auch zum Fall Annika Seidel, die 1996 auf dem Weg zu einer Zoohandlung verschwand, gebe es keine Verbindung. Es wird nun jedoch mit Hochdruck weiter ermittelt, um ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland zu überprüfen.

Die Chronologie des Mordfalls Johanna Bohnacker: Bilder

Was wissen wir über den mutmaßlichen Täter?

Mehr als 200 Beamte und Helfer durchkämmten im September 1999 Felder und Wälder rund um den Tatort.

Der zurzeit in einer hessischen Justizvollzugsanstalt einsitzende 41-Jährige hat sein Abitur gemacht, aber keine weitere Ausbildung absolviert, berichtet Hauburger. Momentan sei er arbeitslos. Vorbestraft sei er auch – allerdings nicht wegen Sexualdelikten, sondern wegen Betäubungsmittel- und Verkehrsdelikten, so Hauburger. Ein Sachverständiger habe den Mann untersucht, bezüglich des Gesundheitszustandes aber keine Besonderheiten festgestellt. Auf seine Verhaftung habe der Mann „gefasst aber angespannt“ reagiert.

Was haben die Ermittler Mitte Februar 2017 in der Wohnung des mutmaßlichen Täters in Friedrichsdorf gefunden?

Vergebliche Suche bei Bobenhausen. Johannas Leiche wird erst sieben Monate nach der Tat bei Alsfeld entdeckt.

236 Datenträger und 120 Videokassetten, die Blatt für Blatt und Bild für Bild ausgewertet werden müssen. Laut Staatsanwaltschaft Gießen handelt es sich um insgesamt 17 Millionen Dateien, darunter sechs Millionen Bilder und Filme mit einer Gesamtgröße von sieben Terabyte. Es soll sich überwiegend um kinderpornografisches Material handeln. Außerdem wurden Klebebänder sichergestellt und dem Hessischen Landeskriminalamt zur Untersuchung übersandt. Ergebnis: Die Klebebänder enthielten die gleichen Acrylfasern, wie sie sich am Leichenfundort befanden. Die Sachverständigen konnten auch feststellen, dass der Abdruck des linken Daumens des Beschuldigten im Vergleich mit der „Spur 11“ – also dem im Wald bei Alsfeld aufgefundenen Klebebandstück – bei den Fingerspuren Übereinstimmungen aufweist.

Wie geht es weiter?

Die Polizei will jetzt noch weitere Personen ansprechen, die im Zusammenhang mit dem furchtbaren Geschehen im September 1999 stehen. Ein schwieriges Unterfangen, denn nach 18 Jahren hat das Erinnerungsvermögen von Zeugen mitunter doch sehr gelitten, wie die Ermittler bereits feststellen konnten. (cz)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion