Verbraucherschützer empört über Behörden

Mogelschinken: „Verhalten in Hessen skandalös“

Offenbach (psh/ad.) § „Skandalös und an Scheinheiligkeit kaum zu übertreffen“ - so harsch kritisiert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch das Verhalten der hessischen Behörden bei Schinkenimitaten. Seit 2006 wüssten die zuständigen Stellen um das Problem und nichts sei passiert.

Die Behörden würden ihrer Verantwortung nicht gerecht, wenn sie den Betrügern für die Zukunft mit einer Veröffentlichung im Internet drohten, erklärte Foodwatch gegenüber unserer Zeitung. Bereits seit mehr als einem Jahr gebe es mit dem Verbraucherinformationsgesetz die Möglichkeit, die Namen von Betrügern oder Hygienesündern sofort zu nennen. Dieser Spielraum werde aber kaum genutzt.

Im hessischen Verbraucherministerium heißt es, das Gesetz sei kein stumpfes Schwert, es müsse nur richtig geführt werden. Beim Thema Analogkäse etwa habe man die zuständigen Kommunen gebeten, jeden, der ein zweites Mal mogelt, im Internet öffentlich zu machen. Die Abschreckung habe funktioniert, bislang gebe es keinen zweiten Fall. Auf dieses Drohpotenzial setze man auch bei Schinkenimitate-Herstellern.

Foodwatch reicht das nicht, die Verbraucherschützer fordern eine Revision des Verbraucherinformationsgesetzes. Darin müssten die Behörden ausdrücklich verpflichtet werden, die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen. Vorbild könnte das dänische Smiley-System sein, bei dem die Ergebnisse direkt in den kontrollierten Gaststätten und Betrieben ausgehängt werden müssen.

Eine schnelle Veröffentlichung der Namen der Mogelschinken-Hersteller fordern auch Union und SPD. Auf das Problem aufmerksam machen, wie in Hessen geschehen, sei zwar gut, reiche aber nicht aus, hieß es bei der SPD.

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