Immer neue Vorwürfe

Mordfall offenbart Abgründe

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Freunde und Bekannte haben Kerzen, eine Engelsfigur und persönliche Trauerbekundungen nahe dem Leichenfundort von Susanna F. abgelegt.

Wiesbaden - Der Fall Susanna sorgt seit Wochen deutschlandweit für Aufsehen. Inzwischen haben sich weitere Vergewaltigungsvorwürfe gegen den mutmaßlichen Mörder der 14-Jährigen konkretisiert. Von Eva Krafczyk 

Seit fast vier Wochen sitzt Ali B. als mutmaßlicher Mörder der 14-Jährigen Susanna aus Mainz in Untersuchungshaft. Nun gibt es neue Vorwürfe gegen den 21-Jährigen. Und auch der Zeuge, der den Ermittlern ursprünglich den entscheidenden Hinweis auf Ali B. gab, wurde mittlerweile wegen Vergewaltigungsverdachts in Untersuchungshaft genommen. Ein für gestern anberaumter Termin vor dem Haftrichter wurde verschoben. Wie ist der Stand der Ermittlungen? Es geht derzeit um folgende Vorwürfe:

Der Mord an Susanna

Susanna aus Mainz starb nach bisherigen Ermittlungen am Abend ihres Verschwindens (22. Mai) oder in der folgenden Nacht. Ali B. gestand vor dem Ermittlungsrichter, die Jugendliche getötet zu haben. Er bestreitet aber, die 14-Jährige vergewaltigt zu haben. Die Ermittler gehen von Mord aus.

Vergewaltigung einer Elfjährigen

Ein elfjähriges Mädchen soll mehrfach vergewaltigt worden sein. Ali B. soll sich zweimal an ihr vergangen haben – das erste Mal im März. Die Tat wurde erst im Mai vom Vater des Mädchens angezeigt. Nach Angaben der Wiesbadener Staatsanwaltschaft stand der Iraker seit dem 18. Mai als Täter unter Verdacht – fünf Tage vor dem Verschwinden Susannas.

Warum wurde Ali B. nicht schon damals festgenommen?

Nach dem Fund von Susannas Leiche am 6. Juni hatte Wiesbadens Polizeipräsident Stefan Müller gesagt, es lasse sich noch nicht „mit Sicherheit sagen, ob überhaupt eine Vergewaltigung stattgefunden hat“. In der Flüchtlingsunterkunft, in der Ali B. und seine Familie lebten, seien zudem vier Männer mit dem gleichen Vornamen gemeldet. Die Ermittler versuchten offenbar mehrfach, die Elfjährige zu vernehmen, sie äußerte sich aber zunächst nicht. Erst in den vergangenen Tagen konnten die Ermittler den Verdacht gegen Ali B. im Fall der Vergewaltigung der Elfjährigen erhärten. Ein weiterer Haftbefehl wurde beantragt, am nächsten Donnerstag (12. Juli) soll Ali B. deswegen vor dem Haftrichter erscheinen.

Warum ist der Zeuge ebenfalls in Untersuchungshaft?

Zunächst war von einem 13 Jahre alten afghanischen Flüchtling die Rede, der sich Anfang Juni bei der Polizei meldete und die entscheidenden Hinweise auf den Fundort der Leiche der vermissten Susanna und auf Ali B. als mutmaßlichen Täter machte. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass er tatsächlich 14 Jahre alt ist. Zusammen mit Ali B. soll er im Mai das elfjährige Mädchen vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zudem eine weitere Vergewaltigung vor. Seit dem 2. Juli ist der Jugendliche in U-Haft.

Welche weiteren Vorwürfe stehen noch im Raum?

Die Staatsanwaltschaft macht aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben. Zudem müssten im Fall der Elfjährigen die Opferschutzrechte sowie das jugendliche Alter eines Tatverdächtigen berücksichtigt werden, betont eine Sprecherin. Medienberichten zufolge soll auch ein 13 Jahre alter Bruder von Ali B. unter Verdacht stehen, sich an der Vergewaltigung der Elfjährigen beteiligt zu haben. Er wäre allerdings aufgrund seines Alters nicht strafmündig. Zudem hält er sich mit den übrigen Angehörigen von Ali B. seit der Ausreise aus Deutschland Anfang Juni im Nordirak auf. Dort hatten die kurdischen Sicherheitsbehörden Ali B. festgenommen und der Bundespolizei übergeben.

Ermittler prüfen Aussagen von Ali B. im Fall Susanna

Was ist mit dem zweiten Tatverdächtigen im Fall Susanna?

Zunächst war auch ein 35-Jähriger Mann festgenommen worden, der Türke kam aber nach einem Tag auf freien Fuß, weil kein dringender Tatverdacht mehr bestand. „Es gibt keine weiteren Erkenntnisse“, sagt Oberstaatsanwältin Christina Gräf. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Wie wird die Rolle der Polizei bewertet?

Nach dem Fund von Susannas Leiche war Kritik aufgekommen, ob umfassend genug nach der Schülerin gesucht wurde, die zuvor schon mehrfach von zu Hause verschwunden war. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) verteidigte die Polizei gegen Kritik. „Die rheinland-pfälzische Polizei hat diesen Fall sehr, sehr ernst genommen“, sagte er im Mainzer Landtag. Als Susanna vermisst wurde, seien alle rechtlich zulässigen und taktischen Maßnahmen zeitgerecht ergriffen worden, um sie zu finden. Die Mainzer Polizei ging nach eigenen Angaben anfangs nicht von einem Verbrechen aus. Auch in Hessen sehen die Behörden bei den weiteren Ermittlungen im Fall Susanna bislang keine Fehler aufseiten der Polizei. (dpa)

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