In Mühltal erwachen regelmäßig die Zombies

Bilder: Horror auf Burg Frankenstein

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Ein verkleideter Darsteller posiert auf Burg Frankenstein. Seit 38 Jahren wird auf der Burg Halloween gefeiert, auf 3000 Quadratmetern erschrecken 99 Untote Besucher aus aller Welt.
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Verkleidete Besucher posieren mit den Darstellern.
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Ein verkleideter Darsteller in der Sumpflandschaft.
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Diese Besucherin posiert mit einem Darsteller für ein Foto.
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Ein verkleideter Darsteller posiert auf Burg Frankenstein. Seit 38 Jahren wird auf der Burg Frankenstein Halloween gefeiert, auf 3000 Quadratmetern erschrecken 99 Untote Besucher aus aller Welt.
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Ein verkleideter Darsteller posiert auf Burg Frankenstein. Seit 38 Jahren wird auf der Burg Frankenstein Halloween gefeiert, auf 3000 Quadratmetern erschrecken 99 Untote Besucher aus aller Welt.

Mühltal - Halloween wird überall in Hessen gefeiert, nirgends aber so wild wie auf Burg Frankenstein. Vor allem die jüngere Generation liebt das Gruselfest. Seit nun 38 Jahren lockt die Burg bereits Horrorfans.  

Geister, Teufel und Piraten warten im südhessischen Pfungstadt an einer Haltestelle auf den Shuttlebus, der sie auf die nahe Burg Frankenstein bringen soll. Ein aufgeregtes Gemurmel ist zu hören: "Hast Du keine Angst um Deine Brille, wenn Du zum Beispiel auf die Guillotine gepackt wirst?" wendet sich Nina an ihren Freund. Bevor er antwortet, bekennt sich ein stattlicher junger Mann in der Nähe zu seinen Ängsten: "Ich hab auf jeden Fall Schiss vor den Clowns", sagt er mit Blick auf das diesjährige Motto des Halloween-Spektakels auf Burg Frankenstein. Diesmal soll mit der Angst vor Clowns - "Coulrophobia" - gespielt werden. "Das übernatürliche Grinsen der Clowns, ihr Dauergrinsen ohne Mimik, schafft psychologisches Unwohlsein", berichtet der Chef des Organisationsteams, Ralph Eberhardt. "Deshalb wollten wir sie in diesem Jahr in den Vordergrund stellen."

Den passende Rahmen bietet ein Jahrmarkt mit Freakshow. Das Resultat monatelanger Recherche und Vorbereitung sind fast 100 Untote, acht thematische Stationen im Gruselrundgang um den kleinen Innenhof der Burg und eben der Jahrmarkt mit der Freakshow mittendrin. Seit 38 Jahren wird auf der Burg am Rand des Odenwalds Halloween offiziell gefeiert - auf 3000 Quadratmetern. Der besondere Reiz dabei ist, dass Darsteller die Besucher tatkräftig das Fürchten lehren. Die Halloween Veranstaltung GmbH und die Burg Frankenstein Event und Restaurant GmbH sind Organisatoren des Spektakels.

Seit vergangenem Wochenende und noch bis zum 8. November öffnet sich die Burg jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag für Gruselfans - sonntags in einer etwas entschärften Version auch für jüngere Gäste. Mit Liebe fürs Detail sind die Darsteller und Kulissen zurechtgemacht. "Hier ruht Salvatore der Hütchenspieler", steht auf dem Grabstein des spinnennetzumwobenen Friedhofes, aus dessen Eingang ein wütend-tobender Verstorbener auszubrechen droht. "Oder hier" steht auf dem nächsten Stein. Rasselnde Säbel fahren den Besuchern den Hals entlang; nach Kartoffelsack riechende Vogelscheuchen seifen verängstigt kichernde Lebende mit Stroh ein. Manchmal posen die Monster für Fotos, manchmal erschrecken sie die Fotografen. Selfies werden gemacht, während zwei Meter weiter Besucher in Truhen und Gräber gesperrt werden. Die ganze Kulisse sieht nicht nur gruselig und eklig aus, sie wirkt ebenso authentisch wie abschreckend.

Sumpfgebiete sind tatsächlich voll Wasser, die Klingen sind aus Metall, die Motorsäge echt. Auf dem Jahrmarkt kann man Dosen und Hufeisen werfen oder Armbrust schießen. Die Schausteller: Untote, der Preis: die Seele. In einem kleinen Separee findet sich die eigentliche Freakshow: Schlangenfrau und Püppchen werden von einem Hünen mit scheinbar lebenden Häppchen versorgt. Clowns mischen sich unters Volk. Mit grässlichen Fratzen, starrem Grinsen und fürchterlich lauten Hupen und Ratschen stehen sie plötzlich neben dem Besucher, fahren ihm durchs Haar oder schauen ihm über die Schulter - auch während der zahlreichen Darbietungen auf der Bühne. "Adrenalin, ohne dass man erschreckt wird", beschreibt eine Besucherin ihr Gefühl der dauerhaften Anspannung. Am Ende zeigen sich alle Monster demaskiert auf der Bühne: "Wenn die Köpfe der Monster dann rauchen, weiß man, es war gut", erklärt Organisationschef Eberhardt mit Augenzwinkern. Halloween ist abgeleitet aus dem Englischen "All Hallows' Eve", was den Abend vor Allerheiligen benennt.

Sein Ursprung ist umstritten: Das Fest lässt sich sowohl aus der Kirchengeschichte als auch aus keltischen und vorchristlichen Traditionen ableiten. Die ersten Gruselfans auf der Burg Frankenstein waren jedenfalls US-Soldaten, die in Jeans und Sweatshirt mit einer Maske um einen Kessel standen. Halloween ist vor allem bei der jüngeren Generation populär. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche sehen des Treiben als Chance, über das Thema Tod zu sprechen. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) will zudem den Reformationstag (31. Oktober) wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen heben, vor allem im Hinblick auf den 500. Reformationstag in zwei Jahren. Das Bistum Mainz sieht die Beschäftigung mit Tod und Vergänglichkeit an Halloween als Chance an, falls diese mit einer gewissen Ernsthaftigkeit genutzt wird.

Auf die Konfrontation mit dem Tod folge im Christentum jedoch die Auferstehung, an die im katholischen Glauben eigentlich Allerheiligen erinnert, erklärt der Theologe Eckhard Türk. "Wer in der Gewissheit lebt, dass er von Jesus Christus längst in die Gemeinschaft aufgenommen ist, braucht vor zurückkehrenden Geistern, Toten oder Ähnlichem keine Angst zu haben", fügt er hinzu. Was aber nicht heißen soll, dass man keinen Spaß haben darf - er sollte nur eben nicht allein im Zentrum stehen. (dpa)

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