Er kann seine "Rosi" nicht beim Brüten ablösen

Naturschützer in Sorge um einbeinigen Storch "Karl"

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Der einbeiniger Storch "Karl" fliegt zu seinem Horst, auf dem seine Partnerin "Rosi" sitzt. Mit einer schweren Beinverletzung und abgetrennten Unterschenkel zeigt sich der Storch im nordhessischen Sielen als wahrer Überlebenskünstler.

Kassel - Sein Unterschenkel hängt nur noch an einer Sehne, doch auch einbeinig ist Storch "Karl" erstaunlich fit. Das Schicksal des Vogels beschäftigt Naturschützer. Jungvögel werden in diesem Jahr wohl nicht schlüpfen.

Naturschützer sind besorgt - doch auch mit einer schweren Beinverletzung und abgetrennten Unterschenkel zeigt sich ein Storch im nordhessischen Sielen als wahrer Überlebenskünstler. "Er findet Nahrung, er kann trinken, und er lässt sich nicht einfangen", sagte Hans-Jürgen Schwabe vom Naturschutzbund Hofgeismar heute über den Vogel, der von den örtlichen Naturschützern "Karl" genannt wurde. Mit seiner Partnerin "Rosi" brütet er seit 2015 in der Nähe eines Sportplatzes. Das Paar, das bereits insgesamt fünf Jungtiere aufgezogen hatte, steht für die erste Rückkehr von Störchen in die Gegend seit mehr als 100 Jahren.

Schwabe vermutet, dass der als kämpferischer Revierverteidiger bekannte "Karl" sich bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Storch verletzt hat. Der Unterschenkelknochen sei abgetrennt und nur noch mit einer Sehne mit dem Rest des Beines verbunden. Während "Karl" als einbeiniger Storch überraschend gut mit dem Alltag klarkommt, bedeutet seine Behinderung wohl, dass in diesem Jahr nicht mit Storchennachwuchs zu rechnen ist. Denn Karl könne seine Partnerin nicht beim Brüten ablösen - und in den Brutpausen drohten die Eier abzukühlen. "Man muss davon ausgehen, dass die Brut verloren ist", bedauerte Schwabe.

Die Befürchtungen, dass "Karl" mit nur einem gebrauchsfähigen Bein ein leichtes Opfer für Raubtiere ist oder an den Folgen einer Entzündung sterben könnte, haben sich hingegen nicht bewahrheitet. Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover hätten bereits eine Prothese ins Gespräch gebracht, sagte Schwabe. Doch dazu müsste "Karl" erst mal gefangen werden - und näher als 25 Meter komme man nicht an den Storch heran - dann fliegt er weg. "Ihm wäre sicher geholfen, wenn die Sehne abgeschnitten und die Wunde versorgt würde", mutmaßte Schwabe. Dass der Storch es schafft, im Herbst ins afrikanische Winterquartier zu fliegen, bezweifelt er.

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Die derzeit größte Befürchtung sei, dass der Vogel mit seinem verletzten Bein irgendwo hängen bleibe und sich nicht mehr befreien könne. Doch auch wenn der einbeinige Storch nicht überleben sollte - ein Ende des Storchengeklappers in Sielen sei das wohl kaum: "Dann kommt Rosi wieder mit einem neuen Partner", sagte Schwabe über die Bindung von Störchen an ihr Nest. Wenn der alte Partner wegfalle, sei das weniger schlimm: "Da sind die schmerzfrei." (dpa)

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