1,5 Millionen Euro investiert

Hessischer Landwirt züchtet Garnelen

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Garnelenzüchter Sven Damm steht vor einer Aquakultur am Futterautomaten. Aus 80.000 Garnelenlarven der Sorte "White Tiger" will er in großen Zuchtbecken als erster hessischer Garnelenzüchter verkaufsfertige Garnelen wachsen lassen.

Niedenstein/Friedrichsdorf - Ein junger Landwirt aus Hessen züchtet Garnelen. In Deutschland gibt es bisher kaum mehr als eine Handvoll ähnlicher Betriebe. Denn der Energieaufwand ist hoch, kann sich aber unter bestimmten Umständen lohnen.

Seine neuen Tiere hat Landwirt Sven Damm (27) noch nie gezählt. Dazu sind sie einfach zu klein und zu viele: Rund 80.000 Garnelen schwimmen auf seinem Hof im nordhessischen Niedenstein in einem großen Becken. Der Landwirt gehört zu einer sehr kleinen, aber wachsenden Zunft in Deutschland. Er ist seit wenigen Tagen Garnelenzüchter.

1,5 Millionen Euro hat Damms Familie in die Aquakulturen gesteckt. Eine Bank zu überzeugen, für das Projekt Geld zu geben, sei nicht leicht gewesen: "Wir haben bei mehreren angefragt, und von denen wollte es schließlich nur eine machen." Dass die Garnelenzucht sich für den Landwirt überhaupt rechnen könnte, liegt an der Biogasanlage des Hofes. Sie liefert die Wärme für die Aquakulturen. Dank der vorher überschüssigen Energie haben es die White-Tiger-Garnelen aus Florida warm: "Das sind Warmwassertiere, die wachsen bei 28 Grad."

Dabei besaß Damms Familie eigentlich eine Schweinemast. Doch nach dem Auslaufen eines Pachtvertrags habe man sich nach etwas Neuem umgeschaut. "Gegen Ende meines Studiums war klar, dass ich in den Betrieb einsteige. Die Frage war nur, wie entwickelt man ihn weiter?", sagt der 27-Jährige.

Zunächst habe man die Zucht von Zander und Wels erwogen. "Doch das war relativ schwierig wegen der Verarbeitung." Die Landwirtsfamilie hätte die Fische küchenfertig verarbeiten müssen, um sie zu verkaufen. Die Wahl fiel schließlich auf die Garnelen. "Die haben uns gut gefallen, weil sie ein trendiges Produkt sind."

Das sieht auch der Bundesverband Aquakultur in Kiel so. Die Zahl der Züchter wachse gerade, war aber bisher extrem gering. 2017 gab es dem Verband zufolge bundesweit nur sieben "Kreislaufanlagen, die Krebstiere produzieren". Die Jahresproduktion lag bei insgesamt 36 Tonnen. Zum Vergleich: Der deutsche Einzelhandel verkaufte 2017 rund 413.500 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte.

Der Verband hält die verwendete Technologie für zukunftsweisend - auch, weil beispielsweise Abwärme von Heizkraftwerken genutzt werden kann: "Es handelt sich dabei um innovative Aquakulturen, die nachhaltig betrieben werden können", sagt eine Sprecherin.

Garnelen richtig entdarmen

Damm will elf Tonnen Garnelen pro Jahr produzieren. Die ersten sollen in einem halben Jahr ausgewachsen sein. Direktverkauf und Online-Shop seien geplant, auch Gastronomie und Supermärkte will Damm beliefern. Preislich werden die Garnelen mit 50 Euro pro Kilogramm voraussichtlich teurer als die Konkurrenz aus dem Ausland. Vergleiche seien aber schwierig, sagt Damm. Auch weil er frisch liefere und keine Tiefkühlkost.

Dem Bauernverband zufolge ist Damm bisher der einzige hessische Landwirt, der sich an die Garnelenzucht wagt. "Das ist definitiv eine Nische, die hier besetzt wird", sagt Verbandssprecher Bernd Weber. Das Vorhaben zeige die Innovationskraft hessischer Landwirte. "Man muss auch mal neue Wege gehen, in der klassischen Landwirtschaft ist vieles ausgereizt." Für eine Garnelenzucht spreche auch der Trend zu Produkten aus der Heimat: "Regionalität steht hoch im Kurs." (dpa)

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