Hilfe kommt per Video

Notärzte begleiten von Klinik aus Versorgung im Krankenwagen

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Michael Sander, Leiter der Anästhesie des Universitätsklinikums Gießen, zeigt, wie er per Videoübertragung Kontakt zum Rettungswagen halten kann.

Gießen - Die Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Telemedizin und E-Health-Projekte sollen die Versorgung von Patienten verbessern. Doch es bleibt noch einiges zu tun. Von Carolin Eckenfels 

Zwei Retter kümmern sich um einen jungen Mann, dem es gar nicht gut zu gehen scheint. Sie prüfen Blutdruck, legen ein EKG an und bringen den Patienten in den Rettungswagen. Ein Einsatz wie sonst auch, mit einer Ausnahme: Der Notarzt ist per Kamera und Datenverbindung zugeschaltet. Von der Klinik aus kann der Mediziner mit den Helfern kommunizieren, die Vitalwerte des Patienten auf einem Monitor verfolgen und Anweisungen geben. Im Notfall soll das wertvolle Zeit sparen.

Der Zusammenbruch des jungen Mannes ist allerdings nur gespielt. Die Vorführung demonstriert, welche Anwendungsmöglichkeiten es für digitale Technik im Gesundheitswesen gibt. Das Land Hessen will die Entwicklung voranbringen. Dabei helfen soll das „Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health“ in Gießen, das gestern offiziell seine Arbeit aufgenommen hat.

Hinter den Begriffen Telemedizin und E-Health verbergen sich verschiedene Möglichkeiten, die Digitalisierung im Gesundheitsbereich zu nutzen: eine Arztsprechstunde per Video oder Internetchat, elektronische Krankenakten oder Computerprogramme für eine leichtere Kommunikation zwischen Klinik und Krankenwagen.

Vieles sei technisch machbar, sagte Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU). Entscheidend sei aber, Projekte zu entwickeln, die den Patienten dienten. Das Land unterstützt das Zentrum, an dem die Technische Hochschule Mittelhessen und die Universität Gießen beteiligt sind, mit rund 500.000 Euro pro Jahr.

Das Zentrum soll Ideen und Projekte aus den Bereichen Telemedizin und E-Health bündeln. Die derzeit drei Mitarbeiter haben eine beratende Funktion bei Datenschutz- und Sicherheitsfragen. Schließlich geht es um sensible Krankendaten von Patienten.

So betont die Landesärztekammer Hessen, dass digitale Technik „immer unter Beachtung der Verschwiegenheitspflicht, des Datenschutzes und der Patientensicherheit“ eingesetzt werden müsse. „Die Technik darf nur Hilfsmittel sein und kann den Arzt-Patienten-Kontakt nicht ersetzen.“

Wie werde ich Notfallsanitäter/in?

Das Kompetenzzentrum will nach Worten von Geschäftsführer Armin Häuser für eine unabhängige Beratung sorgen. Die Digitalisierung biete viele Chancen, gerade auch, um die medizinische Versorgung auf dem Land dauerhaft zu sichern. „Es geht letzten Endes um eine patientengerechte und zeitgemäße, moderne Versorgung.“ Allerdings: „Ich glaube, wir stehen da erst am Anfang.“ So gibt es das System bislang nur einmal in Gießen. Besonders teuer wäre eine Aufrüstung aber nicht: Das System kostet nach Angaben der Entwickler etwa 500 Euro.

Simon Little, Professor an der Technischen Hochschule Mittelhessen und Oberarzt am Uni-Klinikum Gießen-Marburg, stellt klar: Das System soll den Notarzt vor Ort nicht ersetzen. Es gibt nach seinen Worten aber viele Patienten, zu denen ein Arzt zwar aus formalen Gründen rausfahren muss – dies aus medizinischer Sicht jedoch nicht zwingend nötig ist. Mit dem Videosystem „können wir den Notarzt freihalten für den nächsten Patienten, der ihn wirklich braucht“.

E-Health-Projekte stoßen derzeit noch an ihre Grenzen, weil gerade auf dem Land die nötige Infrastruktur fehlt. Grüttner: „Eine der Grundvoraussetzungen, damit das auch sollbruchfrei funktioniert, ist der Ausbau des Mobilfunknetzes.“ (dpa)

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