Pädagogen stellen Überlastungsanzeigen

Notruf aus dem Lehrerzimmer

Offenbach/Hanau - Hilferufe aus hessischen Lehrerzimmern: Hunderte Pädagogen von Gymnasien, Gesamtschulen und Grundschulen haben Überlastungsanzeigen an das Kultusministerium gerichtet.

Es handelt sich dabei um ein arbeitsrechtliches Instrument, das Arbeitnehmer vor Gesundheitsschäden schützen soll. Im Schulamtsbezirk Offenbach haben Berichten zufolge mehrere hundert Lehrer seit Jahresbeginn diesen Notruf abgesetzt. Dabei handele es sich um „die Spitze des Eisbergs“, wird die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats im Schulamtsbezirk Offenbach, Birte Krenz, zitiert. Es geht um die zusätzliche Belastung durch Aufgaben, die in den vergangenen Jahren auf die Lehrer übertragen wurden. Dazu gehören den Angaben zufolge Ganztagsangebote, Aufgaben der Inklusion und Integration von benachteiligten Schülern, außerdem Lernstandserhebungen und Schulcurricula: Die Lehrkräfte fürchten einerseits um ihre Gesundheit durch die zusätzlichen Pflichten, andererseits fürchten sie, den ihnen anvertrauten Schülern immer weniger gerecht werden zu können.

Um den Vorgaben des Kultusministeriums entsprechend fördern, dokumentieren, beraten und konferieren zu können, müsste etwa die Zahl der Pflichtstunden reduziert werden, lautet eine Forderung der Pädagogen. Darüber hinaus fordern die Lehrer eine Reduzierung der Klassengrößen, die bessere finanzielle Ausstattung der Schulen, eine Sanierung der Gebäude sowie den Einsatz von Dolmetschern zur Betreuung von Kindern mit mangelhaften Deutschkenntnissen.

Aus dem Kreis Offenbach betreffen die Überlastungsanzeigen sowohl Gymnasien wie die Einhardschule Seligenstadt, die Goetheschule Neu-Isenburg und die Offenbacher Leibnizschule, Albert-Schweizer-Schule und Rudolf-Koch-Schule, die Dreieich-Schule in Langen und das Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm, außerdem Gesamtschulen wie die Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach, die Weibelfeldschule in Dreieich, die Adolf-Reichwein-Schule in Langen sowie die Oswald-von-Nell-Breuning-Schule in Rödermark und die Albert-Einstein-Schule Langen.

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Im Schulamtsbezirk Hanau hat bisher nur die Georg-Büchner-Schule in Erlensee eine Überlastungsanzeige gestellt, berichtet Herbert Graf vom Gesamtpersonalrat im Schulamtsbezirk Hanau. Dass die Lehrer im Hanauer Raum ebenfalls an der Belastungsgrenze seien, kann aber auch er bestätigen. Heike Rickert-Fischer ergänzt für die Grundschulen: „Wir sind sowieso schon inklusive Schulen mit einer großen Bandbreite von Fertigkeiten unserer Schüler.“ Überlastungsanzeigen seien noch nicht gestellt worden, Schulen aus Hanau, Hasselroth und Wächtersbach hätten sich aber an einer Briefaktion in Richtung Kultusministerium beteiligt. „In unserem Fall kommt hinzu, dass wir in letzter Zeit sehr viel erzieherische Tätigkeiten übernehmen müssen“, so Rickert-Fischer. Das sei aber ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Unterstützung kommt vom Landeselternbeirat, der vor einem „Flächenbrand“ warnt und die Rückholaktion des Landes von pensionierten Lehrkräften als unzureichend bezeichnet. Zwar gibt es dem Vernehmen nach serste Gesprächstermine zwischen Personalräten, Ministerium und Schulamt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht jedoch weiter Druck und hat zum landesweiten Aktionstag am 10. Juni aufgerufen. (cm)

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