"Vertane Chance"

NSU-Watch: Rechter Terror wird nicht ausreichend ernst genommen

Wiesbaden - Die ehrenamtliche Initiative NSU-Watch hat die Arbeit des NSU-Untersuchungsausschusses im hessischen Landtag in wesentlichen Punkten als vertane Chance bewertet.

Insbesondere bei der Frage, ob die Terrorgruppe NSU aus der nordhessischen Neonaziszene heraus unterstützt wurde, habe das Gremium seine Möglichkeiten nicht genutzt, erklärte die Sprecherin von NSU-Watch Hessen, Sarah Müller, am Donnerstag in Wiesbaden. Viele Fragen der Angehörigen des ermordeten Halit Yozgat hätten nicht beantwortet werden können. NSU-Watch ist eine ehrenamtliche Gruppe, die NSU-Ausschüsse in den Parlamenten und den Strafprozess in München kritisch begleitet und protokolliert hat. Der Ausschuss in Wiesbaden sollte klären, ob hessische Behörden nach dem Mord des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) an dem Deutschtürken Yozgat am 6. April 2006 in Kassel Fehler gemacht haben. Der Abschlussbericht war am Donnerstag Thema in der Plenardebatte im Landtag.

Alles zum NSU-Untersuchungsausschuss finden Sie auf unserer Themenseite

"Anstatt parteiübergreifend zusammenzuarbeiten, war der Ausschuss geprägt durch Auseinandersetzungen der unterschiedlichen Fraktionen", kritisierte Müller. "Das Ende des Untersuchungsausschusses darf nicht bedeuten, dass ein Schlussstrich unter die Aufklärung des NSU-Komplexes in Hessen gezogen wird", forderte sie. Durch die verschiedenen U-Ausschüsse in den Ländern und das Strafverfahren in München sei eine Vielzahl von Puzzlestücken zusammengekommen, die jetzt miteinander verbunden werden könnten. "Es hat sich gezeigt, dass rechter Terror in Deutschland von den Behörden nicht ausreichend ernst genommen wird." (dpa)

NSU-Urteil gesprochen, viele Fragen offen

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion