Von der Öko-Nische zum Mainstream

Rasanter Aufstieg des Bio-Händlers Alnatura: Inzwischen 17 Märkte in Rhein-Main 

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Die neue Alnatura-Filiale in Offenbach am 7. September, dem Tag der Eröffnung. Der Bio-Lebensmittelhändler ist weiter auf Expansionskurs und plant zwei neue Filialen im Rhein-Main-Gebiet.

Bickenbach - Der Bio-Lebensmittelhändler Alnatura ist im 30. Jahr seines Bestehens weiter auf Wachstumskurs. Von Achim Lederle

Der Bio-Pionier aus Bickenbach bei Darmstadt plant nach der Eröffnung seines ersten Ladens in Offenbach in naher Zukunft zwei weitere Filialen im Rhein-Main-Gebiet.

Die Alnatura-Historie ist auch eine Geschichte über den Aufstieg der Bio-Lebensmittelmärkte in Deutschland von der Öko-Nische in den Einkaufs-Mainstream. In Mannheim startete der erste der mittlerweile 126 Alnatura-Märkte. Die Filiale ging dort im Oktober 1987 an den Start und war damals absolutes Neuland für die Bundesrepublik. Alnatura-Gründer Götz Rehn erinnert sich an den turbulenten Anfang: „Viele Freunde und auch die Familie haben bei der Realisierung des ersten Marktes mitgeholfen. Ohne deren Hilfe und Einsatz hätten wir es nicht geschafft.“

Der Erfolg stellte sich bei dem Familienbetrieb schnell ein: Schon kurze Zeit nach der Eröffnung folgten weitere Filialen in Karlsruhe, Darmstadt und Freiburg. Es folgte eine kontinuierliche Erweiterung des Netzes: Mittlerweile gibt es in Deutschland 126 Filialen in 59 Städten.

Alnatura ist in Großstädten genauso vertreten wie in kleineren Universitätsstädten, es gibt Standorte in der City und in Stadtteil-Lagen ebenso wie in Nahversorgungszentren außerhalb der Innenstädte. In Offenbach wurde am 7. September der erste Alnatura-Markt am Hafen eröffnet. Pressesprecherin Constanze Klengel sagte dieser Zeitung: „Das vergangene Geschäftsjahr war für uns ein sehr erfolgreiches. Insgesamt starteten wir 19 neue Filialen.“ Im Rhein-Main-Gebiet zähle das Unternehmen nun von Frankfurt bis Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt 17 Märkte. „Neben dem Offenbacher Laden wurde im Geschäftsjahr auch in Frankfurt-Eckenheim ein Markt eröffnet. Zwei weitere sind voraussichtlich 2019 im Hafenpark-Quartier im Frankfurter Ostend und im Mainzer Zollhafen geplant“, so Klengel weiter.

Alnatura beschäftigt nach Klengels Angaben aktuell 2950 Mitarbeiter, darunter 210 Auszubildende. Im Geschäftsjahr 2015/2016 erwirtschaftete Alnatura einen Umsatz von 762 Millionen Euro. Die Tendenz ist seit Jahren steigend.

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Was macht den Bio-Markt so erfolgreich? Ein Grund ist sicher der ganzheitliche Unternehmensansatz von Firmengründer Götz Rehn. Der 67-jährige gebürtige Freiburger und studierte Volkswirt ist bis heute Geschäftsführer von Alnatura und legt Wert auf Kundenorientierung und Selbstverantwortung. „Sinnvoll für Mensch und Erde handeln“, so formulierte Rehn einst den Impuls zur Gründung von Alnatura und das ist auch heute noch der Unternehmensgrundsatz. Ein wichtiges Ziel von Alnatura ist es, den Bio-Landbau im allgemeinen und die regionale Landwirtschaft im speziellen zu fördern. „Die Alnatura-Märkte sollen nachhaltig eingerichtete und ästhetisch ansprechende Einkaufstätten für Bio-Lebensmittel sein, in denen sich Kunden und Mitarbeiter wohlfühlen“, heißt es in einer Werbeschrift.

Offensichtlich fühlen sich immer mehr Kunden in den Läden wohl. Seit neuestem bietet Alnatura in seinen „Café-Bars“ auch heiße Getränke und Bio-Snacks an. Inzwischen gibt es in den Läden ein breites Vollsortiment mit durchschnittlich 6000 verschiedenen Bio-Produkten, darunter rund 1300 der Marke Alnatura. Möglichst viele der Bio-Produkte stammen aus der Region und kommen von Anbietern wie Demeter, Bioland oder Naturland.

„Die kurzen Transportwege sind ein Beitrag zum Umweltschutz und ein Garant für Frische“, unterstreicht auch Sprecherin Klengel. Außerdem würden so Arbeitsplätze im lokalen Bio-Landbau und im Handwerk gesichert. Alnatura arbeite auch mit der gemeinnützigen Organisation ProSpecieRara zusammen, die sich für die Bewahrung gefährdeter Pflanzen und den Erhalt biologischer Artenvielfalt engagiert. Auch soziale, ökologischen und kulturelle Projekte werden gefördert. Die Öko-Nische liegt bei Alnatura weit zurück. Im 30. Jahr des Bestehens ist das Unternehmen längst im Einzelhandel-Establishment angekommen.

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