Ärztemangel in Behörden: Krankenhäuser zahlen höhere Gehälter als Gesundheitsämter

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Die Gesundheitsämter in Hessen haben erhebliche Schwierigkeiten, ihre freien Arztstellen zu besetzen. (Symbolbild)

Die Gesundheitsämter in Hessen haben einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge erhebliche Schwierigkeiten, ihre freien Arztstellen zu besetzen. Sie befürchten, ihre Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang bewältigen zu können.

Wiesbaden/Offenbach – Das geht aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Yanki Pürsün hervor. Demnach müssen Stellen mehrfach ausgeschrieben und teilweise mit Medizinern besetzt werden, die nicht über die erforderliche Qualifikation verfügen. Die Gesundheitsämter sind für Themen wie Gesundheitsförderung, Vorsorge oder Aufklärung zuständig, bieten aber beispielsweise auch amtsärztliche Untersuchungen an.

Auch die Gesundheitsämter in der Region sind betroffen: In Offenbach fehle ein Psychiater, die unbesetzte Stelle werde derzeit durch einen Honorararzt ersetzt, teilte die Stadt mit. „Es ist sehr schwer, Mediziner für den öffentlichen Gesundheitsdienst zu finden“, so ein Stadtsprecher. „Der finanzielle Anreiz für Ärzte ist in privaten Praxen oder stationären Einrichtungen mitunter deutlich größer als im kommunalen Dienst.“ Man arbeite an einem Personalmarketingkonzept, darüber hinaus zahle die Stadt eine Arbeitsmarktzulage, biete flexible Arbeitszeiten an und berücksichtige die individuelle Arbeitszeitgestaltung. Außerdem biete man den städtischen Beschäftigten ein günstiges Job-Ticket für das gesamte Tarifgebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Der Kreis Offenbach beschäftigt insgesamt zwölf Mediziner, zwei Stellen im sozialpsychiatrischen Bereich seien vakant, so eine Sprecherin. Mit einer Hochstufung in eine höhere Tarifklasse wolle man die Stellen attraktiver machen. „Auch bei uns ist die Situation angespannt“, berichtet ein Sprecher des Main-Kinzig-Kreises. Das Kreisgesundheitsamt beschäftige 18 Ärzte, zwei Stellen seien aktuell unbesetzt. Da im nächsten Jahr drei Mediziner in den Ruhestand gingen, werde sich die Situation noch verschärfen. „Ein großes Problem ist die Bezahlung, weil wir nicht so flexibel sein können, wie wir müssten“, verweist er auf die Tarifgebundenheit im öffentlichen Dienst und besser bezahlte Stellen in Kliniken und bei Krankenkassen. „Wir können nur mit guten Arbeitsbedingungen und sicheren Arbeitsplätzen werben.“

Das Sozialministerium nennt laut dpa als Hauptgrund für die Entwicklung ebenfalls zu niedrige Gehälter. So sei es nur möglich, neue Ärzte für die Arbeit in Gesundheitsämtern zu gewinnen, wenn die Mediziner bereit seien, Gehaltseinbußen im Vergleich zum Kliniktarif in Kauf zu nehmen. Laut Ministerium ist es zudem in einigen Gesundheitsämtern schwierig, eine Ausbildung zum Facharzt zu absolvieren.  

VON NIELS BRITSCH

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