Mysteriöse Andeutungen

Ehemaliger HfG-Student präsentiert eigenen Film in Berlin

Außergewöhnliches Abschlussprojekt: David Jahn bei den Dreharbeiten zu „Emetofobia“.
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Außergewöhnliches Abschlussprojekt: David Jahn bei den Dreharbeiten zu „Emetofobia“.

David Jahn, ein ehemaliger Student der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach, präsentiert auf dem Filmfestival „Achtung Berlin“ seinen Film „Emetofobia“. Sein Werk ist alles andere als gewöhnlich.

Offenbach – Schon der Titel klingt mysteriös: Der Film „Emetofobia“ (Emetophobie ist der medizinische Ausdruck für die krankhafte Angst vor dem Erbrechen) ist die Diplom-Abschlussarbeit des gebürtigen Hessen David Jahn an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und feiert Premiere auf dem „Achtung Berlin“-Festival.

In dem experimentellen Spielfilm geht es um fünf Schauspielerinnen und Schauspieler, die während der Dreharbeiten plötzlich im Filmset eingesperrt sind und zu allem Überfluss die Leiche des Regie-Assistenten finden. Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen Set und der surrealen Parallelwelt in einem Haus in den toskanischen Bergen. „Die Grundidee basiert auf einem alten mexikanischen Film von Luis Buñuel aus dem Jahr 1962. Darin geht es um eine reiche Abendgesellschaft, deren Teilnehmer aus mysteriösen Gründen den Salon des Gastgebers nicht mehr verlassen können, nachdem alle Angestellten verschwunden sind“, beschreibt Regisseur David Jahn die Entstehung seiner Filmidee. „In der Folge lösen sich nach und nach die gesellschaftlichen Umgangsformen und Masken auf, alles versinkt in Chaos und Barbarei.“

Ganz bewusst bricht der 38-Jährige bei seiner Herangehensweise mit den Konventionen: „Der Film von Buñuel entwickelt eine surreale, düstere Kraft, aber auch Komik. Er spielt mit leeren Symbolen, stiftet Verwirrung durch Wiederholungen und legt falsche Fährten“, sagt David Jahn. „Alles Dinge, die eigentlich im kommerziellen Kino und ganz besonders im deutschen Fernsehen verpönt sind. Aber es funktioniert! Diese Strategie wollte ich mit heutigen Mitteln auf die Spitze treiben.“ Der 38-Jährige setzt dabei vor allem auf stückhafte Szenen und Andeutungen, die beim Zuschauer Assoziationen auslösen und viel Spielraum für Interpretationen lassen. So wird auch der Zusammenhang zwischen Filmtitel und Inhalt allenfalls angedeutet.

HfG Offenbach prägt David Jahn

Dass der Film dabei ganz ohne ein herkömmliches Drehbuch entstanden ist und die Darsteller fast vollständig improvisieren, ist nur eine weitere von vielen Besonderheiten des Abschlusswerkes, das – ebenso wie die dazugehörige theoretische Abschlussarbeit – mit der Bestnote bewertet wurde. „Letztlich spielen ja alle Schauspieler und auch das Team sich selbst“, begründet der Filmemacher, warum er den Akteuren so viel Freiheiten ließ. „Wir hatten einen Pool aus Situationen, Konflikten oder auch Referenzen aus dem Original, mit denen wir gearbeitet haben. Wie die Personen im Detail agieren, hat sich dann aus der Improvisation heraus und vor dem Hintergrund der vorher entwickelten Charaktere ergeben.“

David Jahn ist in Frankfurt, Dreieich und Dietzenbach aufgewachsen, sein Vordiplom machte er noch an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, ehe er nach Berlin zog und in Hamburg an der HFBK bei Angela Schanelec und Robert Bramkamp weiter studierte. Seine Zeit an der HfG hat jedoch Spuren hinterlassen: „Besonders das Studium an der Kunsthochschule war sehr prägend für die Art von Filmen, die ich jetzt mache. Eben eher gegen den Strich gebürstet, als man das zum Beispiel an einer klassischen Filmhochschule gelernt hätte“, erzählt David Jahn. „An der HfG habe ich sehr viel rumprobiert mit dem Medium, neben Spiel- und Dokumentarfilmen auch Animationen, Musikvideos und vor allem sehr viele Video-installative Arbeiten gemacht. Das war sozusagen die Grundlage für das, was dann später in Hamburg entstanden ist, was man wohl am besten mit dokufiktional umschreiben kann.“

David Bredin spielt bei Emetofobia mit

Gemeinsam mit Hamburger Kommilitonen gründete er 2014 die Produktionsfirma „splitterfilm“, die sein Abschlussprojekt mit einer kleinen Förderung der Filmförderung Hamburg Schleswig Holstein produziert hat. Für sein Werk konnte der Wahl-Berliner namhafte Darsteller gewinnen, der berühmteste ist David Bredin, den die Zuschauer aus zahlreichen Serien („4 Blocks“), Tatort-Folgen und Filmen kennen dürften. In den weiteren Hauptrollen sind Katharina Sporrer, Marcel Mohab, Olivia Kundisch und Melanie Schmidli zu sehen – fast alle ebenfalls keine unbekannten Gesichter.

Beim Filmfestival „Achtung Berlin“ wird „Emetofobia“ nun erstmals zu sehen sein. „Ich wünsche mir natürlich, dass der Film auf möglichst vielen Festivals läuft und eine gewisse Öffentlichkeit erreicht. Damit sich die unglaubliche Plackerei, fast ohne Ressourcen einen Spielfilm auf die Beine zu stellen, gelohnt hat“, freut sich David Jahn auf die Premiere. Und als gebürtiger Hesse hofft er natürlich, dass sein Werk auch in absehbarer Zeit in Hessen gezeigt wird. (Niels Britsch)

Infos im Internet

https://achtungberlin.de/

http://emetofobia.de/

http://emetofobia.de/

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