KIZ: In Offenbach keine Geldklemme

Hessens Start-ups fallen bei Investitionen ab

Der Offenbacher Gründercampus Ostpol ist wichtiger Startplatz für junge Firmen. Foto: p
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Der Offenbacher Gründercampus Ostpol ist wichtiger Startplatz für junge Firmen. Foto: p

Während deutsche Start-ups mehr Investitionen als jemals zuvor erhalten, hinken hessische Unternehmensgründungen bei den Finanzierungen hinterher.

Offenbach – In der Gründer-Hochburg Offenbach wird die Situation als nicht so dramatisch eingeschätzt. Die Gründerszene erfährt vielfältige Unterstützungen, sagen Insider. Und mit dem geplanten Campus für Gründer und Innovationen auf dem ehemaligen Clariant-Areal sind die Weichen für die Zukunft gestellt.

Die Jungunternehmer im Land warben 2019 rund 73 Millionen Euro von Investoren ein, 44 Prozent weniger als im Jahr zuvor (132 Mio.), wie eine gestern veröffentlichte Studie der Beratungsfirma Ernst & Young (EY) ergab. Selbst vom Geldsegen für Start-ups, die Dienste für Banken und Versicherungen anbieten, profitierten Gründer in Hessen den Angaben zufolge kaum.

Bundesweit erhielten Start-ups 2019 laut EY die Rekordsumme von 6,2 Milliarden Euro von Investoren wie Fonds und Unternehmen. Für Start-ups sind die Geldspritzen enorm wichtig, wie die Beratungsfirma unterstrich: Die Firmen brauchen Investoren für ihre Expansion, da sie anfangs meist keinen Gewinn schreiben.

Der Geschäftsführer des Offenbacher KIZ (Kommunikations- und Innovationszentrum), Markus Weidner, sagte gestern dieser Zeitung: „Die Zahlen sind sehr bemerkenswert. Das gilt es tiefer zu analysieren. In Offenbach können wir eine Finanzierungsklemme aber nicht beobachten. Gute Ideen von guten Gründern werden finanziert. Das Land Hessen hat in den letzten Jahren gute Angebote aufgebaut. Wir helfen den Gründern, diese im Anspruch zu nehmen.“

Für Mathias Schulze-Böing, den Leiter des Offenbacher Amtes für Arbeitsförderung und Integration und Geschäftsführer der MainArbeit, beleuchtet die EY-Studie vor allem finanzstarke Großgründungen und weniger die oft kleineren Start-ups in der Region. Für diese sieht auch Schulze-Böing „keine Finanzierungsklemme“. Im Gegenteil seien Firmen vielfach mit dem sogenannten Ostpol-Kredit, einer Mikrofinanzierung für Gründer und Kleinunternehmen, unterstützt worden.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Offenbach, Markus Weinbrenner, sieht die grundsätzliche Gründer-Situation in Offenbach auch positiv, verweist aber darauf: „Die Erfahrung aus unserer Beratung bestätigt, dass Start-ups vor allem Schwierigkeiten haben, nach der Gründungsphase genügend Geld für Wachstum und Investition zu finden. Damit mehr Investoren auf die Metropolregion FrankfurtRheinMain als Hotspot für Gründungen und Start-ups aufmerksam werden, müssen wir die Werbetrommel rühren.“ Die Bedingungen seien gut, aber es gebe auch noch einiges zu tun: „Mit Projekten der Kammerinitiative ,Perform’ sowie dem länderübergreifenden Strategieforum für Rhein-Main wollen wir die Wahrnehmbarkeit als Start-up-Region erhöhen. Ein Beispiel dafür ist unser Projekt Start-ups meet corporates (www.startups-meet-corporates.de/startups).“

Offenbach setzt seine Hoffnungen auch auf den geplanten Gründer-Campus auf dem einstigen Clariant-Gelände. Das Areal biete mit rund 35 Hektar das größte zusammenhängende Flächenpotenzial zur Ansiedlung neuer Firmen und Start-ups in ganz Hessen, wie Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke kürzlich unterstrich. Die Verträge dafür wurden kurz vor Jahresende unterschrieben.

Für Schulze-Böing ist der neue Standort ein wichtiger Schritt „für viele kleinere Firmen, die aus dem Gründercampus Ostpol herauswachsen. Aber auch für Großgründungen, die endlich in Offenbach ihren Platz finden könnten.“

VON ACHIM LEDERLE

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