Weniger Umweltverschmutzung, mehr Zusammenhalt

Corona-Krise: Die Einschränkung des öffentlichen Lebens hat nicht nur negative Auswirkungen

Dass die Menschen wegen des Coronavirus weniger unterwegs sind, hat nicht nur negative Folgen (Symbolbild).
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Dass die Menschen wegen des Coronavirus weniger unterwegs sind, hat nicht nur negative Folgen (Symbolbild).

Aufgrund des Coronavirus sind die Menschen angehalten, möglichst in ihrer Wohnung zu bleiben. Das öffentliche Leben ist auch in Offenbach mittlerweile stark eingeschränkt. Das hat auch positive Folgen.

Offenbach – Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Schwimmbäder bleiben geschlossen, Menschen sollen nach Möglichkeit zu Hause bleiben, das öffentliche Leben ist massiv eingeschränkt: Die Corona-Pandemie zieht weitreichende Folgen nach sich. Doch einzelne Maßnahmen können auch positive Effekte haben – wir haben mögliche und tatsächliche Begleiterscheinungen zusammengefasst:

Umwelt

Satellitenbilder aus China zeigen, dass die Luftverschmutzung massiv zurückgegangen ist, seit dort Quarantäne-Maßnahmen verhängt wurden. Ein ähnlicher Effekt ist vermutlich nun auch für den Rest der Welt zu erwarten, da inzwischen Flugreisen und Kreuzfahrten global eingeschränkt worden sind. Einige Industriezweige müssen ihre Produktion reduzieren, und es ist zu erwarten, dass auch der Autoverkehr abnimmt. Sprich: Sämtliche Bereiche, in denen normalerweise auch viele Schadstoffe produziert werden, sind massiv eingeschränkt.

Sicherheit

Weniger Verkehr bedeutet auch ein Rückgang von Unfällen. Da viele Beschäftigte von zu Hause arbeiten oder auf ihre geplanten Urlaubsreisen verzichten, haben Einbrecher vermutlich nicht mehr ganz so leichtes Spiel. Weil Menschen derzeit auch nicht mehr größere Feste und Partys besuchen können, gehen vielleicht auch alkoholbedingte Streitereien und gewalttätige Auseinandersetzungen zurück.

Möglicherweise steigt allerdings die Zahl der häuslichen Auseinandersetzungen, da die Familien sich dort leichter in die Haare bekommen können. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen konnte solche Vermutungen noch nicht bestätigen, da es noch zu früh sei, entsprechende Schlüsse zu ziehen oder gar auf Zahlen zurückgreifen zu können. Doch sie betont: „Gerade in Krisenzeiten müssen wir präsent sein.“

Also auf einen Überstunden-Abbau als Folge der Corona-Pandemie können die Beamten vorerst nicht hoffen. Das bestätigt auch ein Sprecher der Hessischen Bereitschaftspolizei, die unter anderem auch für die Einsätze bei Fußballspielen zuständig ist: Zwar sei es wegen der abgesagten Bundesligaspiele zu einer „Reduzierung der Einsätze“ gekommen, im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen gebe es aber wiederum neue Einsatz-Situationen. „Ein Überstunden-Abbau ist derzeit nicht geplant, es wird vielmehr eine Umstrukturierung der Aufgaben geben.“

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die Corona-Pandemie erfordert vor allem Rücksichtnahme auf Ältere und Schwächere, bei denen eine Infektion mit dem Virus besonders gefährlich sein könnte. Unter dem Hashtag #Coronahilfe bieten Twitternutzer an, für betroffene Menschen einkaufen zu gehen oder andere Erledigungen zu machen. Allerdings warnt die Polizei Südosthessen auch vor Betrügern, die Zettel mit Hilfsangeboten verteilen – bei diesen Angeboten gehe es nicht immer mit rechten Dingen zu.

Nachdem beschlossen worden war, dass Kitas und Schulen schließen, ist die Hilfsbereitschaft für betroffene Eltern groß: Die in Köln wohnhafte schweizerische Kabarettistin Hazel Brugger twitterte: „Ich bin, wie es aussieht, die nächsten paar Monate über zwangsarbeitslos. Falls ihr in Köln wohnt, in einem medizinischen Beruf arbeitet und schulpflichtige Kinder habt, kann ich gern tagsüber auf die aufpassen. Das klingt zwar creepy, aber ich meine das ernst.“ Auch andere Menschen boten ihre Hilfe bei der Kinderbetreuung an, so auch eine Twitternutzerin aus Erlensee, die schrieb, dass sie Eltern im Main-Kinzig-Kreis unterstützen könne. „Bitte teilt es und schreibt mir gerne. Ich mache es kostenlos, also keine Sorge.“

Lieferservice als Alternative

Viele Verbraucher, die nicht einkaufen gehen können oder wollen, lassen sich Lebensmittel nach Hause liefern. Der Service ist deutlich mehr nachgefragt. Nur muss bei manchen Anbietern eine mehrtägige Wartezeit eingeplant werden.

Wie Rewe dieser Zeitung mitteilte, verzeichne der Lieferservice analog zum stationären Handel eine erhöhte Nachfrage. „Die kann vereinzelt auch zu Wartezeiten von wenigen Tagen führen – dies ist aber kein bundesweites Bild“, so Rewe-Sprecherin Kristina Schütz. Und weiter: „Es gab sowohl im stationären Handel als auch beim Rewe-Lieferservice trotz der hohen Nachfrage nach lang haltbaren Lebensmitteln, Nährmitteln, Konserven und Drogerieartikeln keine Engpässe, die Frequenz der Belieferung der Rewe- und Penny-Märkte haben wir entsprechend erhöht bzw. angepasst. Die Warenversorgung ist unverändert stabil.“ Bei Edeka gab es gestern keine Informationen, auf der Homepage des Lieferdienstes Edeka 24 war von einer „Bearbeitungszeit von vier bis sechs Tagen“ die Rede. Bis zum 20. März ist der Lebensmittel-Lieferant GetNow ausgebucht. Beim Lieferservice MyTime hieß es, dass daran gearbeitet werde, die Warenverfügbarkeit zu sichern, Lagerbestände aufzustocken und eigene Kapazitäten auszubauen, um auch Nachfragespitzen abdecken zu können. „Allerdings kann es durch die sprunghafte erhöhte Nachfrage derzeit zu einer leicht verlängerten Bearbeitungszeit im Bereich der Frischwaren kommen.“

Die Real GmbH teilte mit: „Auch in unserem Online-Lebensmittelshop hat sich die Nachfrage deutlich erhöht. Wie im stationären Handel haben wir allerdings auch unsere Logistik und Warenversorgung an die aktuelle Situation angepasst. Dennoch kommt es hier zu temporären Engpässen, da wir auch hier deutlich an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen.“ Am Regelbetrieb des Online-Shops habe sich aber nichts verändert. „So können Kunden nach wie vor für ihre Bestellung einen Wunschzeitpunkt für die Anlieferung angeben“, so die Real-Pressestelle.

Bei Tegut hieß es: „Aufgrund der aktuellen Situation liegt unser Augenmerk derzeit auf der Sicherstellung des gesamten Filialbetriebs.“

Von Niels Britsch und Achim Lederle

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