Autoexperte und PSA-Chef fordern: Effizienz muss deutlich steigen

Bei Opel könnten 6000 Jobs wegfallen

+
Das verwitterte Typenschild eines Opel auf einem Schrottplatz: Der Rüsselsheimer Autobauer steht unter hohem Erfolgsdruck. Anfang November wird ein Sanierungsplan vorgestellt, der den Fahrzeugbauer wieder flott machen soll.

Rüsselsheim -  Nach der Übernahme von Opel-Vauxhall durch den französischen PSA-Konzern drohen auch in Rüsselsheim massive Arbeitsplatzverluste. Von Achim Lederle 

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kommt in einer neuen Studie auf insgesamt 6000 Jobs bei Opel-Vauxhall, die mittelfristig dem Rotstift zum Opfer fallen könnten. Beschlossen ist noch nichts, aber Opel steht unter Druck, seine Effizienz deutlich zu erhöhen. Nur bis 2018 hat Peugeot Société Anonyme (PSA) der neuen Tochter eine Garantie für Jobs und Standorte in Deutschland gegeben. Bis 2020 müssen schwarze Zahlen bei Opel geschrieben werden, so die klare Vorgabe von PSA-Chef Carlos Tavares.

Opel will Anfang November, also 100 Tage nach der Übernahme durch PSA, einen Zukunftsplan präsentieren. Derzeit sind Teams von PSA bei Opel, um die Wettbewerbsfähigkeit des Autobauers genau unter die Lupe zu nehmen.

Dies hat der renommierte Autoexperte Dudenhöffer vom CAR-Center der Universität Duisburg-Essen bereits getan: „Legt man die PSA-Effizienz-Kennziffern zugrunde, hat Opel-Vauxhall mehr als 6000 Mitarbeiter, die bei Effizienzsteigerungsprogrammen mittelfristig zur Disposition stehen“, heißt es in der Studie, die dieser Zeitung vorliegt.

Wie Dudenhöffer unterstreicht, hat Opel-Vauxhall im zweiten Quartal 2017 im Gegensatz zu PSA erneut mit hohen Verlusten abgeschnitten. „Zusätzlich verliert Opel-Vauxhall im steigenden europäischen Automarkt Verkäufe und produziert weniger Fahrzeuge, was den Verlustdruck steigert“, heißt es in der Studie. Zwar habe auch Peugeot-Citroën seine europäische Produktion von Januar bis August deutlich zurückfahren müssen, durch Verkaufszuwächse in Iran und Afrika sowie Lateinamerika sei aber noch ein kleines Verkaufs-Plus erzielt worden. PSA-Chef Tavares stehe von mehreren Seiten unter Druck. Beim Mutterkonzern seien im ersten Halbjahr bereits 109 Millionen Euro zur Restrukturierung und dabei vor allem zum Personalabbau aufgewendet worden. Dudenhöffer: „Damit liegt ein hoher Erfolgsdruck auf dem Opel-Vauxhall-Sanierungsplan.“

Die britische Opel-Schwester Vauxhall bekommt den unbedingten Sanierungswillen von Tavares bereits zu spüren: Bis zum Jahresende sollen 400 Arbeitsplätze im Astra-Werk in Ellesmere Port abgebaut werden, hieß es vergangene Woche. Dies war eine direkte Reaktion von PSA auf die sinkende Nachfrage nach Familienautos wie dem Astra auf dem europäischen Markt. Insgesamt hat Vauxhall etwa 1800 Mitarbeiter in seinem Werk Ellesmere Port. Opel und Vauxhall beschäftigen zusammen rund 40.000 Mitarbeiter, etwa 18.000 davon arbeiten für Opel in Deutschland.

Die Zukunft des Autos auf der IAA

Tavares hatte der neuen Tochter bereits am Rande der IAA in Frankfurt „mangelnde Wettbewerbsfähigkeit“ bescheinigt. Gestern legte er nach und forderte von Opel harte Sparmaßnahmen. Viele Strukturen seien nicht schlank genug, sagte Tavares der „Welt“. „Mein Eindruck ist, viele Probleme rühren daher, dass Dinge bei Opel überdimensioniert sind, dass Abläufe nicht effizient genug sind“, sagte er. „Wir müssen viel effizienter werden.“

Dudenhöffer macht den Sanierungsbedarf bei Opel an einem interessanten Vergleich fest: Während PSA im ersten Halbjahr 2017 pro Fahrzeug einen Gewinn von 913 Euro erwirtschaftet hat, verbuchte Opel-Vauxhall im gleichen Zeitraum einen Verlust von 686 Euro pro Fahrzeug. Auch bei der Mitarbeiter-Produktivität und der Arbeitsproduktivität schneide PSA deutlich besser ab als die deutsch-britische Tochter. Dudenhöffer: „Der Ball liegt jetzt bei Opel.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.