Hausgemeinschaft mit Kitz und Hund

Da sitzt ein Reh auf’m Sofa

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Schwarze Knopfaugen und weiches Fell: Das nett anzusehende Rehböckchen weiß was gut ist und macht sich auch gerne mal auf dem Sofa bequem.

Groß-Zimmern - Auf dem Titelbild liegen sie einträchtig auf der Bettdecke nebeneinander: zwei Jagdhunde und Bambi, das mit großen Augen in die Kamera blickt. Von Sabine Müller

Die Groß-Zimmerner Anja Pahlen und Peter Göbel haben ein Buch geschrieben über diese „besonderen besten Freunde“. Seit Juni ist das Rehböckchen ein Mitglied ihrer Hausgemeinschaft. Anja Pahlen und ihr Lebensgefährte Peter Göbel leben mit ihren Jagdhunden Tequila, einem Parson Russell Terrier, und dem Tierheimzögling Zola, einem Bretonen, im Groß-Zimmerner Korallenweg. Bambi, das eigentlich mittlerweile Böckchen heißen müsste, ist der Fünfte im Bunde. Wie das Wildtier zum Haustier wurde, erzählt das Autorenpaar in dem Buch „Besondere beste Freunde“, das jetzt in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen ist.

Auf 117 Seiten, illustriert mit vielen lebensnahen Fotos, machen die Groß-Zimmerner anschaulich, wie anpassungsfähig Tiere sein können. „Fehlt ihr Artgenosse, dann tut es eben auch ein artfremder Sozialpartner, notfalls sogar ein Mensch“, heißt es im Vorwort. Sie zeigten sich dankbar und offenbarten Empathie. Im Hause Pahlen/Göbel pflegen Jagdhunde und Reh unter der Obhut ihrer „Mutter“ nach sieben Monaten eine intensive Freundschaft.

Chronologisch beschreiben die Zimmerner, wie sich Bambi erst in ihr Herz, dann in ihr Haus geschlichen hat: Beim Spaziergang mit den Hündinnen an der Gersprenz in Klein-Zimmern findet Anja Pahlen eines Tages ein „kleines piepsendes Etwas“ am Flussufer im Schlamm, etwa eine Woche alt. Sie nimmt das schwache abgemagerte Handvoll Kitz mit nach Hause, kontaktiert zunächst Jäger, dann Polizei dann Tierauffangstationen. Aber niemand gibt ihm eine Überlebenschance oder nimmt es auf. Nur die Hunde haben es sofort akzeptiert – das Paar beschließt, es aufzupäppeln.

Es braucht viele Versuche und schließlich die Hilfe von Hündin Zola, bis das Kitz Ziegenmilch aus der Spritze trinkt. „Das war seine Rettung.“ Zwei kleine Knubbel am Kopf, die langsam größer werden, weisen darauf hin, dass Bambi ein Böckchen ist. Tagsüber ist es im Garten, nachts im Schlafzimmer – wegen der Marder. Es schläft in der Hundebox, Zola und Tequila liegen auf den Hundedecken davor und passen darauf auf, manchmal legt sich ein Hund in die Box dazu.

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Tierische Adoptiveltern: Die Groß-Zimmerner Anja Pahlen und Peter Göbel haben im Juni ein Rehkitz aufgenommen. Bambi hat sich hervorragend in die hausgemeinschaft integriert.

Die liebevolle Annahme, das vertrauensvolle Zusammenleben tragen Früchte: Bambi wird ein Teil der Familie, schaut sich so manches von den Hunden ab und lernt Alltagsrituale. Beim Klingeln der Mikrowelle trippelt er herbei, weil dann seine Milch trinkfertig ist. Bekommen die Hunde Leckerli, schmatzt Bambi genüsslich Weintrauben. Bilder zeigen, wie Hund und Reh mit dem Ball im Garten tollen und sich zur Fernsehstunde auf dem Sofa an Anja Pahlen kuscheln. Das stubenreine zierliche Geschöpf stakst die Haustreppen empor und genießt es, wie die Hunde geduscht zu werden. Wenn es etwas möchte, nickt es mit dem Kopf. Spannend wird der erste Ausflug: Peter Göbel, der 20 Jahre lang als Forstwirt im Gemeindewald Groß-Zimmern gearbeitet hat, heute für die Gemeinde im Gartenbau tätig ist, kennt viele versteckte Wiesen- und Waldstücke. Die drei tierischen Genossen jagen zusammen durch die Natur und kommen auf Zuruf alle wieder zurück. Löwenzahn wird die Lieblingsspeise von Bambi, das langsam seine weißen Punkte im Fell verliert. Außer der Familie haben auch Nachbarn, Kindergartenkinder und der Postbote ihre helle Freude an dem zutraulichen Tierchen.

Anja Pahlen/Peter Göbel: „Besondere beste Freunde“; erhältlich für 12,50 Euro über den Buchhandel (ISBN-Nr. 978-3-937276-72-4) oder direkt über die Autoren.

Andere Hundebesitzer animieren das Paar, ein Buch über ihre außergewöhnliche Geschichte zu schreiben. „Schon nach dreieinhalb Monaten war es fertig“, berichtet Anja Pahlen im Gespräch mit dem LA. Die Resonanz darauf sei groß – und durchweg positiv. Die Groß-Zimmerner wissen aber auch, dass sie ihr Schützling in absehbarer Zeit verlassen muss, um artgerecht in der Natur zu leben. „In jedem Ende liegt ein neuer Anfang“, schließt das Buch. Was hier auch bedeutet: Fortsetzung folgt.

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