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Teure Pflege: Patientenschützer kritisiert steigende Heimkosten

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Von: Lars Herd

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Offenbach - Wer pflegebedürftig ist und im Heim lebt, muss immer mehr Geld zuschießen. Das zeigt eine Umfrage der Privaten Krankenversicherung (PKV). Der Anteil beträgt in Hessen monatlich 1783 Euro. Von Lars Herd

Die finanziellen Belastungen werden für Pflegebedürftige in Heimen zunehmend zu einem Problem. Innerhalb eines Jahres stieg die monatliche Eigenbeteiligung im Bundesdurchschnitt um knapp vier Prozent – also um fast 70 Euro auf 1813 Euro. „Die Pflegepolitik mit dem Ausbau der Leistungen wiegt die Bürger derzeit in einer Art Vollkasko-Illusion. Doch die gesetzliche Pflegeversicherung kann nur einen ‚Teilkasko‘-Schutz bieten“, so PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach.

Pflegeverbände sind entrüstet. „Ohne Zweifel müssen die Pflegebedürftigen bei den Kosten entlastet werden“, sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Dabei reiche nicht, den Eigenanteil für Pflegeleistungen zu deckeln. „Vielmehr muss die Pflegeversicherung künftig die vollständigen Kosten für die Pflege übernehmen.“ Nur die Ausgaben für Lebenshaltung und Nebenkosten sollen die Pflegebedürftigen dann weiterhin selbst tragen. „Schließlich machen steigende Eigenanteile viele Pflegebedürftige arm und abhängig von Sozialleistungen“, kritisiert Brysch.

Was auffällt: die Belastungen in den Ländern sind nicht gleich. Die Gründe – unter anderem: Unterschiede bei den Kosten für Pflegekräfte und bei den Rahmenverträgen für die personelle Ausstattung in Pflegeeinrichtungen. Am tiefsten in die eigene Tasche greifen müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen. Dort liegt der Eigenanteil bei 2308 Euro. Am günstigsten ist es in Sachsen, wo 1223 Euro fällig werden. Hessen liegt mit einem Eingenanteil von 1783 Euro im Mittelfeld der Rangliste. Erfreulich für Betroffene im Land: Im Vergleich zum 1. Juni ist der Beitrag leicht rückläufig.

Seit 2017 setzt sich der vom Versicherten zu tragende Eigenanteil für die pflegebedingten Kosten der Pflegegrade 2 bis 5, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten zusammen. „Sie müssen mittlerweile durchschnittlich 602 Euro für die Pflege aus eigener Tasche zahlen. Hinzu kommen im Bundesschnitt 1179 Euro für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen“, rechnet Brysch vor. Im Gegensatz zum früheren System, in dem mit einer höheren Pflegestufe auch höhere Kosten verbunden waren, steigt der Eigenanteil auch dann nicht, wenn der Pflegebedürftige in einen höheren Pflegegrad umgestuft wird.

Doch wie soll es klappen, den Eigenanteil zu drücken, und zu verhindern, dass immer mehr Pflegebedürftige in die Armut rutschen? „Als Sofortmaßnahme bis zu einer grundlegenden Reform müssen die Sachleistungen der Pflegeversicherung einmalig um 500 Euro erhöht werden“, schlägt Brysch vor. „So können der Kaufkraftverlust der letzten Jahre und die Tarifsteigerungen für Pflegekräfte aufgefangen werden.“

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