Main-Kinzig

Pläne für eine Sommerbühne im Main-Kinzig-Kreis sind vom Tisch

Landrat Stolz (SPD) will stattdessen Kulturprojekte mit insgesamt 1,8 Millionen Euro fördern. Die Planung für die Bühne hat schon hohe fünfstellige Kosten verursacht.

Sie sollte eine kulturelle Attraktion im Osten des Main-Kinzig-Kreises werden und sowohl Stars als auch Nachwuchs- und Amateurmusikern eine Plattform bieten – doch die geplante Sommerbühne wird wohl nie gebaut. Nach dem Willen des Kreisausschusses soll das Bewerbungsverfahren, bei dem letzten Endes keine Stadt oder Gemeinde Interesse am Betrieb der Freilufteinrichtung hatte, beendet werden. Und die 1,8 Millionen Euro, die für den Bau der Bühne einkalkuliert sind, möchte die Kreisspitze „zielgerichtet für kulturelle Projekte zwischen Maintal und Sinntal“ ausgeben. Diesen Beschluss empfiehlt das Gremium um Landrat Thorsten Stolz (SPD) für die Kreistagssitzung am 25. Oktober. „Dem Kreistag obliegt es dann, Schwerpunkte der Förderung festzulegen“, sagt Stolz.

Zu Beginn hatten sich Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Brachttal, Flörsbachtal, Gelnhausen, Jossgrund, Schlüchtern, Sinntal und Wächtersbach als Standort-Interessenten gemeldet, dann aber Abstand davon genommen. Auch wegen des Ergebnisses einer Studie, die das Hamburger Büro Krug und Strömer vornahm. Demnach würde eine professionell betriebene Bühne in den ersten fünf Jahren ein jährliches Defizit von 400 000 Euro verursachen.

Das ist nach Stolz’ Ansicht der entscheidende Punkt: Eine Sommerbühne als Kombination aus Event- und Bürgerbühne sei ohne laufenden Zuschuss nicht zu finanzieren. „Hier fehlt die Bereitschaft der Städte und Gemeinden – verständlicherweise – sich dauerhaft zu binden, denn es ist nicht mit der einmaligen Investition in Höhe von 1,8 Millionen Euro getan.“ Die geplante Bühne hat bereits hohe fünfstellige Kosten verursacht: Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau teilte ein Kreissprecher mit, von 2015 bis 2017 seien 50 000 Euro in die Planung geflossen. Beim vom Kreis erteilten Auftrag, die Standortsuche neu aufzurollen, entstanden Kosten von zunächst 30 000 Euro, bei der Bewertung alternativer Konzepte, etwa einer nicht an einen Ort gebundenen Bühne, Kosten in Höhe von 10 000 Euro.

Mit dem Schlussstrich ginge auch ein Politikum zu Ende: Es war Stolz’ Vorgänger und Parteikollege Erich Pipa, der eine Sommerbühne forcierte, ohne feste Mehrheit im Kreistag. Ihm wurde vorgeworfen, sich ein Denkmal setzen zu wollen – was Pipa zurückwies. Kulturschaffende seien mit dem Wunsch auf ihn zugekommen, nach einer Planung, die alle Aspekte berücksichtige, werde es einen Bürgerentscheid geben.

Favorisierter Standort war der Schlosspark in Wächtersbach. Bürger fürchteten dort unter anderem um den Naturschutz und die Authentizität des Parks. Im Kreistag wurde die Vorlage auch mit den Stimmen der CDU abgelehnt, die heute eine Koalition mit der SPD bildet.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare