Beuth: Trendwende bei Wohnungseinbrüchen soll fortgesetzt werden

Polizei startet neue Software zur Jagd nach Einbrechern

Wiesbaden - In der dunklen Jahreszeit zwischen Oktober und März nimmt die Anzahl der Wohnungseinbrüche drastisch zu. Hessens Polizei will mit verstärkten Kontroll- und Präventionsmaßnahmen, aber auch mit einer neuen Software die Einbrecher stoppen.

Hessens Polizei startet pünktlich zur dunklen Jahreszeit mit dem landesweiten Einsatz einer speziellen Software zur Jagd nach Wohnungseinbrechern. Flankiert werde der Einsatz des neuen Ermittlungstools von verstärkten Fahndungs-, Ermittlungs- und Präventionsmaßnahmen sowie einem erhöhten Kontrolldruck, kündigte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) in Wiesbaden an. Der Innenminister zeigte sich zuversichtlich, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hessen im laufenden Jahr auch mithilfe dieser Schritte weiter sinkt.

Mit der in Hessen selbst entwickelten Prognosesoftware sollen Verhaltensmuster von Tätern erfasst und so die Suche nach den Verantwortlichen erleichtert werden.

Die Software mit dem Namen „KLB-operativ“ (Kriminalitätslagebild) war zuvor ab 2015 unter der Leitung des hessischen Landeskriminalamtes in den Polizeidirektionen Wiesbaden, Main-Taunus, Hochtaunus, Main-Kinzig und Darmstadt-Dieburg auf ihre Tauglichkeit geprüft worden. Aus den polizeilichen Datenbeständen konnten hier räumliche und zeitliche Schwerpunkte abgeleitet und bestimmte Verhaltensmuster der Täter erkannt werden.

„Bei der Analyse dieser Fälle lassen sich vielfach Tatmuster erkennen, die auf professionelle, gezielt und planvoll vorgehende Serientäter schließen lassen. Diese Muster gilt es herauszufinden und in einem täglichen Arbeitsprozess grundsätzlich während der fallintensiven dunklen Jahreszeit zu bewerten“, so der Innenminister. Die Web-App soll künftig nicht nur landesweit auf den Polizei-PCs nutzbar sein, sondern im Laufe des nächsten Jahres den Ermittlern auch per App auf den Dienst-Handys zur Verfügung stehen.

Rund 350.000 Euro habe die Entwicklung der Software gekostet, erklärte Landespolizeipräsident Udo Münch. Im Gegensatz zu Softwarelösungen in anderen Bundesländern, die mit einer Fremdfirma arbeiteten, bleibe Hessen mit „KLB-operativ“ Herr über die eigenen Daten. Sollte es Interesse aus anderen Ländern geben, stelle Hessen die Prognosesoftware für eine bessere Vernetzung bei der Jagd nach Wohnungseinbrechern gerne zur Verfügung, versicherte Beuth.

Die Software orientiert sich an bekannten Kartendiensten, nach denen Straßenkarten, Luftbilder oder Liegenschaftskarten dargestellt werden können, erläuterte Christoph Lange, Hauptkommissar beim Landeskriminalamt. So könnten sich die Polizisten ein umfassendes Lagebild der letzten zehn Tage und die relevanten Daten über die Wohnungseinbrüche in ganz Hessen darstellen lassen.

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An jedem Morgen werde die Lage des Vortages computerunterstützt aufgearbeitet, analysiert und auf einer Karte dargestellt. Auf dieser Grundlage werden laut Lange dann eine Einsatzplanung und ein Bekämpfungskonzept für die nächsten 24 Stunden erstellt. Die Software steht nach Angaben des Landespolizeipräsidenten allen Ermittlern zur Verfügung. Vor allem Serieneinbrecher sollen auf diesem Weg schneller gefasst werden, erklärte der Innenminister.

Beuth rechnet in diesem Jahr erneut mit weniger Wohnungseinbrüchen in Hessen. Nach Auswertung bislang vorliegender Daten hoffe er, dass sich die im Vorjahr eingeleitete Trendwende 2017 fortsetzt. Im Vorjahr war die Zahl der Wohnungseinbrüche um zehn Prozent auf 10.405 zurückgegangen. Zuvor wurde jahrelang ein Anstieg verzeichnet. Die Wohnungseinbruchsstatistik für Hessen wird Anfang nächsten Jahres veröffentlicht. (dpa)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: picture alliance / dpa

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