Im Advent arbeiten Internet-Romeos und -Julias auf Hochtouren

Polizei warnt vor Liebesbetrug: Spektakulärer Fall in Gießen

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Gießen/Stuttgart - Liebesbetrüger suchen sich ihre Opfer auf Dating-Portalen und in sozialen Netzwerken. Mit ihren Lügen umgarnen sie Männer und Frauen jeden Alters – und ziehen ihnen am Ende viel Geld aus der Tasche. Polizei und die Facebook-Gruppe „SOS – Selbsthilfe – Liebesbetrug“ warnen angesichts hoher Fallzahlen eindringlich vor der Masche.

Flirten im Internet kann teuer werden: Als Love- oder Romance-Scamming (Liebesbetrug) bezeichnet die Polizei die Masche. Besonders in den Tagen vor Weihnachten arbeiten die Internet-Romeos und -Julias auf Hochtouren. Die Opfer werden über soziale Netzwerke, Dating-Portale oder E-Mail kontaktiert und in einen Nachrichtenaustausch verwickelt.

Wie viele Fälle es gibt, lässt sich nicht genau beziffern. Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden weist darauf hin, dass diese Straftaten in der Kriminalstatistik zu den Betrugsdelikten gezählt werden. Hunderte Fälle werden jedes Jahr bekannt. Zum großen Teil, 78 Prozent, waren Frauen betroffen. Ein Stuttgarter Polizeisprecher merkt jedoch an, dass offizielle Zahlen nicht allzu aussagekräftig sind. Denn sie spiegeln nur Fälle wider, die explizit als Romance-Scamming gekennzeichnet wurden. Tatsächlich gehen die Behörden von einer großen Dunkelziffer aus. Offenbar schweigen gerade Frauen im fortgeschrittenen Alter aus Angst davor, was ihre Kinder zu der Internet-Beziehung sagen könnten. Manche Opfer werden auch schlicht erpresst – mit verfänglichen Bildern und Videos, die sie den Chatpartnern in vielen Fällen selbst zugespielt haben.

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Nach Angaben von Polizisten täuschen die Täter oftmals über Monate eine Liebesbeziehung vor, bevor sie Geld fordern, meist mit einer plausibel klingenden Begründung. Erst soll etwa ein Visum bezahlt werden, dann der Flug nach Deutschland, dann ist plötzlich die Tochter schwer krank.

Der Nächste bitte - Die Liebe in den Zeiten der Dating-Apps

Für Aufsehen sorgte zuletzt im September ein Fall in Gießen: Eine 55-Jährige aus dem Landkreis Gießen lernt bei einer Online-Partnerbörse einen vermeintlichen Arzt kennen. Der Mann gibt vor, in Kabul zu arbeiten und auf der Suche nach einer neuen Partnerin zu sein. Er überzeugte die Frau davon, einen Koffer für ihn auszulösen, der bei einer Sicherheitsfirma im Ausland hinterlegt sei. Darin, versichert der Arzt, befänden sich sehr wichtige Unterlagen. Dafür überweist ihm die Frau insgesamt 13.500 Euro. Als sie einen Kredit aufnimmt und weitere 8000 Euro ins Ausland überweisen will, schöpft eine Bankmitarbeiterin Verdacht. Sie weist das Opfer auf die mögliche Betrugsmasche hin. (dpa)

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