1. Startseite
  2. Hessen

Kommentar zur Mehrheit für Schwarz-Grün

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Eschenauer

Kommentare

Diese Liaison fasziniert noch immer, denn etwas derart Bizarres kann eigentlich nicht funktionieren. Von Michael Eschenauer

Da gelingt es dem einstigen „schwarzen Sheriff“ Bouffier, sich und seine als „Kampfverband“ und „Stahlhelm-CDU“ profilierte Partei in relativ kurzer Zeit derart umzukrempeln, dass die Regierungsmaschine geradezu beunruhigend geräuschlos schnurrt. Da legen selbst eisenharte grüne Demo-Veteranen alte Feindbilder ab. Da sind die beiden Chefs per Du, egal, ob der eine etwas vierschrötig, der andere manchmal oberprimanerhaft rüberkommt. Der Ältere macht den Landesvater – mit Zigarillostimme, Schulterklopfen für jeden und präsidialem Mainstream-Merkelismus. Die Bilanz der ersten Spielzeit von Schwarz-Grün ist passabel. Es läuft.

Rock ‘n’ Roll wird einst die Welt retten. Ob aber hessischer Pragmatismus und Wiesbadener Gelassenheit auf Dauer die politische Agenda rocken können, die von Populismus und Nicht-Nachdenken geprägt ist? Auf jeden Fall stehen dem schwarz-grünen Emotionalienladen schwierigere Zeiten ins Haus. Denn das Traumpaar muss seine Liebe neu ordnen. Die Grünen repräsentieren jetzt ein Fünftel der Wähler. Das macht die Brust breit und schafft die Notwendigkeit, jenseits von „Öko“ Duftmarken zu setzen. Beides ist nicht gut für ein harmonisches Zusammenleben mit einem Partner, der hektisch nach einem neuen Selbstverständnis als Volkspartei sucht.

Schwarz-Grün hat in seiner ersten Auflage florierende Steuereinnahmen verwaltet. Das Bedienen der Klientel steht angesichts schlechterer Wirtschaftsdaten künftig als Koalitionskitt weniger zur Verfügung. Folgt kalter Wind auf Sonnenschein, wird es in der Regel nur den Populisten warm. Das Weiter so, auf das eine altgediente „neue“ CDU-Regierungsriege hindeutet, wird da kaum reichen.

Auch interessant

Kommentare