Prozess um einen brutalen Mord

Kassel - Zum Auftakt des Prozesses um den Mord an einer Mutter zweier kleiner Kinder in Trendelburg hat der Angeklagte vor dem Landgericht die Tat zum Teil eingeräumt. Allerdings stellte er das Geschehen ganz anders dar als zuvor der Staatsanwalt in seiner Anklage - und das Publikum war schockiert.

Der brutale Mord hatte im Juli 2010 in ganz Nordhessen für Entsetzen gesorgt. Die 32 Jahre alte Frau war auf ihrer Walkingrunde, als sie dem Mann begegnete, so die Darstellung des Staatsanwalts. Der Forstarbeiter sei von einer Betriebsfeier gekommen und betrunken gewesen.

Nach einem kurzen Gespräch sei die Frau, die der Mann seit der Jugend „vom Sehen“ kannte, vor ihm geflüchtet, doch der Angeklagte habe sie überwältigt, in ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt. „Weil sie ihn identifizieren würde, würgte er sie und schlug ihren Kopf auf den Boden, bis der Tod eintrat“, sagte der Staatsanwalt. Mit DNA-Spuren und Zeugenaussagen waren die Ermittler dem 36-Jährigen bereits nach wenigen Tagen auf die Schliche gekommen. Er ist wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagt.

Der Verteidiger verlas zu Beginn einen Brief des Angeklagten an die Angehörigen des Opfers. „Es ist nicht zu entschuldigen. Ich stelle mir die Frage: Wie konnte das geschehen?“, hieß es darin. Der Verteidiger kündigte an, sein Mandant werde im Prozess keine weiteren Angaben machen. Wie sich der 36-Jährige zuvor bei der Polizei zu der Tat geäußert hatte, las der Richter vor - und das schockierte die Zuschauer.

Demnach habe die Frau ihm Oralverkehr angeboten und sei freiwillig in das Gebüsch gegangen. Ein Raunen ging durch den Zuschauerraum. „Die Frau war einverstanden“, hatte der Angeklagte laut Richter bei der Polizei ausgesagt. Die Frau habe gelacht, als Passanten vorbeiliefen. Sie sollte leise sein, deshalb habe er sie gewürgt. Er habe sie nicht töten wollen.

Er habe auf der Feier etwa sechs bis acht Liter Bier getrunken und könne sich an Geschlechtsverkehr nicht erinnern. Der Angeklagte, der mit dem Mann des Opfers zur Grundschule gegangen war, stimmte den Aussagen mit stummem Nicken zu. Mit Zeugenbefragungen wird der Prozess am 16. Juni fortgesetzt. Insgesamt sind bis Ende August noch zwölf Verhandlungstage geplant.

dpa

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