RMV und Politiker begrüßen Vorstoß zum 365-Euro-Ticket und fordern Ausbau des ÖPNV

Rhein-Main will Modellregion werden

S-Bahn in Frankfurt am Main
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S-Bahn in Frankfurt am Main

Offenbach/Mainz/Hanau – Der Vorschlag des Mainzer Oberbürgermeisters Michael Ebling, im Rhein-Main-Gebiet als Modellregion ein 365-Euro-Jahresticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einzuführen, stößt in der Region auf positive Resonanz. VON NIELS BRITSCH

Sein Offenbacher Amtskollege Felix Schwenke (SPD) ist von der Idee angetan, verweist aber darauf, dass ein günstiges Jahresticket für alle nur einer von mehreren Bausteinen der Klimapolitik ist: „Der Preis ist das eine, aber selbst wenn alles kostenlos gemacht werden würde, ist auch das Schienennetz ein weiterer wichtiger Faktor“, gibt der Offenbacher OB zu bedenken. „Wenn über Klimaschutz geredet wird, müssen wir auch über Geld und den Ausbau der Infrastruktur sprechen.“ Ein Aspekt, den auch Ebeling in seinem Brief erwähnt: „Die S-Bahn-Verbindungen im Rhein-Main-Gebiet sind vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums ohne einen erheblichen Zu- und Ausbau kaum zukunftsfähig.“

Konkrete Vorschläge unterbreitet der Mainzer OB noch nicht, doch es gibt mehrere Schienenprojekte, die sein Kollege Schwenke im Sinn hat und an denen die Stadt Offenbach gerne beteiligt werden möchte: „Was wir schon lange fordern, ist der Ausbau der Südtangente.“ In diesem Zusammenhang wünscht sich Schwenke eine Direktverbindung vom Flughafen nach Offenbach, „ohne dass der Frankfurter Innenstadt-Tunnel zusätzlich in Anspruch genommen werden muss“. Außerdem erwähnt der OB die immer wieder diskutierte Straßenbahnlinie 16, die zwischen Oberrad und Fechenheim verkehrt und an der Offenbacher Stadtgrenze endet. Da biete es sich doch geradezu an, den Ring in Offenbach zu schließen, und zwar unterirdisch, so Schwenke. Außerdem wünscht er sich eine Anbindung des Offenbacher Stadtteils Bürgel und des neuen Hafenviertels an das Schienennetz.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) teilt die Einschätzung Schwenkes: „Insbesondere in den Hauptverkehrszeiten sind die Fahrzeuge vielerorts schon heute stark ausgelastet. Mit einem 365-Euro-Ticket würde die Frage nach zusätzlichen Kapazitäten dann noch lauter gestellt werden“, heißt es von der RMV-Pressestelle. „Nicht nur der Preis, sondern vor allem die Qualität des Angebots überzeugt die Menschen, den ÖPNV zu nutzen. Auch in diesem Sinne müssen wir die Ausweitung des Angebots noch stärker in den Blick nehmen.“ Die 365-Euro-Modellregionen des Klimakabinetts begrüßt der RMV als „eine spannende Idee, um den Einfluss einer günstigen Flatrate für Jedermann zu testen und den Klimaschutz weiter voranzutreiben“. Solche Projekte enfalteten jedoch eine umso größere Wirkung, „wenn man sie ganzheitlich im Sinne der Fahrgäste denkt, die über Stadt- und Tarifgrenzen hinweg mobil sind.“ Der RMV verweist auf bereits bestehende Angebote: „Das Schülerticket oder das Seniorenticket sind unter anderem deswegen so attraktiv, weil unsere Kundinnen und Kunden sich eben keine Gedanken über die Tarifgrenzen im RMV-Gebiet machen müssen.“

Auch Claus Kaminsky (SPD) gehört zu den Oberbürgermeistern von insgesamt sieben Städten (Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg und Ingelheim), die von Ebeling angeschrieben und um Unterstützung seiner Initiative gebeten wurden. Wie die Stadt Hanau mitteilte, befürwortet er diesen Vorstoß und hält den Vorschlag für so vielversprechend, „dass er eine eingehende Prüfung der Rahmenbedingungen und Details der Umsetzung begrüßen würde“.

In Wiesbaden ist man sogar schon einen Schritt weiter: Wie die Verwaltung der Landeshauptstadt mitteilte, bewirbt sich die Stadt beim Bund bereits um die Förderung eines 365-Euro-Tickets. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) haben laut Mitteilung entsprechende Schreiben an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowie an die hessische Landesregierung und für Wiesbaden zuständige Bundestagsabgeordnete verschickt. Erste Gesprächstermine seien bereits vereinbart, hieß es.

Verkehrsdezernent Kowol sagte, man wolle die ESWE Verkehrsgesellschaft bitten, gemeinsam mit der Mainzer Mobilität (MM) „die Schritte zu prüfen, die für ein gemeinsames 365-Euro-Ticket für Wiesbaden und Mainz zu einem möglichst frühen Zeitpunkt nötig wären“. Mit einem Modellprojekt in Wiesbaden könne die Stadt „wertvolle Erfahrungen“ sammeln, „die bei einer späteren Ausweitung des 365-Euro-Tickets auf das gesamte Rhein-Main-Gebiet von Nutzen wären“.

Doch nicht nur die größeren Städte zeigen Interesse an dem Projekt, auch der Main-Kinzig-Kreis würde gerne mitmachen: „Den Vorschlag aus Mainz finde ich gut. Ich würde aber noch weitergehen als der Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt mit über 200 000 Einwohnern“, so der Kreisbeigeordnete Winfried Ottmann (CDU). „Wenn wir aus Klimaschutzgründen über ein günstiges Jahresticket sprechen, dann darf man die Pendlerinnen und Pendler nicht außer Acht lassen, die zur Arbeit weite Strecken von 20, 30, 40 Kilometern im Auto bis nach Frankfurt, Offenbach oder Hanau auf sich nehmen. Dann geht es also auch um das Umland.“

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