Urteil des Landgerichts

Tödlicher Sturz vom Sprungturm: Angeklagte freigesprochen

+
Sprungturm auf dem Hoherodskopf

Gießen - Nach dem tödlichen Unfall eines Mädchens an einem Sprungturm im Vogelsberg hat ein Gericht die Betreiber der Anlage vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Das Landgericht Gießen hielt in seiner Urteilsbegründung am Donnerstag zwar unter anderem fest, dass es beim Bau des Sprungturms gravierende Abweichungen von Vorgaben gegeben habe und sich die Angeklagten vor der Errichtung nicht über die Gefahren informiert hätten. Es sei aber in dem Prozess nicht festzustellen gewesen, dass diese Fehler zum Tod des Mädchens geführt hätten.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidiger der zwei Männer hatten auf Freispruch plädiert. Nur der Anwalt der Nebenklage (Vater des Opfers) hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Vor Gericht standen die 42- und 44-jährigen Betreiber eines Kletterparks in Schotten im Vogelsbergkreis. Sie hatten den Sprungturm im Sommer 2015 als Attraktion errichten lassen, bei dem man aus mehreren Metern Höhe auf ein Luftkissen springt. Die Zwölfjährige prallte jedoch nach ihrem Sprung am 31. August 2015 vom Kissenrand ab und landete auf dem Boden. Ob sie dabei - wie angeklagt - gegen einen Stein stieß, blieb ungeklärt. Wenige Wochen später starb sie ihren schweren Verletzungen. Besonders tragisch: Sie hatte den Sprung zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Betreibern zunächst fahrlässige Tötung vorgeworfen, weil Sicherheitsvorkehrungen missachtet worden sein sollen. Im Prozessverlauf änderte die Anklagebehörde aber ihre Meinung dazu. Die Vorgabe, wie weit die Absprungplattform in etwa acht Metern Höhe das Luftkissen am Boden überragen musste, sei eingehalten worden. Zudem hätte das Mädchen nach Aussagen eines Gutachters auch sterben können, wenn sie nur auf den Rasen und nicht auf den Felsbrocken geprallt wäre.

SOS vom Smartphone: Das Mobiltelefon als Nothelfer

Der Vorsitzende Richter bemängelte das Fehlen von Vorschriften für "Freefall-Tower". Es gebe keine Normen für Türme und Luftkissen. Im vorliegenden Fall hätten sich die Angeklagten zwar an ein Gutachten des TÜV Süd gehalten. Doch die Anweisungen seien leichtfertig formuliert gewesen. Zudem monierte der Richter: Wegen Personalnot habe die Polizei nach dem Unglück nur unzureichend Beweise gesichert. (dpa)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare