„Bisher kein verbessertes Angebot eingegangen“

Busstreik auch Donnerstag - Keine Straßenbahnen in Darmstadt

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Im Bus-Depot am Darmstädter Böllenfalltor ging nichts mehr, heute soll es zudem punktuell zu Solidaritätsstreiks kommen.

Offenbach/Wiesbaden - Weiter starke Beeinträchtigungen im Berufsverkehr und auch der Schülertransport gestaltet sich in der Region vielerorts schwierig. Am dritten Tag des Ausstands fahren in Hanau gar keine Busse mehr, in Darmstadt stehen auch die Straßenbahnen still und in Gießen gab es eine Großdemo. Und auch am Donnerstag wird weiter gestreikt.

Heute hat sich in der Region die Situation weiter zugespitzt, weil Verdi zu Solidaritätsstreiks aufgerufen hat. In Darmstadt, Hanau, Gießen und Offenbach legen deshalb auch Fahrer ihre Arbeit nieder, die nach einem anderen Tarifvertrag bezahlt werden, aber gemeinsame Betriebshöfe nutzen. In Darmstadt blieben nicht nur Busse, sondern auch Straßenbahnen im Depot. "Bei uns fährt gar nichts", sagte eine Sprecherin des Nahverkehrsunternehmens Heag mobilo. In Gießen versammelten sich um 10 Uhr Beschäftigte der Standorte Gießen, Marburg und Gelnhausen zu einer Demonstration. Es ist der dritte Streiktag der Beschäftigten von 20 privaten Busgesellschaften in Folge. Laut Verdi-Landesfachbereichsleiter Verkehr, Ronald Laubrock, sei die Beteiligung der Busfahrer „überragend“. Die Gewerkschaft verhandelt mit dem Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) über einen neuen Tarifvertrag. Und inzwischen steht fest: auch am morgigen Donnerstag wird weiter gestreikt. Verdi Streikleiter Jochen Koppel teilte mit, dass bisher vom Arbeitgeber kein verbessertes Angebot eingegangen sei. Auch die Solidaritätsstreiks sollen am Donnerstag fortgesetzt werden.

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Die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) kann ein solches Szenario nicht schrecken. „Noch schlimmer als bisher kann es nicht kommen. Bei uns ist fast alles zum Erliegen gekommen“, sagt Stadtwerke-Sprecher Jörg Muthorst. Der Schülerverkehr dürfte indessen wie gehabt weiterlaufen, erledigt von einigen wenigen Fahrern auf Fahrzeugen, die rechtzeitig aus dem blockierten Depot in der Offenbacher Hebestraße gebracht werden konnten. Eine solche Blockade sei rechtlich grenzwertig, so Muthorst. Die SOH toleriere das im Augenblick. Sollte sich der Streik länger hinziehen, „müssen wir uns andere Möglichkeiten überlegen“.

Inzwischen ebbt auch die Beschwerdewelle ab, berichtet Muthorst. Kritik, man habe die Kunden nicht rechtzeitig informiert, weist er zurück. Die Stadtwerke hätten auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen auf den Streik und damit einhergehende Beeinträchtigungen hingewiesen. Möglicherweise habe die Ankündigung eines Notfahrplans für Irritationen gesorgt. Man habe die Information inzwischen zurückgezogen. Für wenige Streiktage sei ein Notfahrplan verzichtbar – und mangels Personal und Fahrzeugen derzeit ohnehin nicht umsetzbar.

In Hanau hatte der Ausstand bisher ebenfalls keine Auswirkungen auf den Schülerverkehr. „Die Busse fahren wie an streiklosen Tagen“, sagt Joachim Haas-Feldmann, Sprecher der Hanauer Straßenbahn (HSB). Das wird sich heute ändern, wenn die Hanauer HSB-Fahrer aus Solidarität mit ihren Kollegen des Tochterunternehmens Hanau Fahrer GmbH in Streik treten. Nach Informationen unserer Zeitung fahren heute in Hanau keine Busse.

Schülerbeförderung in Offenbach funktioniert

Relativ gut sah es gestern bei der Schülerbeförderung in Offenbach aus, wo außer den Verstärkerbussen die meisten Linien still stehen. Zur Albert-Schweitzer-Schule an der Waldstraße gelangten die meisten Schüler an den Streiktagen trotzdem, sagt Schulleiter Ulrich Schmidt. „Die Eltern organisieren dankenswerterweise in Eigeninitiative Fahrgemeinschaften.“ Im Sekretariat riefen dennoch viele Eltern an, die nicht wussten, wie ihr Kind zur Schule kommen sollte. „Wenn Schüler ein bisschen zu spät kommen, drücken wir auch ein Auge zu“, sagt Schmidt.

Laura Schuldt, die die zwölfte Klasse des Gymnasiums besucht, ist zu Fuß unterwegs – trotz Verletzung. Für den Schulweg aus Bürgel benötige die Oberstufenschülerin eine Stunde. Zu spät kommen ist für sie keine Option: Die Abiturprüfungen stehen an. Mancher Schüler, der in Laufnähe wohne, nutze den „Freibrief“ des Kultusministeriums aus – es hatte Schüler, die streikbedingt nicht in die Schule kommen, pauschal entschuldigt. „Das hält sich aber in spaßhaftem Rahmen“, so Ulrich Schmidt. Auch an der Theodor-Heuss-Schule auf dem Buchhügel gebe es Schüler, die den Streik zum Anlass nehmen, dem Unterricht fernzubleiben, wie Schulleiter Horst Schad berichtet. „Generell sind die Auswirkungen aber nicht so groß wie befürchtet. Wir stehen nicht vor halbleeren Klassensälen“. Die meisten Berufsschüler weichen auf S-Bahnen aus oder laufen.

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Ähnlich äußert sich Uli Luft, stellvertretender Leiter der August-Bebel-Schule in Offenbach. Nur in wenigen Klassen der Beruflichen Schule des Kreises, die ein großes Einzugsgebiet hat, blieben gestern und am Montag Sitzplätze leer. „Im Wesentlichen läuft alles normal“, sagt Luft. Eine Schülerin aus dem Vogelsberg habe beispielsweise nicht kommen können.

Schüler suchen Alternativen

Auch im Kreis Offenbach suchen Jugendliche Alternativen. „Die meisten unserer Schüler nehmen trotz Schnee das Fahrrad oder lassen sich fahren“, sagt Dieter Herr, Leiter der Einhardschule in Seligenstadt. Die Zahl der „Elterntaxis“ vor dem Gymnasium habe deutlich zugenommen. Wie andere Schulleiter im Kreis hofft er auf einen kurzfristigen Ersatzverkehr für die Dauer des Streiks. Die Kreisverkehrsgesellschaft KVG befindet sich dazu derzeit in Gesprächen mit einem Busunternehmen, wie Verkehrsplaner Klaus Böttcher gestern mitteilte. (jrd/cm/jo/dpa)

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