In der Silvesternacht

Keine Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in der Region

Offenbach - Berlin, Leipzig, Stuttgart sowie mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen: Die Meldungen über Angriffe auf Polizeibeamte, Feuerwehrleute oder Rettungssanitäter in der Silvesternacht sorgen für Empörung. Einsatzkräfte in Hessen und in der Region scheinen allerdings dieses Mal verschont geblieben zu sein. Von Michael Eschenauer

„Natürlich gab es Einsätze in den Frankfurter Problemvierteln wie zum Beispiel der Ahornstaße und den Vierteln um die Justizvollzugsanstalt Preungesheim. Aber die Rückmeldungen der Feuerwehren und Rettungsdienste in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet lassen darauf schließen, dass es in diesem Jahr sogar eher etwas ruhiger gewesen ist“, berichtet Klaus Gorissen von der Komba-Gewerkschaft für kommunale Beschäftigte in Hessen.

Stefan Rüppel, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen (GdP), berichtet – gestützt auf Zahlen aus dem Innenministerium – von landesweit sieben durch Angriffe in der Silvesternacht leicht verletzte Polizisten. Ministeriumssprecher Benjamin Crisolli nannte die Zahl „nicht auffällig“, aber dennoch nicht akzeptabel. Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte Anfang der Woche eine Mindeststrafe von sechs Monaten Haft für Angriffe auf Einsatzkräfte gefordert. Nach einer Gesetzesreform 2017 liegt die Mindeststrafe derzeit bei drei Monaten.

Günter Fenchel, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes, sowie Rudi Neu, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen, melden „keinerlei Gewalttätigkeiten gegen Einsatzkräfte“ zum Jahreswechsel. Die Nacht sei im normalen Rahmen verlaufen. „Natürlich gibt es Unmutsäußerungen und die ein oder andere böse Bemerkung. Niemand lässt sich gerne aufs Revier mitnehmen“, so Neu. Aber man sei ja auch in einer Nacht unterwegs gewesen, in der wirklich an jeder Ecke gefeiert wurde. Auch seien keine Raketen auf Polizisten abgefeuert oder Beamte mit Böllern beworfen worden.

Bilder zum Jahreswechsel in Frankfurt

GdP-Vizechef Rüppel stellt klar: „Wir nehmen die Vorfälle im Rest des Landes und das zum Teil erhebliche Gewaltpotenzial wahr.“ Geholfen habe dieses Jahr, dass die Polizei zahlreich auf der Straße war. Dies schüchtere Krawallmacher etwas ein. Die Angriffe deuten für ihn auf eine Entfremdung vieler Menschen vom Staat und seinen Organen hin. „Die Rettungskräfte werden als Repräsentanten dieses Staates wahrgenommen“.

Für Gorissen spiegeln die Angriffe, denen er in seiner 20-jährigen Tätigkeit beim Rettungsdienst in Frankfurt zunehmend ausgesetzt war, den Verlust an Werten und die gestiegene Aggressionsneigung. Bei Migranten komme hinzu, dass in manchen Kulturen die Umgangsweisen generell ruppiger seien.

Er forderte die Gerichte zu einer härteren Gangart auf. Der Grund dafür, dass es in Hessen und Rhein-Main recht ruhig geblieben sei, liege darin, „dass es uns hier relativ gut geht: Die Bevölkerung ist gut durchmischt, soziale Brennpunkte sind selten.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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