„Bin total durch den Wind“

Spektakulärer Heiratsantrag: Notarzt fliegt mit Hubschrauber bei Partnerin vor

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»Sie hat es verdient«: Chirurg Florian Grohmann überrascht die DRK-Notfallsanitäterin Karina Schmidt mit einem Heiratsantrag.

Sie hat „Ja“ gesagt. Karina Schmidt und Florian Grohmann wollen heiraten. Für den Heiratsantrag organisiert der Bräutigam eigens eine Notfallübung samt Hubschraubereinsatz.

Friedberg – Nur wenige Mitarbeiter des DRK in Friedberg waren eingeweiht, es galt höchste Geheimhaltungsstufe - bis der Hubschrauber auf dem Flugplatz Lützellinden bei Gießen landete und Karina Schmidts Kollege Dominic Friedrich stutzig wurde. »Was kommt denn jetzt?« Aus dem Heli stieg Florian Grohmann, Chirurg am Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim. Grohmann ging vor Schmidt auf die Knie, schenkte ihr einen Verlobungsring und stellte die Frage aller Fragen.

So eine Aktion kostet viel Vorbereitung. »Ich bin mit Karina so glücklich, das sollen alle erfahren«, sagt Grohmann. »Sie ist ein toller, liebenswürdiger Mensch. Das hat sie einfach verdient.« Also heckte Grohmann einen Plan aus: Zusammen mit Niclas Nern vom DRK wurde eine Notfallübung simuliert, die von der Presse begleitet wird. Die Kurzfassung des Einsatzes erläutert Matthias Leister, Ausbildungsleiter beim DRK und bei der Übung als »Ersthelfer« dabei, vor Ort: »Explosion mit einem Verletzten auf einem Flugplatz.« Da es sich um eine lebensbedrohliche Verletzung handelt, muss ein Notarzt per Helikopter angefordert werden. Den mietete Grohmann bei Heli Flight in Reichelsheim. Als Pilot konnte er Dr. Gerhard Weber gewinnen. Weber ist als Anästhesist Oberarzt am Hochwaldkrankenhaus und fliegt seit über 20 Jahren als Notarzt in der Luftrettung. Karina Schmidt und ihre Kollegen glauben, die Übung sei der erste Teil einer dreiteiligen Reportage, die während des Hubschrauberfluges und später in der Klinik fortgesetzt werde.

Den Verletzten mimt Marco Laßmann. Der Bereichsleiter Rettungsdienst beim DRK muss vollen Einsatz zeigen. Sein Kollege Leister hat ihn stilecht geschminkt, mit Brandwunden am ganzen Körper. Bei der angenommenen Explosion wurde dem Verletzten die linke Hand abgerissen. Als die Notfallsanitäter am Unfallort eintreffen, spritzt das Kunstblut aus der »Wunde«. Laßmann schreit vor Schmerzen, er wimmert und jault, die Situation könnte nicht echter dargestellt werden. Echt ist, dass er friert. Ein eisiger Wind weht über die Anhöhe südlich von Gießen. Laßmann ist eingeweiht, er nimmt das tapfer hin und schreit umso lauter.

Heiratsantrag mit Helikopter: Hochzeit „nach Corona“

Schmidt und Friedrich haben in wenigen Sekunden ihre Notfallkoffer ausgepackt, sprechen den Verletzten an, prüfen die Verletzungen und kümmern sich zuerst um den »blutenden« Armstumpf. Alles läuft wie am Schnürchen. Die beiden sprechen ihren Patienten immer wieder an, versorgen ihn mit Sauerstoff, legen Infusionen und verabreichen Schmerzmittel.

Die Notfallpläne, nach denen Sanitäter vorgehen, sind international standardisiert. »So kann man sich aufs Wesentliche konzentrieren«, erläutert Matthias Leister. Notfallsanitäter werden fast täglich mit Verletzungen konfrontiert, bei denen andere Menschen lieber wegsehen. Kein einfacher Beruf, aber ein erfüllender. »Karina Schmidt ist eine sehr einfühlsame und fachkundige Notfallsanitäterin«, lobt Nern die Kollegin.

Die Notfallsanitäter Dominic Friedrich (l.) und Karina Schmidt kümmern sich um den »Verletzten« Marco Laßmann, den »Ersthelfer« mimt DRK-Ausbilder Matthias Leister.

Corona erschwert die Einsätze der Notfallsanitäter. »Wir kommen schon mal in Wohnungen voll mit Leuten, die alle Corona-positiv sind und uns fragen, ob sie eine Maske tragen müssen«, erzählt Schmidt. Sie und ihr Kollege legen dann erst einmal Schutzkleidung an. Ein anderes aktuelles Problem sind freie Betten in Krankenhäusern: »Wir fahren die Patienten bis Darmstadt oder Kassel«, sagt Friedrich. Das kostet viel Zeit.

Die Notfallübung beginnt um halb Eins in Lützellinden. Für diesen Flugplatz hatte Weber eine Landeerlaubnis erhalten. Um 12.45 Uhr starten er und Grohmann auf dem Flugplatz Reichelsheim, zehn Minuten später treffen sie am Zielort ein, und aus der Übung wird gewissermaßen Ernst. »Ich bin total durch den Wind«, sagt Schmidt kurz nach der Aktion. Auf sie wartete noch ein Flug mit dem »Herzblatt-Hubschrauber« und eine Überraschungsparty zu Hause in Dorheim. Heiraten wollen die beiden »nach Corona«. Eine »Brautjungfer« haben sie übrigens auch schon: Dominic Friedrich hatte mal im Spaß gesagt, wenn seine Kollegin heirate, komme er im rosa Tütü und werfe Blumen. (jw)

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