Camp soll Orientierung geben

Sprachförderung soll besser werden

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Flüchtling Ahmad Shoeib Ghafuri (links) und der Auszubildende Berkay Demiroglu beim Berufsorientierungscamp.

Langen - Flüchtlinge drängen in Hessen auf den Ausbildungsmarkt. Die IHK haben aber Probleme ausgemacht und wenden sich an die politischen Entscheidungsträger. Von Marc Kuhn 

Anlässlich des Berufsorientierungscamps für junge geflüchtete Menschen in Langen hat der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) die Politik in die Pflicht genommen. Zwar hätten im vergangenen Jahr über 730 junge Menschen aus den Hauptherkunftsländern bei hessischen Unternehmen eine Ausbildung begonnen, erklärte Brigitte Scheuerle vom HIHK. „Allerdings sehen wir bei der Ausbildungsreife und der Berufsorientierung dringenden politischen Handlungsbedarf.“ Mit einem sogenannten Aktivitätenprogramm will der Kammertag für Politik und Arbeitsmarktakteure wichtige Handlungsfelder aufzeigen. „So ist unter anderem eine Sprachförderung mit homogenen Klassen, berufsbezogenen Inhalten und Angeboten für höhere Sprachniveaus dringend notwendig“, forderte Scheuerle. „Darüber hinaus sollten Jobcenter auch bei Flüchtlingen, die älter als 25 Jahre sind, das Förderinstrument der Einstiegsqualifizierung einsetzen.“ Die Kammern stellten dort teilweise Unkenntnisse über diese Angebote fest.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach hat in den vergangenen Tagen mit der Pittler Pro Region Berufsausbildung GmbH und der Firma Schoder in Langen zum fünften Mal ein Berufsorientierungscamp für junge geflüchtete Menschen veranstaltet. Dabei stellte der HIHK ein Aktivitätenprogramm zur Integration von Flüchtlingen vor. „Die Eingliederung in Sprachkurse muss zwingend nach Bildungsniveau und Lernfortschritt erfolgen“, heißt es darin unter anderem. „Derzeit sind viele Gruppen sehr heterogen zusammengesetzt, was den Lernfortschritt von leistungsstarken Flüchtlingen hemmt.“

Als große Herausforderung sehen die hessischen IHK die Berufsorientierung bei Flüchtlingen. „Es fehlen Kenntnisse über das deutsche Bildungssystem, die duale Berufsausbildung sowie die Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes.“

Sobald ein Ausbildungsvertrag unterzeichnet ist, sollte eine Duldung ermöglicht werden, verlangten die IHK. Ein Drittel der Flüchtlinge seien Frauen. „Ihr Anteil an berufsintegrierenden Maßnahmen ist allerdings nach Aussagen der Arbeitsmarktakteure deutlich geringer. Um die Akzeptanz von Frauen in der deutschen Arbeitswelt bei Flüchtlingen zu stärken, sind auch passende Integrationsmaßnahmen für geflüchtete Frauen zu entwickeln.“

Jana Maria Kühnl, Referentin der IHK Offenbach, sagte zu dem Camp: „Wir haben nach wie vor das Problem, dass die meisten Geflüchteten unsere deutschen Berufsbilder nicht kennen. Das möchten wir mit unseren Berufsorientierungstagen ändern, damit die Wahl auf den richtigen Ausbildungsberuf fällt.“ 32 Teilnehmer, zwischen 16 und 27 Jahre alt, mit sprachlichen Grundkenntnissen haben beim Berufsorientierungscamps ihre Fähigkeiten im technischen Bereich getestet. „Auf das Ausprobieren in verschiedenen Fertigkeiten bei Pittler folgt im Anschluss ein Unternehmens-besuch bei der Schoder GmbH“, berichtete Kühnl. Dort könnten die Jugendlichen Metallverarbeitung kennenlernen. „Das Berufsorientierungscamp dient vor allem dazu, den jungen Menschen die technische Ausbildung näher zu bringen.“

Kühnl: „Im Anschluss an das Berufsorientierungscamp bespreche ich gemeinsam mit den Geflüchteten und den Betreuern wie es weiter gehen kann. Hier machen wir einen Plan. Ist noch Deutschförderung notwendig? Kann es direkt in eine Ausbildung gehen? Ist die Einstiegsqualifizierung eine geeignete Opti-on? Diese Fragen müssen zunächst geklärt werden. Natürlich halten wir auch schon Ausschau nach geeigneten Kandidaten für unser Programm Einstiegsqualifizierung und Sprache, das ab Sommer in die zweite Runde gehen wird.“

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