Ermittlungen laufen

SS-Massaker: Verdächtiger in Nordhessen

Kassel/Ludwigsburg - Die Kasseler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 96-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis wegen der Beteiligung an einem Massaker im Zweiten Weltkrieg.

Es liege ein Anfangsverdacht gegen den Mann aus Nordhessen vor, sagte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 96-Jährige soll als Angehöriger eines Bataillons der Waffen-SS am Massaker von Babi Jar beteiligt gewesen sein, bei dem Tausende erschossen wurden.
Am 29. und 30. September 1941 hatten deutsche Besatzer in der heutigen Ukraine fast die ganze jüdische Bevölkerung von Kiew ausgelöscht. Mit Hilfe der Wehrmacht ermordeten Männer einer SS-Sondereinheit mehr als 33 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Aufmerksam wurden die Ermittler auf den 96-Jährigen durch ein Schreiben des Simon-Wiesenthal-Centers in Jerusalem. Darin war laut Staatsanwaltschaft gegen den Nordhessen der Vorwurf erhoben worden, er sei Angehöriger der Einsatzgruppen gewesen, die unter anderem für das Massaker verantwortlich seien.

Daraufhin hatte die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) ermittelt. „Wir tragen so viel Material wie möglich zusammen und schauen, ob es noch verfolgbare Beteiligte gibt“, sagte Behördenleiter Jens Rommel. Selbst Anklage erheben könne die Stelle nicht. Wenn eine Tat im Ausland begangen worden sei, sei die Staatsanwalt am Wohnort des Verdächtigen zuständig. (dpa)

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