Stadt und Land bürgen für Kasseler Kunstschau

Bei documenta droht Millionen-Defizit

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Ratlos wirkt der künstlerische Leiter Adam Szymczyk. 

Kassel - Die documenta steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Ihre Geschäftsführung muss einen Bericht vorlegen, Wirtschaftsprüfer sehen sich die Bücher an, Land Hessen und Stadt Kassel springen mit Bürgschaften ein, wie gestern bekannt wurde. Die wichtigste Kunstausstellung der Welt endet am Wochenende.

Die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) hatte gestern berichtet, dass sich die documenta in einer „dramatischen finanziellen Schieflage“ befinde. Nach deren fehlen sieben Millionen Euro. Die Stadt bestätigte „Sicherheitszusagen der Gesellschafter“, äußerte sich aber nicht zur Höhe des Defizits.

Die alle fünf Jahre stattfindende Schau wird je zu Hälfte von den Gesellschaftern der documenta gGmbH (Stadt Kassel und Land Hessen) finanziert. Dritter Geldgeber ist die Kulturstiftung des Bundes. Für fünf Jahre erhält die documenta je sieben Millionen Euro von den Gesellschaftern plus 4,5 Millionen von der Stiftung. Den weiteren Finanzbedarf, laut Geschäftsführung noch einmal diese Summe, muss sie selbst erwirtschaften, etwa durch Kartenverkauf.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der documenta-Gesellschaft, wurde nach seinen Angaben Ende August über drohende finanzielle Engpässe informiert. Bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats sei dank eines aktualisierten Liquiditätsplans sichergestellt worden, dass „der Betrieb der aktuell laufenden d14 (...) bis zu ihrem planmäßigen Abschluss am 17. September 2017 in jedem Fall gewährleistet“ sei.

Doch danach müssen weiter Gehälter gezahlt, der Abbau bewerkstelligt und Rechnungen beglichen werden. Damit das möglich ist, hätten Stadt Kassel und Land Hessen vereinbart, dass die Liquidität der Gesellschaft darüber hinaus sichergestellt sei, durch Sicherheitszusagen beziehungsweise Bürgschaften. Dass der Betrieb weitergeht, ist laut „HNA“ auch Gläubigern zu verdanken, die Zahlungen gestundet hätten.

Wie viel Geld fehlt, konnte Stadtsprecher Claas Michaelis nicht sagen, das sei Gegenstand der Untersuchungen. Die Geschäftsführung sei beauftragt, einen Bericht vorzulegen, parallel außerdem externe Wirtschaftsprüfer. Beide Berichte sollen laut Michaelis nächste Woche vorliegen. Sie sollen bei der Aufsichtsratssitzung am 21. September vorgestellt und danach an die Öffentlichkeit gegeben werden.

Die Geschäftsführerin der documenta-Gesellschaft, Annette Kulenkampff, will sich aktuell nicht äußern. Schon vor Beginn der Ausstellung hatte sie den Etat der documenta als zu niedrig bezeichnet. „Im Verhältnis zur Finanzierung von Theatern ist die documenta durch die öffentliche Hand unterfinanziert. Eine Erhöhung der öffentlichen Zuwendungen wird in der Zukunft notwendig werden“, sagte sie im März im dpa-Interview. Kulenkampff hatte das Amt erst 2014 von Bernd Leifeld übernommen.

Bilder: Eröffnung der documenta 14 in Kassel

Der künstlerische Leiter Adam Szymczyk schwieg bis zum Abend. Nach HNA-Informationen soll der Standort Athen viel mehr Geld verschlungen haben als geplant. Szymczyk hatte erstmals in der Geschichte der documenta das Museum der 100 Tage zweimal stattfinden lassen – erst in Athen, dann in Kassel, bei unverändertem Etat.

Zur Halbzeit hatten die Verantwortlichen eine positive Zwischenbilanz gezogen. Bis Ende Juli seien 445.000 Besucher gezählt worden, 17 Prozent mehr als zur Halbzeit 2012. Aktuelle Besucherzahlen sind nicht zu erfahren.

Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) will sich erst äußern, wenn der Bericht der unabhängigen Wirtschaftsprüfer vorliegt. „Die wichtigste Nachricht ist, dass die reibungslose Durchführung der documenta 14 gesichert ist“, teilte Rhein in Wiesbaden mit. (dpa)

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