Hoffnungslos ausgeliefert

Kommentar: Stau-Land Hessen

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Peter Schulte-Holtey

Pendler bekommen es jeden Morgen zu spüren und fühlen sich hoffnungslos ausgeliefert: Die Infrastruktur im Ballungsraum Rhein-Main steht an vielen Stellen vor dem Kollaps. Das nervt und schadet am Ende auch der Wirtschaft in der Region. Von Peter Schulte-Holtey

Besonders schlimm ist, dass vorläufig Abhilfe nicht in Sicht ist; da kann Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sich noch so sehr auf die eigene Schulter klopfen und auf Millionen-Investitionen verweisen.

Auf den Straßen und im öffentlichen Nahverkehr zeigt sich schmerzhaft, dass der Sanierungsstau über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Man duldete in Wiesbaden eine allmähliche Verschlechterung der Straßen und leitete die Mittel, die eigentlich dringend für die Infrastruktur benötigt wurden, in andere Projekte um. Dabei war von Anfang an klar: Die unterlassene Bestandspflege ist ein Leben auf Pump, bis die Realität ein Machtwort spricht – wie bei dem täglichen Chaos rund um Frankfurt.

Was besonders wehtut: Es fehlt der Politik weiterhin am spürbaren Willen, der Infrastruktur den erforderlichen vordersten Rang in unserer Gesellschaft einzuräumen. Viel zu lange Planungsverfahren mit zum Teil lächerlichen Standards verhindern und verzögern wichtige Infrastrukturprojekte.

Autobahn-Ärger: Hier stehen Hessen häufig im Stau

Dabei sollte es doch inzwischen jedem klar sein: Wer die Wende will, muss jetzt Milliarden in Sonderprogramme investieren. Wer schnell Veränderungen will, muss auch die einzelnen Verkehrsmittel wesentlich besser miteinander verknüpfen, Fahrgemeinschaften massiv fördern, Radschnellwege schneller bauen und neue Wohnsiedlungen sowie Gewerbeflächen möglichst zügig entlang von ÖPNV-Linien planen. Eine überfällige Herkulesaufgabe.

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