Grobheiten von Verkehrsteilnehmern gegenüber Bauarbeitern nehmen zu

Ton auf der Straße wird rauer

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Beleidigungen gehören für Straßenwärter zum Alltag. Ihre Personalvertretung fordert mehr Respekt für die Kollegen.

Frankfurt - Baustellen nerven viele Auto- und Lkw-Fahrer. Ihren Ärger lassen sie an Straßenwärtern und Bauarbeitern aus. Deren Arbeit wird dadurch nicht nur unangenehmer, sondern auch gefährlicher. Straßenwärter werden zunehmend rau angegangen und beleidigt.

Respektlosigkeiten und ein Mangel an Wertschätzung hätten zugenommen, berichtete Willi Donath, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil.
Besonders heftig sei es auf den Autobahnen – und dort besonders an Samstagen. Autofahrer riefen Beleidigungen wie „Ihr A..., müsst ihr jetzt auch noch am Samstag die Straßen verstopfen!“, zitierte Donath. Auch die Winterdienstbesatzungen der Autobahnmeistereien würden regelmäßig von Verkehrsteilnehmern hart angegangen.

Dieser zunehmend abschätzige Umgang mit den Kollegen setzt sich laut Donath in Radio- und Fernsehberichten fort. In Interviews würden Straßenwärter besonders von Lkw-Fahrern betitelt als „Schlafmützen und Faulenzer“, erklärte er. „Da gibt es keinen Respekt dafür, dass unsere Kollegen nach bestem Gewissen arbeiten“, sagte Donath. „Eine weitere Unart“ nannte er Beleidigungen per E-Mail. Auch das nehme zu. Bei den Info-Mail-Adressen von Hessen Mobil kämen an die Beschäftigten gerichtete Beleidigungen und Beschimpfungen an.

Auch Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat schon auf den zunehmend rauen Ton gegenüber Arbeitern an Baustellen auf den Straßen des Landes hingewiesen. In seiner Rede anlässlich des Spatenstichs zum Neubau des Wiesbadener Kreuzes im September kritisierte er, dass Autofahrer in Baustellenbereichen schon mal ihre Fenster herunterkurbelten und die Bauarbeiter beschimpften. Zudem forderte er Verständnis dafür, dass man den Arbeitern an den Baustellen keine reinen Nachtarbeitszeiten zumuten könne.

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Auch dem Sprecher der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) sind Respektlosigkeiten auf der Straße bekannt. Straßenwärter berichteten davon, dass Fernfahrer mitunter mit leeren Getränkedosen nach den Arbeitern würfen, sagte Ruprecht Hammerschmidt. Beschimpfungen kämen bei den Bauarbeitern aber oft gar nicht an. Inmitten von lauten Maschinen und mit Ohrenschutz seien diese nicht zu hören, erklärte der Gewerkschaftssprecher.

Von vielen Bauarbeitern werden Beleidigungen nicht als Belastung wahrgenommen, sondern „sportlich“, sagte Hammerschmidt. Ein viel größeres Problem sei, die Baustellen richtig abzusichern, dass da kein übernächtigter Fernfahrer hineindonnere. Auch Donath berichtete, dass Autofahrer trotz Tempolimit durch Baustellenbereiche rasten. Straßenwärter und Bauarbeiter seien deshalb täglich Gefahren ausgesetzt. (dpa)

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