Nach tragischem Unfall von Zwölfjähriger

Todesfalle Sprungturm: Kletterpark-Betreiber vor Gericht

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Die Attraktion des Kletterparks am Hoherodskopf: Man nimmt allen Mut zusammen und stürzt sich aus einer Höhe von bis zu neun Metern in die Tiefe.

Schotten/Gießen - Es war der Albtraum aller Eltern: Ein zwölfjähriges Mädchen springt in einem Kletterpark von einer sechs Meter hohen Plattform, verfehlt dabei jedoch das Sprungkissen. Von Wolfgang Riek

Fast drei Jahre nach dem tödlichen Sturz hat das Landgericht Gießen nun die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen zwei Männer zur Hauptverhandlung zugelassen. Die Angeschuldigten, die damals den Kletterpark auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg betrieben, müssen sich wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung verantworten. Die Bad Nauheimer Firma steht auch hinter dem Baumkronenweg am Edersee. Das gut neun Meter hohe Stahlrohrgerüst mit vorgelegtem Sprungkissen sollte als Sommerferien-Attraktion nahe Schotten ganz Mutige locken: „Spring in dein Abenteuer“ – je 9,90 Euro kosteten zwei Flüge für Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene aus neun Metern Höhe. Für 4,90 Euro durften sich Kinder ab acht Jahren sechs Meter tief fallen lassen.

Dann der Unfall: Nach Trainingssprüngen von der Sechs-Meter-Plattform verfehlt die Zwölfjährige das Kissen am Fuß des Turmes. Das Mädchen prallt auf eine dicke Luftwulst, die als Kissenumrandung dient, wird laut Polizei wieder hochkatapultiert und schlägt auf den angrenzenden Parkplatz. Ein Rettungshubschrauber fliegt das Kind in die Gießener Uniklinik. Mit Brüchen und schwersten Kopfverletzungen stirbt es Anfang Oktober nach Wochen im Koma.

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Eine Genehmigung der Bauaufsicht hatte der Neun-Meter-Sprungturm nicht. Brauchte er auch nicht: Sie wäre seit Lockerung der Hessischen Bauordnung im Jahr 2002 erst ab zehn Metern aufwärts fällig gewesen. TV-Bilder aus Online-Archiven nährten dennoch einen schlimmen Verdacht: Felsbrocken stachen rund um das Fangkissen aus dem Boden. Auch ein Bauzaun und Bäume in Reichweite, fehlende Sicherheitsnetze und im Vergleich mit Freibad-Sprungbrettern viel zu kurze Absprungkanzeln des Gerüsts kamen Experten für Sportstättensicherheit skandalös vor. Ein Gutachten des TÜV Thüringen im Auftrag der Gießener Staatsanwaltschaft bestätigte 2016, dass mit Sorgfaltspflichten und Sicherheitsvorschriften offenbar sehr lasch umgegangen worden war.

Ein dritter Angeschuldigter ist laut Landgericht Gießen aus dem Schneider: Der Einweiser, der oben mit an der Kante stand, bevor die Zwölfjährige in den Tod sprang, hat nach Erkenntnissen des Landgerichts nichts getan oder unterlassen, was ihm strafrechtlich anzulasten wäre. Auf fahrlässige Tötung stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Verhandlungstermine sind noch nicht festgesetzt (Az.: 2KLs702Js7244/16).

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