Gemeinde will Jagd auf uneinsichtige Halter machen

"Tretminen"-Alarm: Kommt eine DNA-Datenbank für Hunde?

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Symbolbild

Lohra - Die Gemeindevertretung in Lohra stört sich an nicht beseitigtem Hundekot auf öffentlichen Plätzen. So mancher Kommunalpolitiker will eine DNA-Datenbank für Hunde, um die Halter an die Leine zu nehmen.

Schafft eine DNA-Datenbank Abhilfe gegen Hundekot? Mit dieser Frage befasst sich derzeit die Gemeinde Lohra im Kreis Marburg-Biedenkopf. Mit dem Register sollen Vierbeiner identifiziert werden, deren Kot auf öffentlichem Gelände gefunden wird, wie der CDU-Fraktionsvorsitzende der Gemeindeverwaltung, Werner Waßmuth, am Mittwoch sagte. Die Halter könnten so wegen nicht beseitigter "Tretminen" zur Kasse gebeten werden.

Zahlreiche Landwirte und Eltern beschwerten sich über Hundekot auf den immer gleichen Wegen und Feldern, sagte Waßmuth. Dabei wisse jeder, "dass er nicht überall seinen Dreck liegen lassen kann". Eine drastische Geldstrafe könne die nachlässigen Herrchen der knapp 500 Hunde im Ort abschrecken. Der Gemeindevorstand prüft nach eigenen Angaben in den nächsten Wochen bis Monaten die Einführung der Datenbank.

Beschlossen wurde das laut Waßmuth von der Gemeindeverwaltung am Dienstagabend: Mit 18 Ja-Stimmen setzten sich die Fraktionen von CDU, SPD und BfB (Bündnis für Bürgernähe) gegen fünf Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen durch. Um die Hunde zu registrieren, sollen ihnen Speichelproben entnommen und in die Datenbank eingespeist werden. Für Entnahme und Verwaltung der Daten veranschlagt Waßmuth rund 70 Euro pro Hund und Jahr. "Das kostet nicht viel", sagt er; der Aufwand sei überschaubar. Die Registrierung könnte mit einer Senkung der Hundesteuer einhergehen, schlägt Waßmuth vor - "wir wollen die Leute nicht abzocken".

Neu ist die Idee einer DNA-Datenbank für Hunde nicht: Sie gibt es in manchen europäischen Städten, zum Beispiel in London. Auch in mehreren deutschen Kommunen gibt es schon länger Interesse, so diskutierte etwa im Mai der Gemeinderat im baden-württembergischen Deggingen (Kreis Göppingen) über die Datenbank, entschied sich dann aber dagegen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht vor allem juristische Bedenken.

Tierische Gerichtsprozesse des Jahres 2016

Auf Bundes- wie auf Landesebene fehle eine rechtliche Grundlage, um die Hundehalter dazu zu verpflichten, eine DNA-Probe ihrer Vierbeiner abzugeben. Auch sei der Aufwand nicht zu unterschätzen, sagte Referatsleiterin Miriam Marnich. Ordnungspersonal müsse Kotproben entnehmen, diese müssten wiederum untersucht werden. Aus diesen Gründen sei deutschlandweit die Idee einer DNA-Datenbank immer wieder verworfen worden.

Für Waßmuth sind die rechtlichen Bedenken die "größte Hürde", er wolle - sollte sich die Gemeindevertretung vollends für die Datenbank entschließen - für eine Änderung der Landesgesetze einstehen. Das könne ein Präzedenzfall werden, Lohra damit ein Vorbild für andere Kommunen im Kampf gegen den Hundekot: "Wenn wir möglicherweise die erste Gemeinde sind, dann ziehen andere nach", sagt Waßmuth. (dpa)

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