Fachkräftemangel in Hessen

Unternehmen müssen flexibler reagieren

Offenbach/Hanau - Der Mangel an Fachkräften belastet weiterhin die Firmen im Rhein-Main-Gebiet. In diesem Jahr gibt es in ganz Hessen 2,192 Millionen Fachkräfte, teilte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern gestern unserer Zeitung mit. Von Marc Kuhn 

Der Fachkräftemonitor gehe davon aus, dass es im Jahr 2030 nur noch 1,746 Millionen sind – ein Rückgang um fast 20 Prozent.

Für den Main-Kinzig-Kreis prognostiziere der Monitor bis 2020 einen Engpass von rund 8000 Personen. „Bis 2030 könnte dieser voraussichtlich auf bis zu 15 400 Personen anwachsen“, berichtete die IHK. Zwar besteht laut Prognose des Fachkräftemonitors auch ein Mangel an akademisch ausgebildeten Mitarbeitern, allerdings fällt dieser deutlich geringer als bei Menschen mit dualer Ausbildung aus.

Während das Angebot an Fachkräften abnimmt, steigt deren Durchschnittsalter weiter an. Vor zehn Jahren betrug es im Main-Kinzig-Kreis 40,5 Jahre, heute liegt das Alter bei 44,4 Jahren. Bis 2030 steigt es voraussichtlich auf 46,8 Jahre. „Immer mehr Fachkräfte werden in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden“, erklärte Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. „Damit geht der Verlust von wertvollem Know-how einher.“ Unternehmer sollten deshalb frühzeitig künftige Mitarbeiter anwerben oder ausbilden. „Hierbei muss es auch darum gehen, Bewerber zu berücksichtigen, die früher durchs Raster gefallen wären. Frauen in Männerberufen, Ältere, Migranten – die Unternehmen merken bereits, dass sie flexibler werden müsse.“

Einen Fachkräftemangel gibt es auch in Offenbach. Es fehlen etwa 13 000 Mitarbeiter, davon rund 10 000 nicht-akademische Kräfte, wie die IHK mitteilte.

Der Engpass setzt auch der IHK Frankfurt zu. Den Betrieben im Bezirk fehlen in diesem Jahr rund 71 000 Fachkräfte, 60 000 davon im nichtakademischen Bereich, wie die Kammer mitteilte. „Die Bereitschaft, den Nachwuchs selber auszubilden, ist deswegen bei unseren Unternehmen ungebrochen hoch“, sagte Karen Hoyndorf, Vize-Präsidentin der IHK. „Wir freuen uns angesichts des drängenden Problems darüber, dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in unserem Bezirk in diesem Jahr insgesamt deutlich um 6,5 Prozent angestiegen ist.“

In dem Bezirk, zu dem die Stadt Frankfurt sowie der Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis zählen, ist die Zahl der Lehrverträge von 3 224 im Juni 2017 auf 3 432 in diesem Jahr gestiegen. „Üblicherweise sind zum aktuellen Zeitpunkt rund 60 Prozent aller Ausbildungsverträge des Jahres abgeschlossen, jetzt kommt der Schlussspurt“, so Hoyndorf. Nach wie vor gibt es etwa 900 offene Ausbildungsstellen in der IHK-Lehrstellenbörse.

In Offenbach sind laut IHK bis zum 30. Juni dieses Jahres 948 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Im gleichen Zeitraum 2017 waren es 884. Dies ergibt 2018 eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent. Zurzeit zählt die Lehrstellenbörse der IHK noch 275 offene Ausbildungsstellen.

Damit Firmen und potenzielle Azubis zusammenfinden, haben die Kammern einen Ausbildungs-Atlas online gestellt. Er zeigt, in welchen Berufen Betriebe Lehrstellen anbieten. Für Frankfurt findet man diesen unter www.frankfurt-main.ihk.de. Für Hanau lautet die Adresse www.hanau.ihk.de, für Offenbach www.offenbach.ihk.de. Das Stichwort lautet jeweils Ausbildungs-Atlas.

Rubriklistenbild: © dpa

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