Lehrerverband in Hessen: Wesentlich bessere Ausstattung nötig

VBE-Vorsitzender gegen Migrantenquote an Schulen

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VBE-Chef Stefan Wesselmann, Schulleiter in Mainhausen, will Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeitern, Schulpsychologen und Dolmetschern.  

Offenbach - Eine Quote für Schüler mit Migrationshintergrund, damit die Mischung in der Klasse stimmt? Entsprechende Vorstöße von Bildungsministerin Johanna Wanka – unterstützt durch die Gymnasiallehrer-Gewerkschaft – werden heftig kritisiert. Von Peter Schulte-Holtey

Eine Rote Karte kommt auch von Stefan Wesselmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Hessen. Im Interview erläutert er, warum.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat sich nun erstmals offen für eine Begrenzung der Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund pro Klasse gezeigt. Ist das aus Sicht Ihres Verbandes der richtige Ansatz?

Ohne an der Kompetenz der Bundesbildungsministerin zweifeln zu wollen... Aber wie, bitte, soll denn das in der Praxis aussehen? Wer bestimmt darüber, welche Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an eine andere Schule gebracht werden? In der wievielten Generation hat jemand eigentlich noch einen Migrationshintergrund? Und: Sollen dann in Frankfurt, Offenbach, Hanau und Dietzenbach Schulklassen geschlossen werden? Oder müssen im Gegenzug Schülerinnen und Schüler aus dem Umland an die entsprechende Schule gebracht werden? Wer organisiert und finanziert den erforderlichen „Schülertransport“? Im Rahmen der Inklusion wird versucht eine möglichst wohnortnahe Beschulung zu ermöglichen und für die Beschulung von Menschen mit Migrationshintergrund soll das nun umgekehrt werden. Der Vorschlag ist realitätsfern, nicht praktikabel und geht an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler vorbei.

Die Probleme an vielen Schulen mit überdurchschnittlich vielen Kindern, die einen Migrationshintergrund haben, können aber nicht wegdiskutiert werden. „Wenn sich einheimische Kinder in der eigenen Klasse fremd fühlen, dann ist das kein gedeihlicher Zustand“, heißt es bereits. Was ist Ihr Eindruck: Ist der Druck an den Schulen – zum Beispiel in Rhein-Main – zuletzt gewachsen?

Die Problematik im Rhein-Main-Gebiet ist nicht neu. Sie hat allerdings in den letzten Jahren – durch Zuwanderung aus nicht-deutschsprachigen EU-Ländern – und natürlich durch die große Zahl an Flüchtlingen eine neue Dimension erhalten. Natürlich verschärfen sich damit die Probleme in den Schulen, teilweise drastisch. Hinzu kommt der Druck durch unbesetzte Lehrerstellen. Bei allem guten Willen von Landesregierung und Kultusministerium: Mit Sprachkursen und Lehrerstellen alleine werden wir das Problem nicht lösen können.

Bilder: Bundespräsident Gauck zu Gast in Offenbach

Was schlägt der VBE vor – wie sollte in Hessen jetzt zuerst gehandelt werden?

Es gibt zwei gleich wichtige Ansätze: Schulen in entsprechenden Einzugsgebieten müssen noch wesentlich besser ausgestattet werden. Und dabei geht es nicht nur um Lehrerstellen für mögliche Doppelbesetzungen im Unterricht. Es bedarf vor allem multiprofessioneller Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit, Schulpsychologen und Dolmetschern. Und damit ist auch der Schulträger in der Pflicht. Der zweite wichtige Ansatz geht über das Schulleben hinaus. Integration ist nicht nur Aufgabe von Schule. Hier sind vor allem die Kommunen in der Pflicht. Städteplanung und Wohnungspolitik müssen dafür Sorge tragen, dass sich keine Brennpunkte bilden, beziehungsweise bestehende aufgelöst – und nicht verschoben – werden.

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